Blutlagern aber wie?

Weil Ahnen alle auf Power and Inner Voice laufen :D
Ich meine Ironie zu erkennen und stimme dir somit zu:
Ich finde diese Interpretation der alten Kainiten, die ALLE immer nur voll egoistisch und böse sind, kindisch und albern. Das hat mit Personal Horror für mich dann so viel zu tun wie Grimm's Märchen.

Für mich macht es den wesentlichen Reiz bei VtM aus, dass die Entmenschlichung ein durchaus nachvollziehbarer Prozess ist. Die WoD ist ne grausame Welt. Mach einen Fehler und du bist tot. Lass jemanden aus den Augen, der dir wichtig ist, und er ist tot. Lass jemanden zu nah an dich ran und du riskierst, dass er dir ein Messer reinrammt. Zeig offen, wen du gern hast und deine Feinde wissen, auf wen sie losgehen, wenn sie dich ärgern wollen...

Menschlichkeit ist gefährlich. Menschlichkeit macht angreifbar. Menschlichkeit tut weh und kostet in einer grausamen Welt der Dunkelheit verdammt viel Kraft.
Ja und deswegen knicken viele früher oder später mehr oder weniger ein, retten sich auf Gedanken wie "Ist halt so.", "Kann man nicht ändern." oder "Werd Täter oder bleib ein Opfer!". Ja, viele stumpfen ab. Aufgrund der eigenen psychischen Belastung, Erziehung durch einen entmenschlichten Erzeuger, schlechten Einfluss des Umfeldes und und und...

Aber man stumpft halt nicht zum Selbstzweck vor sich hin, einfach nur, weil mans stylisch findet, wenn man als alter Kainit so richtig böse ist. Man stumpft halt so vor sich hin, wie man am besten durch die Welt kommt.
Der Ventrue-Ahn stürzt sich auf seine politischen Visionen um eine Welt zu beherrschen, zu der er eigentlich jeden Bezug verloren hat, weil er sonst auch garnicht die Wahrheit ertragen würde, dass er für diese Welt eigentlich nur ein asoziales Monster ist.
Der Giovanni-Ahn stürzt sich auf seine nekromantische Forschung (und seine Cousine), weil er sich außerhalb seiner Freak-Familie ständig mit seiner Monstrosität und den qualvollen Schmerzen auseinandersetzen müsste, den er den Menschen beim Biss bereitet.
Der Torrie-Ahn stürzt sich auf seine Kunst... und und und...

...aber umso wertvoller sind für jeden von ihnen, die wenigen Bezugspersonen, die sie in ihrem Leben noch haben - wenn sie welche haben. Klar, diejenigen, die sich auf nem Pfad bewegen, werden sich dies kaum eingestehen wollen, weils angreifbar macht. Aber genau solche Fragen, machen den Horror für mich personal:
"Konfrontier dich jeden Tag mit der Scheißwelt oder machs dir leicht: Schließ die Augen, lass diese menschlichen Schwächen hinter dir, werd zum Monster. Komm schon. Du willst es doch. Und die anderen haben es eh verdient."
Und das ist mMn keine einmalige Entscheidung, sondern ein ständiger Prozess, der in der Nacht des Kusses beginnt und erst endet, wenn der Kainit bis auf Mk 0 abgesackt ist... oder stirbt.

Verdammt, in VtM gehts doch auch um Intrigen und Verrat - wer zur Hölle, soll denn da jemanden verraten oder gegen jemanden intrigieren, wenn jeder, der was zu sagen hat, sowieso als Einzelgänger ständig nur aus tiefster inneren Überzeugung seine "Leck mich"-Attitüde spazieren trägt?

Wer keine Menschlichkeit zeigt, wird als Monster bezeichnet und gejagt. Wer zu viel Menschlichkeit zeigt, wird fertig gemacht.
Willkommen in der Welt der Dunkelheit.


Kurz:
Ums spannend zu machen, brauchen Charaktere beide Facetten - Mensch und Monster.
Auch Ahnen.
 
und die paar Ahnen, die nicht so abstumpfen, ziehen sich aus der Welt weiter zurück und spielen, dass Spiel nicht mehr mit
 
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