[22.04.04]Ruhe nach dem Sturm

Richard war während der Heilung ein bisschen zurück getreten und auch als Viktor danach die Geste dafür gemacht hatte, dass er ruhig sein sollte. Danach trat er wieder näher und half Viktor beim aufstehen.

„Ja ... das ist schon klar. Mir wäre es auch lieber, wenn du das nicht jedem erzählst. Eine Freundschaft zwischen Vampiren und Garou ... ist nicht so häufig ... na ja ... auch wenn das hier wohl eher eine Ausnahme ist. Ich meine ... Tatjana hat schon immer jemanden gesucht, mit dem sie reden kann und wo sie sich wohlfühlt ... und ich ... ich weiß auch nicht.“ Wieder stockte er etwas ...

Um schnell das Thema zu wechseln meinte er: „Hast du auch eine Badewanne? Oder duscht du grundsätzlich? Ich mein ... vielleicht würde dir ja ein Bad recht gut tun ... und du siehst im Moment wirklich noch ... na ja ... du solltest dich vielleicht mal waschen, vielleicht kommen dann noch andere Kratzer zum Vorschein, die du so gar nicht spürst.“

Super ... das war ja gaaaanz toll gemacht. Schnell, um das Thema zu wechseln gleich zum nächsten: Hee Junge, zieh dich aus ... wirklich! sehr gut gemacht. Er sollte lieber die Klappe halten. Richard wurde schon wieder rot.
 
Fast wäre Viktor die Gesichtsmuskulatur verrutscht, aber er konnte sich noch kontrolieren.
Da stand dieser Riesen-Kerl neben ihm und machte Vorschläge, deren Durchführung unter normalen Umständen schon geschehen wäre, aber so...
Und wieder dieses rot werden.

"Äh, nein, ich meine, eine Badewanne habe ich oben...sogar eine ziemlich große! Und draußen im Garten habe ich sogar einen Teich, aber der wäre nicht so gut zum waschen geeignet!
Und ja, du hast recht, ich sehe wahrscheinlich wirklich ziemlich schlimm und schmutzig aus, aber richtig baden würde ich glaube ich lieber, wenn ich wieder in Ordnung bin!"

Viktor betonte das 'richtig baden' etwas merkwürdig.
Wieder glitt ein schelmisches Grinsen über sein Gesicht.
Aber er hatte Angst, das Badezimmer zu betreten, sich im Spiegel zu sehen.
Seine linke Körperhälfte hatte es voll erwischt, und immer wieder, wenn sein Armstumpf in sein Blickfeld geriet, hätte er am liebsten die Augen geschlossen.
Kastrationsängste waren nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.
Und eine abgetrennte Hand war definitiv so ein Fall!

"Aber ein wenig duschen muss ich wohl heute auf jeden Fall...das Blut muss runter!
Und vielleicht habe ich ja wirklich noch Wunden oder Teile des Steins irgendwo stecken.
Aber mit einer Hand wird es schwierig, das ganze Ausziehen und so zu erledigen... kannst du mir vielleicht dabei helfen?"

Ein fragender Blick, als er sich in Richtung des Badezimmers aufmachte.
 
Richard schluckte erneut und nickte. Er wollte erst wieder richtig baden wollen, wenn er also gesund war. Vielleicht war es nur eine versteckte Andeutung ... aber der Fianna lächelte ihn kurz auch breit an. „Ähm ... klar. Deswegen bin ich ja auch mitgekommen ... Also ... zum helfen ... “

Dann folgte er Viktor in Richtung Bad. Etwas nervös wurde Richard schon ... und sein Herzschlag erhöhte sich. Sonst aber versuchte er diese Nervosität zu verbergen.
 
Als sie im Flur an der Statue vorbei kamen, klopfte Viktor dagegen.

"Mensch, und ich dachte, als wir damals den guten alten Herk hier von dem Gelände eines griechischen Restaurants geklaut hatten, das das die aufregendste Nacht meines Lebens gewesen sei...wie man sich täuschen kann!"

Er grinste zu Richard zurück, zwinkerte kurz, dann bog er ins Badezimmer ein.
Als es ans ausziehen der Reste des Pullovers ging, konnte der ungelenke Tremere wirklich Hilfe gebrauchen.
Als Richard ihm half, konnte er auf Viktors Rücken eine weitere Tätowierung, eine Art Spinnennetz im Tribal Stil ausmachen, und eine alte, längst verheilte Narbe war in Höhe der linken Niere zu erkennen.
Als er dagegen kam, sagte Viktor:

"Da habe ich mal ein Messer von einem Häftling reinbekommen, als ich damals im Gefängnis gearbeitet habe! Ging aber noch mal gut aus!"

Er zuckte die Schultern und stellte sich dem Ausmaß seiner Verwundungen im Spiegel.
Er hatte immer noch einen fast offenen Riss in der linken Wange und der Armstumpf sah wie irgendwie wie leicht verdorrtes Fleisch aus.
Ansonsten war sein Körper wieder unversehrt.
Dort, wo vorhin noch seine Innereien offen in der luft hingen, war frisches Fleisch, gesunde Haut, Körperbehaarung und sogar die unversehrten Tätowierungen vorhanden.
An den wiederhergestellten Stellen war kein Blut, was dem ganze eine seltsame Musterung verlieh.

Er sah Richard im Spiegel hinter sich stehen.
Blickte dann runter auf seine zerfetzte Hose.

"Hm, die kann ich wohl wegschmeißen!"

Er griff in seine Hosentasche und holte sein kaputtes Handy raus.

"Scheiße...ich hoffe mal, das die Karte noch in Ordnung ist...muss wohl wieder mein altes Handy rausholen!"

Dann versuchte er, sich auch seiner Beinkleider zu entledigen, während er schon das heiße Wasser seiner Dusche andrehte.

"Hilf mir mal bitte! Keine Angst, ich beisse nur, wenn du das willst!
Eine Freundschaft zwischen Garou und Vampir würde ich niemals willentlich gefärden wollen!
Kannst du mir eigentlich morgen abend helfen, zur Müllhalde zu kommen?
Ich hoffe doch, das du hier den Tag verbringen kannst?"

Und wieder zwinkerte er.
 
Richard war nun irgendwie erstaunlich ruhig. Zumindest am Anfang. Als Viktor das mit der Statue erzählt hatte, musste er lächeln ... Die aufregenste Nacht war bestimmt mittlerweile eine andere.

Als sein Blick auf die Narbe fiel und dazu die Erklärung kam, kam nur ein leises "Oh." Und natürlich der passende Gesichtsausdruck. Viktor sah tatsächlich aus, wie ein Flickenteppich ... zumindest vom Dreck-, Blut- und Sauberkeitsgehalt auf der Haut.

Dann kam die Hose ... Die konnte er tatsächlich wegschmeissen und er nickte zustimmend bei Viktors Bemerkung. Immernoch war Richard besonders ruhig ... Mit einem neuen Handy konnte er nicht dienen, sonst hätte er es ihm bestimmt angeboten. Vorsichtig und ruhig, nahm er ihm das kaputte Handy ab und legte es auf den Rand des Waschbeckens. Das tat er irgendwie bedächtig.

Der Fianna lächelte kurz und endlich sprach er auch. "Wenn du mich beißt, beiß ich zurück." Das Lächeln wurde etwas breiter. Er öffnete Viktors Hose und half ihm aus den Resten zu steigen. "Ich bleibe den Tag über bei dir." Richard sah nur in das Gesicht des Tremers und schluckte.
 
"Na, dann will ich doch mal hoffen, das du das mit dem zurückbeissen ernst meinst! Darauf stehen wir, weißt du!?"

Er grinste, stellte sich vor dem Mann in Glabrogestalt hin und musterte ihn, als er ihm die Zusage für den Verbleib bis zur nächsten Nacht gab.
Das Schlucken entging Viktor nicht.
Er schmunzelte und klopfte ihm auf die breite Schulter.

"Hey, Das ist toll! Und mach dir keine Sorgen, ich bin auf dem Weg zur Besserung, aber man weiß ja nie!
Und vielleicht kannst du mir ja morgen mit meinem Wagen helfen. Der müsste noch in der Nähe des Klosters stehen und so kann ich nicht fahren."

Er nahm die Kette mit dem Amulett vom Hals und hielt diese nachdenklich in der Hand.
Nur ein gemurmeltes 'Danke!' kam über seine Lippen!

Dann stieg er in die Dusche und begann, das in der üppigen Körperbehaarung verklebte Blut auszuwaschen, so das es in rötlichen Schlieren hinunter lief.
Man konnte deutlich erkennen, das er wohl mal viel Krafttraining betrieben hatte, um eine eindrucksvolle Statur zu bekommen, hatte aber auch ein wenig Speck angesetzt.
Er stand mit dem Rücken zu Richard, als er eine kurze inne hielt. Das gröbste war runter.

"Kannst du bitte mal nachschauen, ob du an meinem Rücken noch irgend etwas entdecken kannst?"

Er blieb still stehen, fuhr dann weiter fort zu sprechen.

"Und weißt du, was für mich auch mal eine sehr dramatische Sache war?
Als ich damals in der Schule entdeckt habe, das ich mich in meinen Mathelehrer verknallt hatte und nicht wusste, was ich jetzt machen sollte!
Ich war 15, noch ziemlich unerfahren, schwul und wusste nicht, wie ich jemanden ansprechen sollte, der so ganz anders als ich war... Ich habe es mich damals nicht getraut und es ging mir eine zeitlang echt mies damit!"

Er drehte sich um, so das sein nasses Gesicht nur noch wenige Zentimeter von Richards entfernt war. Bestimmt sah er ihm in die Augen.
Dampf lag in der Luft.

"Ich habe mir dann geschworen, das mir sowas nicht wieder passieren würde! Manchmal musste man auch was wagen, um etwas zu gewinnen, auch, wenn man dabei verlieren kann!"

Mit diesen Worten legte er Richard die Hand mit festem Griff auf den Nacken und zog seine Gesicht sacht aber bestimmt näher an seines heran.
Er küsste ihn!

Na komm, hab keine Angst! Und bitte lass mich das Richtige tun!
 
Richard war am Anfang immernoch sehr ruhig. "Natürlich helf ich dir. Ich fahr dich auch, wohin du musst."

Der Fianna nahm sich dann einen Waschlappen und wusch damit Viktors Rücken. Vorsichtig und bedächtig ... nicht, dass er irgend einen Splitter weiter hineintrieb. Seltsame Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Sonst war er doch nicht so der Kopfmensch ... ähm Garou ... Er handelte oft einfach aus dem Kopf heraus. Viktor war ihm ans Herz gewachsen ... mehr wusste er nicht.

Als er sich dann Viktors Geschichte ... besser gesagt, seine Erfahrungen anhörte, wurde er noch ein Stück nervöser ... er wusste nicht, was er darauf sagen soll. Für ihn war die Situation fremd. Dann drehte sich Viktor auch noch um und Richards Blick huschte schnell wieder in sein Gesicht. Sonst hätte er womöglich noch wo anders hingesehen.

Richards Herz schlug bis zum Hals ... und zwar ziemlich laut. Dann der Kuss. Seine ganzer Körper spannte sich an, er war zuerst stocksteif ... schloss aber dann die aufgerissenen Augen und erwiderte Viktors Kuss. Was passierte da nur mit ihm? Dann änderte sich seine Wahrnehmung.

Irgendwie, sah er sich jetzt mit Viktor in einer innigen Umarmung, die gegenseitige Kraft ausstrahlte, in der Dusche stehen. Nicht nur Viktor war nun nass ... Nach einigen Augenblicken war der Zauber vorbei und Richard sah den Tremer an. Seine Lippen bebten und der Herzschlag war immernoch auf 180 (oder höher).

Dann schüttelte er sanft den Kopf. "Du verlierst nicht." Mehr konnte er in dem Augenblick nicht sagen.
 
Viktors Tun wurde erwidert.
Ein unglaubliches Gefühl durchströmte ihn!
Es war eine Mischung aus Dankbarkeit, Angst, Geilheit und etwas, von dem er dachte, das es nie wieder passieren würde, aber doch irgendwo wieder hervorgekommen war.

Als der Kuss vorrüber war und Richard ihn in seiner Hoffnung bestärkte, schlang er den Arm um den massigen Glabro und drückte seinen Kopf an den eigenen.
Richard hatte etwas hilfloses in seinem Blick gehabt, und Viktor wusste selber, wie einem in so einer Situation zumute war.
Er flüsterte.

"Keine Angst! Alles ist richtig! Du weisst gar nicht, was das...Du mir bedeutet!"

Am liebsten wäre er über ihn hergefallen!
Die Verletzung war ein Grund, warum er es nicht tat!
Aber noch war da dieser nagende Zweifel in ihm.
Was, wenn Richard nicht aus freien Stücken etwas für ihn empfand? Oder es nur aus Dankbarkeit erwiderte?

Er löste die Umarmung, sah den Iren in die Augen.
Seine Hand strich über Richards Kopf.

"Alles in Ordnung?"

Die Dusche prasselte, klang fast ohrenbetäubend für ihn.
 
Richard genoß diese Umarmung ... auch wenn er jetzt pitschnass war ... egal. Es war einfach wunderschön. Vor allem, war es eine Art Sehnsucht, die endlich erfüllt wurde. Er hatte bisher noch keinen ... Freund ... in dieser Hinsicht und er hoffte, dass er alles richtig machte.

Als Richard ihm über den Kopf strich, hatte er die Augen geschlossen und legte sich mit dem Kopf fast in die Hand hinein. Bei Viktors Frage ob alles in Ordnung war richtete er den Kopf wieder auf und sah den Tremere erstaunt an. Warum fragte er das? Hatte er doch etwas falsch gemacht? Kurz zuvor sagt er noch, dass alles richtig ist ... und jetzt diese Frage? Das verwirrte Richard und er schluckte.

"Warum fragst du das? Gebe ich dir das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist?" Richard klang etwas nervös.
 
Viktor mochte das Gefühl, wenn sich ihm jemand hingab, und als Richard mit geschlossenen Augen seine Berührung zu genießen schien, war das wie Weihnachten, Geburtstag und alles andere positiv Mögliche zugleich!
Es hätte niemals enden dürfen!

Als ihn dann Richard wieder ansprach, legte Viktor ein entschuldigendes Lächeln auf, drehte sich kurz um und drehte die Dusche ab.
Dann musterte er sein Gegenüber wieder.

"Hey, du bist ja ganz nass!
Normalerweise würde ich ja sagen, das du raus aus diesen Klamotten musst, aber ein wenig bemerke ich doch, das du nervös bist!
Ich übrigens auch, aber ich möchte dir sagen, das es keinen Grund dafür gibt!
Ich erwarte nichts von dir, was du nicht selber möchtest und von meiner Seite aus wird heute nichts passieren, was dich vielleicht in Verlegenheit bringen könnte!
Du brauchst also nicht aufgeregt zu sein...Entspann dich!"

Viktor stieg aus der Dusche, man konnte bemerken, das er immer noch sehr versehrt war. Trotzdem strich er Richard durch den Bart.

"Hör zu!
Ich will dich!
Ich weiß aber auch, das die ganze Situation ziemlich abgefahren und auch kompliziert ist.
Aber wenn wir beide sicher in dem sind, was wir wollen, gibt es nichts, was ich zwischen uns stehen lassen würde!
Du musst dir auch sicher sein... deswegen frag ich! Wegen deinen Leuten, wegen dem, was ich bin.... Ich habe halt Angst, dich zu etwas zu bringen, was du vielleicht nicht selber möchtest..."

Eine Wasserlache hatte sich zu Viktors Füßen gebildet.
Er schaute entschuldigend.
Verdammt, ja, er hatte auch Angst!
 
Richard nickte und lächelte aufmunternd. Während er Viktor ein Handtuch reichte und ihn darin "einpackte".

"Ich war noch niemals zuvor in so einer Situation. Und damit meine ich keine Beziehungskiste zwischen Vampir und Garou, sondern zwischen zwei Männern. Es ist also alles neu für mich. Deswegen bin ich nervös.

Ich weiß nur, dass ich mich bei dir mehr als gut fühle und ich sehr viel für dich empfinde. Dass du ein Vampir bist, spielt hierbei keine Rolle. Außer dass ich eben zu dir ehrlich sein kann und du nicht schreiend weg rennst, nur weil ich dir erzähle, dass ich etwas über drei Meter groß werden kann ...

Glaub mir. Ich habe genug Arsch in der Hose, um zu sagen, was mir nicht passt. Ich kann auch meistens meinen Standpunkt recht gut ... verteidigen." Dabei grinste Richard breit. "Siehst du ... sowas könnte ich niemals zu jemand normal-sterblichen sagen ... Ich fühle mich bei dir frei. Ich kann das sein, was ich bin, ohne mich zu verstecken.

Wahrscheinlich habe ich nach dir sogar gesucht ... ich weiß es nicht ... Wie gesagt: Ich werde erst einmal die nächsten Tage hier bleiben. Ich werde wohl genug Zeit haben, mir selber klar zu werden, was ich will ..." Richard überlegte kurz.

"Aber zuerst will ich aus den nassen Klamotten raus ..." Er lächelte schelmisch. Dann nahm er sich ein Handtuch, trocknete sich ab und schwang es sich um die Hüften.
 
Dankbar nahm Viktor Richards Hilfe bei dem Handtuch an. Mit einer Hand war das echt übel.

Und als ihm Richard deutlich machte, das er noch keine Erfahrung mit Männern hatte, war seine Antwort nur ein: "Hey, funktioniert auch nicht anders als mit Frauen! Naja, ein kleine wenig anders schon!" und ein Grinsen!
Sowas ist ja nun eines der kleinsten Probleme, aber er würde vorsichtig vorgehen.

3 Meter?!?!

Er schluckte bei dem Gedanken daran, vorhin von einem so riesigen Ding getragen worden zu sein. Und selbst dieser Gedanke machte ihn an!
Und sicher, Richard war kein kleiner Junge! Natürlich konnte er seinen Standpunkt klarmachen! Deswegen nickte Viktor nur bestätigend!
Wahrscheinlich war er nur übervorsichtig, aber er konnte dieses Glück nach der ganzen Misere einfach nicht fassen.

Und als sich Richard seiner nassen Klamotten entledigte, wähnte sich Viktor in einem Porno!
Klar, natürlich konnte er wegsehen, aber warum sollte er!?

"Wow!"

Es lag wirklich einiges an Bewunderung (und unterdrücktem Sabbern) in nur einem Wort!
Um sich ein wenig abzulenken, und nicht alle seine Vorsätze über Bord zu schmeißen, kam er auf das Gespräch zurück.
"Schön, das du hier bleibst! Ich hoffe, dein Rudel kann solange auf dich verzichten? Zu Essen müsste ich noch etwas in der Tiefkühltruhe haben, aber wir können ja auch noch zusammen etwas frisches einkaufen!
Möchtest du vielleicht jetzt noch was essen oder trinken?
Ich würde mich dann gerne langsam hinlegen!
Was ist mit dir? Möchtest du auch langsam schlafen?"

Er stand etwas fragend in der Tür.
 
Richard lächelte entspannt. Irgendwie freute Viktors Reaktion ihn. Richard wurde tatsächlich auch müde ... kein Wunder ... die letzte Zeit hatte er kaum geschlafen und auch heute war er schon sehr lange auf den Beinen.

"Ich bin momentan zu müde, um Hunger zu haben. Ich bin völlig am Ende und freu mich schon regelrecht auf ein gemütliches Bett, wo ich dich umarmen kann ... " Den letzten Teil des Satzes sprach er etwas leiser aus.

"Mach dir mal um mein Rudel keine Gedanken. Silvia weiß bescheid. Das reicht vollkommen." Dann trat er aus dem Bad heraus und lies Viktor den Vortritt. "Nach dir." Er lächelte.
 
Viktor drückte sich mit etwas übertrieben mit eingezogenen Bauch, der jetzt zum Glück wieder halbwegs unversehrt war, an dem massiven Glabro vorbei und grinste.

"Shit, wenn ihr Garou alle so ausseht, werde ich auf Dauer wohl nicht mit euch zusammen sein können!! Da bekommt man ja einen Herzinfarkt!"

Er fuhr ihm mit der Hand über die Behaarung auf den Brustmuskeln, zwinkerte einmal und ging dann weiter.

"Das ist echt zu heiß auf Dauer, aber ich schätze mal, das die mit dir nicht mithalten können! Na, komm mit hoch!"

Er ging dann die Treppe ins obere Stockwerk hinauf. Er hatte zwar auch unten ein Schlafzimmer, aber das war eher für 'Gäste', also auch für die 'Jagd', und es standen noch ein paar Kisten vom Umzug drin.

Das obere Stockwerk war nahezu perfekt für die Bedürfnisse eines Vampirs ausgestattet. Eine verschließbare Tür oben an der Treppe, die vom Hauseingang weg nach unten führte, sorgte für weitere Sicherheit, stand aber offen. Ein paar Türen lagen geschlossen da, und Viktor ging in die vorletzte Tür hinten, hinter der das Schlafzimmer lag.

Neben der gemütlichen Ausstrahlung des Zimmers und dem großen Doppelbett waren die unzähligen Teddybären auffällig, die fast überall herum standen und saßen.
Ein Deckenfluter sorgte für Licht und ein paar Behältnisse für Räucherwerk sorgten immer noch für ein wenig Aroma in der Luft, auch wenn diese natürlich lange nicht benutzt worden waren.
Ein Fenster war nicht auszumachen, was aber wohl nur an dem davor geschobenen Schrank lag. Mit einem klein bißchen Mühe konnte man dieses wohl auf Kipp stellen. Aber es gab auch eine Belüftung.

Viktor setzte sich auf das Bett, das noch zerwühlt da lag. Ein paar Kleidungsstücke lagen auch herum.

"Entschuldige die Unordnung, aber ich bin in der letzten Zeit nicht zum Aufräumen gekommen!"

Er machte es sich gemütlich. Auch er konnte es kaum erwarten, Richard im Arm zu halten.
 
Richard lachte. „Du glaubst gar nicht, wie behaart Silvia aussieht, wenn die in Glabro ist ... glaub mir. Die ist dann echt ein haariger Anblick ... Oder Tatjana ... „ Er schüttelte sich leicht angewidert. Lächelte aber gleich darauf so, dass man merkte, dass das nur ein Spaß ist.

„Und jetzt hör endlich auf, so rumzuschwärmen ... das ist ja nicht zum aushalten. Sonst bleibe ich noch dauerrot ... obwohl das ja wieder gut zum Fell passen würde. Dann sah er die ganzen Teddybären und grinste.

„Soll ich dir nicht lieber einen Gurahl besorgen? Ich kann nur mit nassem Wolf aushelfen. So wie ich mir das ansehe, bin ich wirklich als falscher Wandler auf die Erde gekommen." Naja ... das Grinsen auf seinem Gesicht zeigt eher, dass er auch mit seinem Los meist sehr zufrieden ist.

"Und wegen Unordnung brauchst du dich nicht entschuldigen. Ich bin sowas gewohnt ... bei mir siehts auch nicht anders aus. Eher schlimmer ..." Dann legte er das Handtuch zur Seite und schlüpfte zu Viktor unter die Decke.
 
"Och, ist eigentlich nur was zum Sammeln! Die Teddys sind nur so ein Splien! Versuch mal, einen kuscheligen Wolf zu finden!"

In dem Moment, als er es aussprach, wurde ihm klar, wie blöd der Satz eigenntlich war! Also grinste er einfach nur ein wenig verschmitzt.

"Na, da habe ich jetzt aber wohl Glück gehabt! Aber ich setz dich bestimmt nicht zu den anderen hier! Ein nasser Wolf macht mir da nur Stockflecken rein!"

Er lachte kurz auf, nahm sich ein Tuch aus einer Schublade und wand es sich um seinen Armstumpf. Irgendwie war ihm das peinlich und es tat auch noch ziemlich weh.
Dann wandt er sich wieder zu Richard um, der einfach riesig im Bett aussah.

Er sah ihn ernst an und strich ihm wieder mit der Hand über den Kopf.

"Glaub mir, an dir ist alles richtig! Es mag sein, das gewisse Sachen problematisch sind, aber das werden wir schon hinbekommen!
Ich kann die ganze Situation hier immer noch nicht fassen und habe Angst, immer noch derilierend in der Klosterruine zu liegen, aber der Schmerz in meinem Arm ist immer wieder ein deutlicher Hinweis, das ich wach bin!
Das ist real!"

Er küsste Richard wieder auf die rauhen Lippen, diesmal ein wenig intimer als noch unter der Dusche.
Er genoß jeden Moment davon.

Als er sich dann wieder löste, hatte er die Augen geschlossen, schien fast ein wenig zu schnaufen.

"Es ist alles gut! Wir haben gesucht...und beide gefunden! Wir haben das überstanden, und wir sind beide noch da!
Und jetzt komm in meinen Arm, Großer!"

Er drückte ihn an sich.Und wieder war da dieses Gefühl... Halt zu geben und gehalten zu werden.
Das heiße Garoublut in ihm brodelte, aber er wollte einfach nur da liegen und Richards Nähe genießen.
 
Der Garou half Viktor das Tuch um den Arm zu binden. Alleine tat er etwas unbeholfen ... irgendwie sah das ja ganz nett aus, aber dann lächelte er und machte sich ans Werk.

Richard war sich bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht richtig bewusst, dass er gesucht hatte ... aber zumindest war er froh, dass er Viktor gefunden hatte! Wie er den Kuss und die Umarmung genoss ... Es war einfach schön. Er hielt Viktor fest und streichelte zärtlich seinen Rücken.
 
Viktor stieß ein Brummen aus, das bei seiner Stimme wirklich fast wie das eines Bären klang.
Er hatte die Augen geschlossen, genoß die Berührung, den Geruch, das Atmen, den Herzschlag, die Wärme, das Leben....alles!

Und war sich die ganze Zeit bewusst, das es mehr als Geilheit war, die er für Richard empfand. Normalerweise stand er ja auch eher auf Leute in seinem Alter.
Er zeufzte.
Wer hätte gedacht, das er sich in seinem Alter noch mal so verknallen würde...
Er sah Richard wieder in die Augen.
"Hey, nur, das du dir keine Sorgen machst: Tagsüber wirken wir Vampire fast wie tot, und sind auch nur sehr schwer zu wecken! Mach dir also keine Sorgen, wenn ich nachher keinen Laut mehr von mir gebe!
Ich bin morgen Abend wieder da!
Aber wenn ich nochmal fragen darf: Du hattest wirklich noch nie mit einem Mann etwas?
Aber daran gedacht hattest du doch schon vor mir dran, oder?
Wenn du mal was mit einer Frau hattest"

Er dachte daran, wie Richard davon gesprochen hatte, das ihm seine Aufgaben keine Zeit ließen, jemanden kennen zu lernen, aber Viktor konnte sich nun gar nicht vorstellen, das Jemand wie dieser Ire gar keine Erfahrung haben sollte. Jungfräulich war er doch sicher nicht mehr, oder?
 
Richard nickte. "Ich weiß ... Tatjana hat mir gesagt, dass Vampire dann wirklich recht tot ... wirken ... und sie hat auch gesagt, dass ich mir da keine Sorgen machen soll. Mal unter uns. Sie hat schon mal einen halben Tag nur mit heulen verbracht, weil sie so Angst hatte ... aber Tatjana ist ... naja ... anders. Also ich weiß schon, was mich erwartet. Oder anders ausgedrückt ... ich wurde vorbereitet."

Dann überlegte er, wann er das letzte mal mit einer Frau ... hmmm ... das war schon länger her ... aber er hatte schon. "Weißt du, wir Fiannas feiern manchmal recht wilde Feste ... und wenn man mal besoffen ist, dann weiß man auch nicht immer, was man tut. Also ich habe schon Erfahrungen gesammelt ... aber immer nur ... naja, wenn sich halt mal ne Frau an mich rangewagt hat. Und ob ich vorher daran gedacht habe ... bestimmt ... heimlich halt ..."
 
Tatjana hat gedacht, das Meyye tot war?! Das arme Ding!
Er sah wieder das weinende Gesicht der jungen Garou vor sich, als er sie im 'Kings Pub' vor den Kopf gestoßen hatte.

Wilde Feste? Kommt mir bekannt vor...Mensch, da wäre ich ja gerne mal dabei!

"Hey, wenn du nicht willst, das ich dir andauernd Komplimente mache, dann musst du aufhören, dich immer so runterzuputzen! Erzähl nicht immer, das man sich an dich 'rantrauen' müsste!
Glaub mir, wenn ich in besserer Verfassung wäre, wäre ich schon längst über dich hergefallen, und ich kenne einen Haufen Leute, denen ganz schön der Geifer aus dem Mund laufen würde, wenn sie dich sehen würden!
Und ja, sogar Frauen!"

Er knuffte den Garou ein wenig, grinste!

"Ich bin wirklich dankbar, das du schon vorher daran gedacht hast, und ich dich schon im Pub angesprochen hatte, bevor ich wusste, das du auch ein Garou bist. So kan ich mir sicher sein, kein Werwolfsgroupie zu sein!
Ich fand dich nämlich schon im Pub einfach umwerfend!"

Er musterte ihn noch einmal, sah ihn auch in menschlicher Gestalt vor sich.
Richard war für ihn einfach wunderschön!
Egal, welches Gesicht er trug!
 
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