[12.05.2008] Die Party geht weiter

Iains Handy vibrierte lautlos. Irritiert zog er es aus der Hosentasche.

Der Nosferatu mit den exzellenten Manieren?

"Pardon, ich sollte diesen Anruf annehmen. Wenn Sie mich bitte entschuldigen würden?"

Iain erhob sich, deutete noch einmal eine Verbeugung von Antonia an.
"Vielen Dank, dass Sie Zeit für mein Anliegen hatten, Frau de Groote."
Nach einer angemessenen Verabschiedung schritt er ruhig an den Eingangsbereichs des Cafes und ging ans Handy....
"Finnlay?"
 
Antonia nickte und lächelt. Na schön, mal sehen wer Interesse hatte.

"Dann sollten wir mal alle zusammen rufen, die es interessiert", meinte sie zu Moishe. "Könnten sie mir da mal behilflich sein?"
Die Frage ging an Moishe.
 
"Natürlich, wenn Sie sicher sind das wirklich tun zu wollen?"

Moishe konnte nur sagen wie er an Galantes Stelle darauf reagieren würde wenn Antonia alles freimütig ausplauderte was auf der Sitzung des Rats besprochen wurde, nämlich absolut not amused.
 
"Nur, weil ich mit Herrn Finnley und ihnen rede, heißt das nicht, dass ich das miese Spiel von Ihnen und der Archontin akzeptiere", war die Antwort Antonias. "Wenn sich Clan Ventrue die wirtschaftliche und politische Vormachtstellung in Finstertal gesichert hat, dann kann ruhig ein Toreador Prinz werden, zu sagen hat er dann sowieso nichts. Oder wie soll ich es anders werten, dass Helena als Primogena der Toreador abgesagtz wurde und sich Madame erst mit ihrem Clan abspricht, bevor sie die Leute empfängt, die wirklich wichtig wären."

Nein, genau die Aktion, sich zuerst hier mit ihrem Clan zu treffen, würde sie nie verzeihen genausowenig wie die Sache mit Helena, adoptiert hin oder her. Zuerst hier Ausverkauf der Domäne an die Tremere und die Ventrue zu machen und dann Buchet die Suppe auslöffeln lassen - nicht mit ihr.
 
Jack schaute Marta ein wenig verwundert an. Dieser Kulturkreis war ihm manchmal fremder als er es zugeben wollte. Alle dachten an Sodom und Gomorrha und das schon bei den kleinsten Vorfällen. Sein Blick ging interessiert über die Brillengläser hinaus.

"Ein Zwischenfall in der Akademie, hm? Ebenso dramatisch und lebensgefährlich wie vorhin in den gekachelten Räumen? Ganz ehrlich, aus euch Europäern werde ich nicht schlau. Da wo ich herkomme rede ich von einem unangenehmen Vorfall und mangelnder Sicherheit, wenn mich ein Rudel des Sabbat durch die Gassen treibt und dabei nach meinem Blut lechzt. Würde man hier nur halb so viel Wert auf Etikette legen, hätte man hier sicherlich schon so manch wichtigere Dinge in Angriff nehmen können..."
 
Bei seinen Worten musste Marta lachen. Da siehst du mal, wie weit du schon drinsteckst. Klar, die Traditionen waren wichtig, doch rechtfertigte das keine drakonischen Strafen für kleinste Vergehen. Hast schon Recht, Cowboy. Wir sind hier alles Spießer! Das passierte eben, wenn Camarilla-Vampire und Deutschland zusammenkamen. Wer den Rasen betritt ist ein Bösewicht, und so... Schlagartig wurde sie wieder ernst.

"Wenn jemand in deinen Kopf eindringt und alle möglichen schlimmen Erinnerungen herauskramt, ist das sicher nur eine Kleinigkeit... Die Sache von vorhin war wirklich nicht viel, fällt aber in das gleiche Schema. Deswegen sind hier alle so empfindlich. Im schlimmsten Fall müssen die beiden jetzt ausbaden, was irgendein Arschloch angerichtet hat."

Ja, die Sache ist ernst. Und das lag vor allem daran, dass die stetig wechselnde Obrigkeit ihre eigenen Gesetze nicht unter Kontrolle hatte. Wenn jemand mit Psycho-Tricks einfach so davon kam, konnte man doch wohl nichts gegen eine wilde Nummer auf dem Klo sagen, oder? Immer auf die Kleinen - die können sich nicht wehren.
 
Jack grinste verschlagen vor sich hin und spielte starker Mann. Bisher gab es niemanden, der ihm ernsthaft gefährlich werden konnte. Wenn man seine Feinde nicht mit Stärke vernichten konnte, dann tat man dies mit Gerissenheit.

"Wissen Sie was ich mit Leuten mache, die ungefragt in meinen Gedanken herum stöbern? Ich schicke ihnen ein paar eisenharte und durchgeknallte Junkie-Spinner auf den Hals, die diese dann mit einer Kneifzange und einem Lötkolben bearbeiten. So etwas macht man exakt nur einmal mit mir und danach hat man keine Chance mehr dies erneut auszuprobieren. Es ist völlig egal wie alt oder mächtig jemand sein mag. Wenn man jemanden in eine Urne verbannen will, dann schafft man das auch. Wichtig ist dabei einzig und allein die persönliche Motivation und die Loyalität der eigenen Männer. Genau diese Lektion habe ich von den vielleicht anständigsten Kainiten in den Staaten gelernt. Bewahre einen kühlen Kopf. Sei freundlich. Aber wenn jemand versucht dich ungefragt zu seiner Schlampe zu machen, dann hört der Spaß auf. Diesen Pennern muss man den Unterkiefer abreißen und ihnen selbigen mitten ins Herz rammen. Wenn ich gezwungen bin jemanden umzulegen, dann zögere ich keine Sekunde lang. Aber ich versuche dies zu vermeiden. Es gibt immer Spielregeln an die man sich halten muss und damit meine ich nicht zwingend die Traditionen. Die sind eine gute Sache, aber doch sehr antiquiert und unfair. Sogar die Menschen haben die Demokratie halbwegs begriffen. Warum begnügen wir uns also immer noch mit der Diktatur? Ich werde auf jeden Fall mit Malik über die Vorfälle im Café sprechen. Und Iain werde ich zur Not zurechtstutzen, wenn ich mitbekomme, dass er sein Kind den Totengräbern preisgibt."

Es war offensichtlich, dass der junge Brujah sehr geradlinige Ideale hatte und diese im Zweifelsfall auch bis aufs Messer verteidigen würde. In solchen Angelegenheiten pflegte Jack nicht zu spaßen.
 
Kiera hatte, da sie noch in der Nähe war, gehört, was Jack da gerade von sich gab und mußte innerlich den Kopf schütteln. Und vermutlich glaubt er an den Ostermethusalem, also irgendwie geht er wohl jedem auf den Leim, der ihn für sich manipulieren will.
Für einen Augenblick war sie versucht, seine Gedanken zu lesen und sich dann auf seine geistig minderbemittelte Schlägertruppe zu freuen, die dann von ihren Geistern übernommen wurde. Eigentlich war es echt schade, dass er nie mitbekommen würde, wenn jemand seine Gedanken las.
Vermutlich hatten das seine Freunde in LA getan und vermutlich hatte oder würde das auch Malik tun und ihn somit genau in die Richtung manipulieren, in der er ihn brauchte. Der Schwarze hatte doch irgendwas vor, wenn er Jack solche Angebote machte ... wie konnte er nur so naiv sein.
 
Jacks Gedanken kreisten in seinem Kopf umher. Eigentlich kann man die Alten nur bemitleiden. Sie wollen nicht einsehen, dass die Welt nicht mehr die ihre ist. Sie haben es verpasst sich dem Lauf der Zeit anzupassen und halten sich nun irrtümlich für gottgleiche Wesen. Doch jeden von ihnen kann man problemlos auf Aschenbechergröße schrumpfen, wenn am Tage ihre Zufluchten brennen. Arme Irre... Vielleicht ist es an der Zeit, dass man den Jungen, Hoffnungslosen und Geschundenen zeigt, dass kein Feind zu mächtig ist und die Freiheit nur einen einzigen Schritt entfernt liegt.

Before I'd be a slave, I'll be buried in my grave...
 
Moishe warf Antonia einen indignierten Blick zu, schüttelte dann den Kopf.

"Frau de Groote, als wir uns getroffen haben war die Archontin noch relativ neu in der Stadt. In der Nacht zuvor war die Gräfin Liebenstein als Verräterin verhaftet und vernichtet worden und Alexander Stahl hatte sich nach seiner Rückkehr zurückgezogen. Nicht nur Finstertal war in Gefahr sondern auch die traurigen Überreste der Ventrue in Finstertal. Der Fall der Gräfin musste erörtert werden, es wurde darüber gesprochen das Mme. d´Auvergne das Amt der Erstgeborenen übernimmt und wie Iain und ich die Situation in der Domäne beurteilen und was wir unternehmen können um das Ansehen und den Einfluss unseres Clans wieder aufzubauen. Das ist vollkommen normal und würde in anderen gut organisierten Clans wahrscheinlich auch so stattfinden.
Es tut mir Leid das Ihnen das wie der Versuch vorkommt als würden wir planen die Weltherrschaft an uns zu reissen, aber ich kann daran nichts verwerfliches finden und wenn Sie über die Reihenfolge der Kontaktaufnahme unzufrieden sind sollten sie das Mme. d´Auvergne mitteilen, es war nämlich deren und nicht meine Entscheidung. Wenn eine Archontin aus meinem Clan mich zu einem Treffen einlädt ist es nämlich nicht meine Aufgabe den Zeitpunkt dafür zu kritisieren, es wird von mir erwartet meiner Clanschwester Respekt zu erweisen und pünktlich zu entscheiden.
Nun noch einmal meine Frage: Soll ich wirklich die anderen Kainskinder für Sie zusammenrufen damit Sie uns allen möglicherweise vertrauliche Informationen über die Ratssitzung mitteilen, von denen Prinz Galante, Ihr Clanbruder, vielleicht nicht möchte das sie jetzt schon nach aussen dringen?"
 
"Ohja, und deswegen fragt sie die, die auf keinen Fall genug wissen um Aufklärung zu bringen", kam es ungerührt zurück. "Anscheinend hat hat die Spionage gut gewirkt und wenn jetzt sogar der Mossard sich hier als Hilfe für die Ventrue eingefunden hat, wird das ja wohl der Überwachungsstaat."

Sie machte eine Kopfbewegung zu Amanda. "Ich bin mal gespannt, was es für eine Belohnung für das Verhalten gibt, was bekommt der Clan dafür an Rechten, Blut, Banken, Politik, Stadtverwaltung und alles an wichtiger Industrie? Die Anchontin hat doch von Taktgefühl und richtigem Verhalten nicht die Spur von Ahnung und sie können sicher sein, dass ich mich nicht mit einer machtgeilen Vorzimmerschnepfe unterhalte."

Ob sich Sybille schon beschwert hatte, dass sie sie wie eine Guhlin behandelt hatte, von der sie nicht mal der Name interessierte?
 
Moishe beschloss das das so keinen Sinn machte und lies das Thema fallen. Sybille hatte mit denen gesprochen die sie kannte und von denen sie in Erfahrung bringen wollte ob sie loyal waren. Moishe war bei seinem Gespräch mit der Archontin keinesfalls entgangen das Sybille fast alles was er ihr hatte sagen können bereits gewusst hatte und die ganze Unterhaltung nichts als die Kontrolle seiner Vertrauenswürdigkeit gewesen war, außerdem hatte Sybille die Gelegeneit genutzt die Grenzen abzustecken.

Liebe Frau de Groote, ihre Position oder auch die Helenas waren in der Vergangenheit doch auch nur von Buchets Wohlwollen abhängig, kann es sein das Sie so hysterisch reagieren weil diese Protektion jetzt wegzufallen droht?

"Madame, ich wusste nicht das es üblich ist in den hiesigen Kreisen das Leben einer Person als Sterblicher nachträglich zu verurteilen. Ich habe Ihnen von meinem sterblichen Leben im Vertrauen berichtet und finde es schade das Sie jetzt versuchen mir damit ein schlechtes Gewissen einzureden. Das Geschäft in dem ich als Sterblicher agiert habe ist sicher nicht lupenrein, aber mein Volk hat zu dieser Zeit nach 2000 Jahren Vertreibung, Verfolgung und der Tyrannei der Nazis mit dem Holocaust wieder eine Heimat gefunden und wurde sofort wieder angegriffen und diese Angriffe halten bis heute an. Wenn Sie wirklich glauben das ich mich schäme für eine Organisation von Patrioten gearbeitet, sie sogar mit aufgebaut zu haben, die mein Volk vor seinen Feinden geschützt hat, dann haben Sie sich aber getäuscht. Außerdem, wenn wir von Überwachungsstaat reden braucht braucht man da hier im Lande bestimmt keine Nachhilfe von mir. Ich wäre Ihnen in Zukunft dankbar wenn Sie nicht versuchen mich mit Dingen zu konfrontieren von denen Sie wie ich vermute nicht die Spur einer Ahnung haben.
Es tut mir Leid das Ihnen die Politik meiner Ahnen und meines Clans missfällt und ebenso mein Engagement dabei, aber das wird nichts an eben diesem ändern. Da ich Sie als Person sehr schätze und Ihre Gesellschaft als sehr angenehm empfinde würde ich es begrüssen wenn wir trotz unserer unterschiedlichen Auffassungen in dieser Angelegenheit weiterhin freundschaftlich miteinander verkehren könnten. Wenn dies nicht Ihren Wünschen entspricht lassen Sie mich das wissen. Bitte entschuldigen Sie mich nun."

Ich bin höflich genug nicht nachzufragen auf welcher Seite Sie während der deutschen Besatzungszeit standen und was sie als Holländerin nach dem Krieg nach Deutschland geführt hat.

Moishes Blick war während seiner Worte hart geworden. Genug war genug, er würde sich, sein Volk und seinen Clan nicht einfach ohne Antwort beleidigen lassen.
 
Rudolfs Blick blieb auf seiner immer wieder kehrenden Runde mit einem Mal an Thürmer hängen. Der Mann hielt sich ebenso zurück wie er selbst, außerdem war er noch unscheinbarer gekleidet als er selbst. Wer so langweilig aussah, fiel auf einer Party wie dieser natürlich mächtig auf. Das war entweder beabsichtigt oder aber da konnte jemand nicht aus seiner Haut. Rudolf tippte auf zweiteres, wahrscheinlich weil er selbst ähnlich tickte. Also was die Sache mit der eigenen Haut anging, ohne die man nur Knochen und Fleisch war. Jedenfalls war das bessere Argument, dass der Mann im Hintergrund blieb und nicht auffallen zu wollen schien.

Wie war das noch? Anwalt ...

Der Tremere setzte sich unvermittelt in Bewegung und schlenderte dann zu dem Mann hinüber, den er ins Auge gefasst hatte. Dreht euch nicht um, denn der kleine Tremere geht herum! Wer sich umdreht oder lacht kriegt den Buckel blau gemacht. Darum: dreht euch nicht um ... Seine Gesichtszüge glätteten sich und sein Interesse verschmolz mit seiner zurück gekehrten Freundlichkeit. Falls der Mann nicht Hals über Kopf davon gestürmt war, blieb er vor ihm stehen und verneigte sich höflich. "Guten Abend, Rudolf von Schwarzenberg mein Name, Ancilla aus den Reihen der Tremere. Bedauerlicherweise hat Frau McKinney uns nicht vorgestellt, so dass ich mir nun selbst helfen muss." Da er über den Mann nichts wusste und (noch) kein Grund hatte ihm Böses zu wollen, war sein freundlicher Ton nicht zu durchschauen, da er der Wahrheit entsprach.
 
Thürmer sah Rudolf kommen. War das nicht... ? Die letzten Zweifel schwanden bei der Vorstellung.

"Guten Abend, Herr von Schwarzenberg. Dem sollten wir schnell abhelfen können... Dr. Alfons E. Thürmer, Neonat der Verborgenen." Eine formgerechte Verbeugung begleitete die Antwort.
Thürmer musterte den Hexer kurz. "Waren sie vorhin nicht noch in Begleitung ?" Eine reine Floskel. Natürlich. Zwei gegen einen hätte er nicht wirklich komisch gefunden.
 
Ach herrje, einer von den Nosferatu. Das war aber nun ... ungünstig. Egal was ihm als Ausrede einfallen würde, dem Grim würde es nicht gefallen, wenn er davon berichtete, dass er sein Gegenüber weder mit Säure übergossen noch seziert hatte.

Rudolf nickte und war erleichtert über die ... Normalität, die sein Gegenüber an den Tag legte. Sagte das nicht alles über eine Domäne, wenn man so etwas von ihren Nosferatu erzählte? Egal. "In der Tat, allerdings scheine ich heute Abend meine Begleitung stets wieder zu verlieren", erwiderte er und vermutete Thürmer hatte seine Clansschwester gemeint, mit der zu Beginn des Abends erschienen war. Da er aber bis hierher weitere Begleitung aufgegabelt hatte, konnte man sich da nicht sicher sein, nicht wahr? "Ich nehme an sie sind ein Doktor der Rechtswissenschaft? Frau McKinney ließ eine solche Bemerkung fallen", aus welchen Gründen auch immer. Sie hatte ihm eindeutig in die Richtung von Thürmer gewiesen. Um zu provozieren? Oder ihrer Schwester einen Gefallen zu tun?
 
"Bedauerlich, ein unschönes Schicksal. Ich hoffe, sie finden noch etwas dauerhaftes für Veranstaltungen wie diese." Als Rudolf ihn direkt als Juristen annahm und nicht den Standardweg über alle möglichen Arten von Medizinern nahm, wirkte er ein wenig überrascht.

"Doktor beider Rechte, in der Tat. Ich hoffe doch, Frau McKinney hat ein gutes Haar an mir gelassen ?" fragte er nicht übermäßig ernst. Eine Instanz, in der Deutsch dem englischen unterlegen war... Frau McKinney konnten beide sein...Selbst wenn die Tremere die Akten sämtlicher Nosferatu auf ihren Schreibtischen liegen hatten... Die Höflichkeit gebot es, Rudolf einen einfachen Ausweg zu bieten und derart ernste Themen vorerst zu umschiffen. "Ein interessanter Abend bisher, nicht ?"
 
Da Rudolf nun wusste, dass sein Gegenüber ein Nosferatu war, versuchte er nicht mehr in Miene und Haltung zu lesen. Das hätte nur etwas gebracht, wenn er dessen Verkleidung hätte durchschauen können, was er nicht versuchte. Auf die Bemerkung zu dauerhaften Begleiterscheinungen schien der Tremere jedenfalls nicht weiter eingehen zu wollen, als er antwortete: "Nun, wir haben nicht wirklich über sie gesprochen. Stattdessen war sie damit beschäftigt mich glauben zu lassen sie sei ihre Schwester und ich damit dieses Rätsel zu lösen." Ha! Schwester! Das werden wir noch sehen ... Seiner belustigten Miene war nicht zu entnehmen, ob er sich mit Absicht unklar ausdrückte, oder einfach nicht daran dachte, dass man unmöglich wissen konnte welche Schwester gemeint war, wenn man Frau McKinney erwähnte.

Als die Sprache auf den interessanten Abend kam, verzog sich seine Miene etwas, mit einer Mischung aus Ungnade und Leiden. "Tja, ich hätte mir diesen Abend auf jeden Fall nicht derartig vorstellen können, so viel steht fest. Und was für eine Ironie", nun zeigte er ehrliches Bedauern, "für unsere Blutlinien scheinen solche Ereignisse nur Nebenschauplätze zu sein." Offenbar hatte er nich vor ernste Themen zu umschiffen. "Ich bin erst eine Nacht in der Stadt und habe deshalb möglicherweise noch keinen Überblick über die Lage, aber offenbar scheinen unsere Ahnen dabei zu sein sich an die Gurgel zu gehen." Es war wirklich zum verrückt werden. Ständig musste man auf der Hut sein und anderer Leute Grabenkriege ausfechten. Was hätte er nicht für hundert Jahre Ruhe und Frieden gegeben. Dort draußen war schließlich eine ganze Welt, die man beobachten und erfahren konnte. Aber nein, man musste ständig seine Zeit damit verbringen seine Haut zu retten.

"Ich schätze ich muss also meine Pflicht tun und sie jetzt ganz raffiniert und heimtückisch danach fragen, wo ihr Clan diesen ... Ziege? War das der Name? ... versteckt hält", fuhr er dann mit einem entwaffnet unschuldigen Lächeln fort. Ganz offensichtlich war dies kein ernsthaftes Bemühen zu einem Erfolg zu kommen, aber auch schrecklich unvorsichtig solchen Klartext in dieser Umgebung zu sprechen.
 
Wenn der Prinz es nicht schafft, wie willst du das dann hinkriegen, Cowboy... Jack schien zumindest ein hohes Selbstvertrauen zu besitzen. Womöglich zu hoch für manche. Die Menschen haben die Demokratie verstanden? Sicher?

"Warum sollten sich Demokratie und Traditionen nicht vertragen? Ob das fair ist, liegt wohl an der jeweiligen Auslegung."

Kurze Blicke zur Tür, hinter der Trapper mit den beiden 'Verbrechern' verschwunden war, in Richtung der Harpyie. Finnlay verdrückt sich. Wichtige Geschäfte? Und dann direkt in Jacks Augen.

"Außerdem unterschätzen sie das Machtgefälle. Bei unsereins ist das nämlich deutlich steiler, vor allem hier in Europa. Seien sie vorsichtig mit solchen Aussagen. Sonst sieht sie der ein oder andere als Gefahrenquelle."

Und ich denke du weißt was das heißt, Cowboy.
 
Thürmer ging nicht davon aus, daß die Regentin versuchte, sich ihren Schergen als Kiera zu verkaufen, weshalb auch immer. Damit ergab das ganze schon eine ganze Menge mehr Sinn.
"Ja, die Damen machen es einem beizeiten nicht ganz einfach." nickte er beifällig, ließ aber offen, was er da jetzt genau meinte.

"Sind sie das nicht immer ?" fragte der Nosferatu zurück. Zu der vorigen Bemerkung sagte er nichts, denn daß er mit den Tremere nicht würde tauschen wollen, das stand eben fest. "Man könnte fast sagen, daß ambitionierte und streitbare Vorgesetzte sich bisweilen als Nachteil erweisen können, nicht ? Vor allem, wenn diese sich stark häufen. Aber ich bin mir sicher das kennen sie auch." Ja, er war doch etwas froh, für seine Erzeugung nicht bei seinem Erzeuger uind dessen Erzeugern in einer ewigen Bringschuld zu stehen. Da gab es schöneres.

"Nicht ganz, der Mann heißt Zieglowski." berichtigte Thürmer ruhig. Da wollte also jemand sehen, wieviel er herausbekam, also gut, das Spiel konnten zwei spielen...
"Ich schätze, ich muß dann also ebenfalls meine Pflicht tun und ihnen ebenso raffiniert und rhetorisch geschickt verpackt mitteilen, daß das eine vertrauliche Information ist, die ich, und das ist nichts persönliches, an einen Angehörigen ihrer Blutlinie ohne Zwangsmittel weder weitergeben will noch werde." antwortete er in einem gewissen Echo zu Rudolfs Frage, wobei er nicht so ernst aussah, wie die Aussage es erfordert hätte.
Aber so etwas hatte Rudolf sich bestimmt bereits gedacht, nicht wahr ?
 
Rudolf nickte: "Richtig, das war der Name." Seine Miene befleißigte sich nun gespielter Ernsthaftigkeit. "Dann schätze ich, dass wir beide unseren Pflichten gerecht geworden sind." Entweder wollte der Tremere der Angelegenheit tatsächlich auf die komische Art die Schärfe und das Ungemach nehmen, oder aber er wollte einfach nur, dass der Nosferatu über die Angelegenheit nachdachte. Immerhin konnte so mancher Hexer die Gedanken seines Gegenüber lesen. Mit dieser Art Verhandlungsführung auf irgendeine Art Erfolg zu hoffen war wohl selbst für einen Tremere zu arrogant.

"Leider müssen wir uns wegen dieser Angelegenheit wohl besser aus dem Weg gehen." Zumindest für sein eigenes Wohlergehen war das sicherlich die bessere Strategie. "Aber ich hoffe wir können uns in zehn oder zwanzig Jahren wieder einmal unterhalten und vielleicht den einen oder anderen Handel betreiben." Offenbar hatte sich Rudolf noch lange nicht an die Geschwindigkeit in dieser Stadt gewöhnt. Wie auch, war er doch gerade erst angekommen. Er lächelte kurz und verneigte sich dann nachlässiger als bei der Begrüßung. Aus Herablassung? Oder ihrem Status gemäß?
 
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