AW: Wie wichtig ist euch Balance
Natürlich sind Systeme künstliche Gebilde. Von daher sind sie auch total unbalanciert, undrealistisch und un-irgendwas. Die meisten natürlichen Dinge die ganz frisch sind, sind daß auch. Hier optimiert dann die evolution, Mutter Natur, Gott (je nach dem was einem da lieber ist) bis es eben so toll und "natürlich" ist... bzw. der Regeldesigner. Dabei gibt es mehrere Aspekte (also jetzt mal bei den Spielen):
Konsistenz der Spielwelt/Physik/etc.
Oben erwähnte Beispiele mit Gewehr vs. leichte Pistole und andere. Jemand der leichter ist und schneller ist kann normalerweise weiter springen, ein zweihändig geführter hammer richtet mehr schaden an als eine Stecknadel, eben diese Dinge. Meinung dazu: hier ist balance dringend erforderlich. Nicht in einem Sinne das alles der gleiche Brei wird, sondern, daß es schlichtweg Sinn macht. Das muß vom System geleistet werden. Nicht mehr und nicht weniger.
Was wirklich nötig ist und auch im System sein sollte, sind Dinge wie grundlegende logik und verhälltnismäßigkeit. Eine Stricknadel mag tötlich sein, wenn sie die richtige Stelle trifft, dennoch sollte ein Langschwert wohl mehr Schaden anrichten und genauso tötlich sein wenn es diese Stelle trifft. Fiesere Munition sollte fieseren Schaden machen. Leichtere und gleichzeitig schnellere Leute sollten in der regel weiter springen können, lauter solche Kleinigkeiten die aber nötig sind.
Wohingegen kein festes Balancing von den Regeln / dem System eingeprügelt werden sollte ist meiner Meinung nach alles was mit Charakterfreiheiten zu tun hat und dinge, bei denen Erziehungsmaßnahmen ohne jede Verankerung im Setting oder der Spielwelt aufgezwungen werden:
Sicher macht die Einschränkung Sinn, daß Zwerge keine Seeräuber werden, da sie panische Angst vor Wasser haben, ihre Gottheit es ihnen verbietet und sie sich bei Kontakt mit Salzwasser wie eine Brausetablette auflösen. Aber eigentlich sollte das der Spieler schon einsehen der einen Zwergenpiraten spielen will, und wenn er eine gute Begründung hat, laßt ihn sprudeln! äh spielen. Hier muß nicht mit der Regelkeule festbetoniert werden, das Zwerge keine Piraten werden dürfen.
Sicher werden Spieler (aber auch Charaktere, wenn sie grips haben) lieber zu einer einfacher zu bedienenden Waffe die mehr Schaden macht greifen, es sei den es paßt nciht zu ihrem Style oder ist ihnen aus religiösen oder kulturellen Gründen ein Graus. Auch hier muß nicht erzwungen werden, das die Waffe die mehr schaden macht schwieriger zu nutzen ist (eine typische fantasykrankheit, erklärt mal dem Cyberpunker, warum sein Scharfschützengewehr nur noch w3-1 schaden macht weil es besser trifft als eine pistole die dafür dann 5w6+10 tut)... solche Einschränkungen stören fast immer und sind bestenfalls unnütz.
Dann bleibt noch... balancing der Charaktere untereinander? Das ist vom System nciht zu bewerkstelligen. Man kann ressourcen normieren und versuchen ein vergleichbares level zu halten, aber letzten Endes ist das alles viel zu Situationsabhänig. Wenn eine Gruppe zufällig mit dem Flugzeug im Urwald abstürzt ist der Abenteurer und Survivalexperte klar im Vorteil und die Gruppe wird sich im großen und ganzen nach ihm richten müssen. Wenn dann in hungriger Tiger jemanden anfällt ist der soldat der auf heimreise war gefragt und danach der Arzt der mitreist. Die gruppe kommt nach zwei Spielesitzungen zu einer geheimen forschungsbasis. Der soldat kann endlich auch mal was mit dem hirn beisteuern, der Profieinbrecher bringt die Leute rein, der Arzt stellt fest das dort fürchterliche Experimente gemacht wurden. Dank des Survivalexperten kommt die gruppe aus dem urwald, der soldat spielt bodyguard während der arzt der Presse vorstellt, was dort vor sich ging und der Profieinbrecher besorgt neue Papiere wenn die Gruppe untertauchen muß. Nette Geschichte, aber der Fahrzeugjockey der alles fliegen und fahren kann fragt sich schon seit 8 Spielesitzungen, warum er diesen Charakter spielen muß der quasi nie auch nur kurz im fokus der geschehnisse ist... es war halt in den Regeln so vorgegeben... ? NeNeNe!
Hier muß der SL schaun, das jeder an die Reihe kommt, anders geht es einfach nicht. (vielzahl der möglichkeiten, s.o.).
EDIT:
Mit unterscheidlichen Charakteren gleiche Konfliktergebnisse erzielen? Brrrr... Der gruppenhändler, faceman und hauptberufliche labertasche erzielt eben bessere konfliktresultate auf dem basar, der schweigsame, 4 kampfsportarten beherrschende söldner im Zweikampf im Djungel. Warum um alles in der Welt sollte ein Regelsystem dem Söldner Hilfe auf dem Basar und dem Händler Boni beim Djungelkampf geben? Dann wird es ja vollkommen egal wer was spielt.