Wie ARStig treibt ihrs?

AW: Wie ARStig treibt ihrs?

Ich denke, man kann die Motivationslage von Rollenspielern auch von einer anderen Richtung her erklären, mit einem literaturwissenschaftlichen Ansatz.

Die Theorie des Erhabenen von Edmund Burke (1729 - 1779) geht davon aus, dass der Reiz von wirklich mitreißender Literatur darin besteht, dass ein Gefühl von Terror erzeugt wird. Terror wird dadurch ausgelöst, dass der Betrachter der Literatur mit einem Furcht erregenden Gegenstand konfrontiert wird, allerdings wird ihm eine gewisse Distanz eingeräumt, die es ihm ermöglicht, ohne unmittelbare Gefahr diese Reizung der Empfindungen zu genießen. Das führt zu einem Hochgefühl, dass er als "das Erhabene" bezeichnet.

Letztendlich ist doch sowohl ein "arsiger" als auch ein "narrativer" Ansatz darauf ausgelegt, dieses Hochgefühl zu erzeugen, wenn auch mit unterschiedlichen Mitteln. Nicht umsonst sind 99% der mir bekannten Rollenspiele um Konflikte aufgebaut - Konflikte erzeugen Spannung, Spannung anhand von Situationen, die dem Spieler natürlich nicht wirklich gefährlich werden können. Ob diese Spannung jetzt direkt verursacht wird, indem versucht wird, durch narrative Techniken den Spieler direkt emotional einzubinden, oder ob über eine regeltechnische Bedrohung des Charakters auf der Spielebene für Spannung gesorgt wird, die Motivation bleibt denke ich dieselbe.
 
AW: Wie ARStig treibt ihrs?

Damit hast Du gerade den Urvater des Spielleiterzentrismus herausgekramt. Frei nach Burke: Nicht aller Spieler sind gleich und auch ihre Vernunft ist begrenzt. Sie brauchen die natur- und gottgegebene Führung des Spielleiters, um zur vollen Entfaltung zu kommen - in ihrem beschränkten Rahmen. *hrhr

m4lik
 
AW: Wie ARStig treibt ihrs?

Die Theorie des Erhabenen von Edmund Burke (1729 - 1779) geht davon aus, dass der Reiz von wirklich mitreißender Literatur darin besteht, dass ein Gefühl von Terror erzeugt wird. Terror wird dadurch ausgelöst, dass der Betrachter der Literatur mit einem Furcht erregenden Gegenstand konfrontiert wird, allerdings wird ihm eine gewisse Distanz eingeräumt, die es ihm ermöglicht, ohne unmittelbare Gefahr diese Reizung der Empfindungen zu genießen. Das führt zu einem Hochgefühl, dass er als "das Erhabene" bezeichnet.
Das ist von Flow nicht weit weg. Der Zustand zwischen Herausforderung und Können. Immer an Limit und doch leicht wie eine Feder.

Nicht umsonst sind 99% der mir bekannten Rollenspiele um Konflikte aufgebaut - Konflikte erzeugen Spannung, Spannung anhand von Situationen, die dem Spieler natürlich nicht wirklich gefährlich werden können. Ob diese Spannung jetzt direkt verursacht wird, indem versucht wird, durch narrative Techniken den Spieler direkt emotional einzubinden, oder ob über eine regeltechnische Bedrohung des Charakters auf der Spielebene für Spannung gesorgt wird, die Motivation bleibt denke ich dieselbe.
Das Spiel stellt den Raum, in dem man sich fallen lassen kann. Hier kann man sich unbesorgt dem Spiel mit all seinen Konflikten hingeben, ohne Schaden hinzunehmen. - Man lernt in seiner ersten Dekade fast ausschließlich spielerisch. - Und da schließt sich der Kreis:
Neugier (aufs Ungewisse) - das ist Spannung und Lernen.
=> Neugier/Spannung erleben ist intrinsisch
 
AW: Wie ARStig treibt ihrs?

@Malik: Ich sehe das ähnlich wie du, was den Anspruch auf Allgemeingültigkeit angeht. (Gebe dir auch völlig Recht, was deine Beschreibung von verschiedenen Spielstilen in ein und derselben Runde angeht, wollte in meinem Beitrag auch ähnliches zum Ausdruck bringen.)
Im Prinzip können Rollenspieltheorien (wie fast jede Art von Theorie) immer nur kleine Teilbereiche eines Geschehens befriedigend erklären. Theorien abstrahieren schließlich, reduzieren komplexe Vorgänge auf einige wenige Variablen, vereinfachen damit die Realität.

Flowerleben, Exploration, spielerisches Lernen - alles schon mal interessante Ansätze. :)
Ich würde die bisher genannten Überlegungen dann noch um etwas Klinische Psychologie/Psychotherapie-Wissen erweitern, Schwerpunkt wären Persönlichkeitsstile von Spielern und Einfluss auf gesuchte Spiel- und Erfolgserlebnisse. Leute mit eher narzisstisch akzentuierter Persönlichkeit beispielsweise wären damit eher leistungs- und anerkennungsmotiviert und würden solche Situationen im Rollenspiel vermehrt aufsuchen, Histrioniker würden eher das Motiv, wichtig zu sein und Aufmerksamkeit zu erlangen, zu befriedigen versuchen und etwa in der exzessiven Darstellung eines Charakters aufgehen. Auch solche Ideen sind natürlich extrem vereinfacht (außerdem liegt bei den meisten Leute ohne pathologische Persönlichkeitsstörung ohnehin eine Mischform verschiedener Persönlichkeitsstile vor, so dass mehrere gleichermaßen relevante Motive vorliegen können) - dennoch kann ich daran einiges an Wahrheit und Relevanz für's Spiel erkennen. Wenn man noch weitergehen wollte, könnte man daraus noch Anleitungen zur komplementären Beziehungsgestaltung und Motivbefriedigung für Spielleiter entwickeln (und natürlich auch für Spieler - Wie komme ich am besten mit meinem narzisstischen SL klar? ;) ). "Umgang mit Problemcharakteren, ihren Spielern und Problem-SLs - Ein bisschen Therapie am Spieltisch" - wenn mir mal ganz langweilig ist, schreibe ich dazu mal einen Reader. ;)

@cmd.lightning: Zu Motivation und Bedürfnissen empfehle ich u.a. noch Abraham Maslow (den Klassiker, sollte man als Grundlage mal gelesen haben), und Klaus Grawe.
 
AW: Wie ARStig treibt ihrs?

Können wir das bitte hier diskutieren: http://www.blutschwerter.de/f91-rund-um-rollenspiele/t28076-rollenspieltheorie-2-0-a-seite2.html ?

Ich habe das vor einem Jahr niedergelegt und arbeite da schon länger dran. Als Autodidakt fehlen mir aber einige Hintergründe aus der Psychologie. Bis jetzt hatte ich aber alles Gesagte auf dem Schirm.

In dem verlinkten Thread könnte man das auch weiter ausarbeiten. Fänd ich sehr interessant!

(Ich nehm auch gerne copy/paste von hier für den Anfang. - Muss ja nicht gleich in Arbeit ausarten.)
 
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