Inplay in der Heimatstadt

Mein Problem ist nicht das es "albern" wirkt.
Mein Problem ist das es ganz offensichtlich nicht stimmt.

...

Das was die Charakteren angeblich in der Stadt getan haben sollen hat ganz offensichtlich nicht statt gefunden.
Auch wenn sie politisch was reißen, was in Leuven - denke ich - sowohl lokal als auch auf Belgien bezogen möglich ist, wenn man dann die Zeitung aufschlägt stellt man fest das es ganz offensichtlich nicht passiert ist.

Merkwürdig. Als in meiner Inspectres-Kampagne bei einem Kampf mit V-Power-Vampiren ein Teil der Raffinerie abgebrannt ist, da stand das auch in der Zeitung.
Und die verschwundenen Horizontalbohrgeräte, die die Gruppe für Manfred Schmider wiederbeschaffen sollte, die sind auch in der Realität nie mehr aufgetaucht.

(Äh, es könnte natürlich sein, dass diese Dinge schon VORHER in der Zeitung standen, und erst hinterher Eingang in die Kampagne fanden...)
 
Ich finde es leichter anzunehmen das etwas an einem Ort passiert wo ich nicht bin, als das etwas an einem Ort passiert wo ein Blick aus dem Fenster reicht um zu bestätigen das es so etwas von definitiv nicht passiert.
Das heißt ich habe kein Problem in Brügge (VDA) zu spielen oder in Baltimore (VtM) aber bei Leuven oder Koblenz zerlegt es doch potentiell sehr schnell meinen SOB.

Warum zur Hölle müssten denn diese Vampire ausgerechnet die belgischen Politiker kontrollieren, die du kennst?
Weil ich mich, wenn ich damit beschäftige, die Politiker kenne die relevant sind.
Sowie einige normale Menschen die in die Politik gegangen sind.
Nun und weil ich ziemlich sicher bin das in der realen Politik, wie sie in Belgien bzw. meinem Wohnort abläuft, keinerlei Platz für einen Vampir ist. Das heißt mein GMV brüllt da recht laut das die Politiker sicherlich nicht primär Nachts arbeiten, sich von Leuten dort beeinflussen lassen oder gar die Frage ob sich Belgien nun spaltet von Vampiren gelenkt wird. Der GMV findet dann nicht auch Vohdz unwahrscheinlich und unlogisch sondern auch schon einen normalen Untoten-Menschen.

Das hat nichts mit Maskerade oder nicht zu tun oder gar Metaplot oder nicht, sondern es ist schlicht ein Fakt das es Vampire nicht gibt und die realen Einflußmöglichkeiten in der Nacht nicht hinreichend ausgeprägt sind.
In der WoD schon, da gibt es Vampire. Da gibt es auch Vampire die Einfluss auf die Wirtschaft vor Ort haben obwohl sie Tags über schlafen. Da gibt es einen Clan Tzimisce der wenn nicht gleich Vhodz so doch Szlachta schafft bzw. schaffen kann, es ist rein von der Disziplin her gesehen nicht so schwierig.
Da gibt es eine Menge Sachen die es in der Realität - imho - definitiv nicht gibt und da funktionieren Sachen die in der Realität nicht funktionieren würden.


Warum sollten die das Stadttor beschmieren.
Zunächst meinte ich das (Roll)Tor der Vlaams Belang Niederlassung.
Nun und abgesehen von der Frage warum, es tun jede Menge Leute, regelmäßig. Ich persönlich könnte - eine entsprechende kriminelle Energie vorausgesetzt - runter gehen, zu dem Büro (direkt neben meiner Eingangstür), und deren Rollo mit einer Sprühdose - hätte ich eine - beschmieren, würde wohl weniger als 5-10 Minuten dauern.

Da sollte man annehmen das es etwas ist das die Spieler-Charaktere auch tun können. Es ist ja noch nicht einmal eine große Sache. Es hätte auch nicht unbedingt Maskerade gefährdenden Charakter. Sie können es aber nicht, weil es sich mit der Realität nicht verträgt, in der Realität besprühen andere Leute das Tor. Sie könnten es tun, aber dann ist es ganz offensichtlich das es alles nur fiktiv ist. Das heißt letztendlich können die Spieler-Charaktere doch überhaupt nichts machen das irgendeine Relevanz hat. Was imho durchaus einerseits frustrierend ist (Da hat man den Heimatort als Setting, kann aber nichts machen), andererseits unplausibel.
Und dann sitzt da eben ein übermächtiger Malk mit Sauberkeitstick, der nachts verdunkelt mit nem Eimer und nem Schwamm durch die Gegend rennt und jeden Abend das Stadttor sauberschrubbt, damit du es mit deinem Bild von der Stadt vereinbaren kannst.
Also so Konstruktionen wie der übermächtige Malk mit Sauberkeitstick entkräften meine Befürchtungen das die Heimatstadt zum Spieler kleinhalten benutzt wird nun wirklich nicht. @_@
Eigentlich wäre so eine Konstruktion eines übermächtigen Pet-NSC der dazu dient das die Spieler-Charaktere auch ja keinen Einfluß haben bzw. selbst marginale Anstrengungen ausradiert werden tendenziell ein Grund mir eine neue Runde zu suchen.

Hast du eigentlich deine WoD-Bücher verbrannt, nachdem Gehenna garnicht wirklich wie beschrieben eingetreten war?
Wieso sollte ich an ein Metaplot Event glauben, nachdem ich schon ein Heimatstadt basiertes Setting ablehne?
Was hat der Metaplot damit zu tun das ich Wohn-/Heimatstadt als Ort des Setting unpraktisch, nicht konstruktiv bis hin zu destruktiv empfinde?

Hast du eigentlich dein Vampire GRW verbrannt weil da drin steht das Tzimisce schon mit 'ner 3er Dizi Kriegsguhle schaffen können [neben einer Menge anderer unrealistischerer Sachen]?
 
Hast du eigentlich dein Vampire GRW verbrannt weil da drin steht das Tzimisce schon mit 'ner 3er Dizi Kriegsguhle schaffen können [neben einer Menge anderer unrealistischerer Sachen]?
Ähm ne, ich habe aber ja auch kein Problem Realismus, Phantasie, WoD und Realität, knallharte Fakten, wie wir die Welt wahrnehmen und fiktive Verschwörungstheorien, die erklären, warum wir eigentlich alle nur blind sind und verarscht werden unter einen Hut zu bekommen.

...bzw. verstehe angesichts der derart kritischen Herangehensweise nicht, warum dass großartig anders wird, wenns nicht mehr vor der Haustür ist.
Wir glauben doch auch alle nicht ernsthaft an Untote in den USA, oder?
Und schmeißt du die Chronik, wenn du in New York vorbeikommst und da tatsächlich was anders ist als im Spiel?

Wo ist das Problem dabei im Leuven 1997 zu starten - genau so, wie es damals (äußerlich) war und den Spielern zu gestatten, dafür zu sorgen, dass es sich in eine völlig andere Richtung entwickelt?
Wir haben so oder so nicht das Jahr '97.

Den Malk habe ich übrigens nicht eingeführt, weil ich gerne kleinhalte, sondern um dir zu zeigen, dass wenn bestimmte Veränderungen grundsätzlich der Vorstellung deiner Gruppe zuwider wären, man ja auch Ingame-Gründe gezielt so basteln kann, dass ein abgesprochenes Setting auch konstant plausibel bleibt. Bei mir gäbs den nicht. Bei mir können die SCs auch Bomben basteln und München sprengen, wenn sie meinen...
 
Normalerweise spiele ich in der Gegenwart.
Settings die ein paar Jahre zurückliegen finde ich nicht unbedingt interessant.

Ansonsten mag ich es halt nicht unbedingt wenn das Setting zu nah ist.
Das heißt einfach wegen der offensichtlichen Widersprüche die dadurch entstehen zwischen Spielrealität und dem was tatsächlich Sache ist. Der Widerspruch existiert zwar auch wenn ich nun in Brügge oder einer amerikanischen Stadt spiele, aber er ist geringer.
Daneben fallen auch die Hemmnisse der fremden Stadt, die man sehr einfach einer bestimmten Perspektive untwerfen kann, Sachen anzudichten welche einem Vorort eher zu unwahrscheinlich erscheinen. Das heißt, rein als Beispiel, ich persönlich finde Vohdz in Antwerpen potentiell glaubhafter als in Leuven, einfach weil Antwerpen weiter weg ist (1 Stunde 30 mit dem Auto) und weil es in Antwerpen auch eine Legende um Riesen gibt. Naja und es ließe sich nun auch einfacher behaupten das Brügge noch total mittelalterlich ist, als wenn ich nun sage das man in Leuven vom Begijnhof zum Stadhuis läuft wo ich weiß das man dafür durch recht normale Gebiete muss.
Nun und es gibt sehr wahrscheinlich keine Realismus-Diskussionen weil nun einer anfängt zu diskutieren wie die öffentlichen Verkehrsmittel fahren, das an dem Fleck nun kein Gebäude ist, das die Kirche keinen Keller hat, das der Nossi aus dem Kanal nicht hochkommt weil die Mauern zu glichtig/steil an der Stelle sind, das das Gebäude anders aussieht, das er mit der Person XY genau über dies und jenes sprechen kann oder das es bestimmte Gruppen [Rocker, Roma, Sinti, Marokaner, Rechte,..] in der Form ja gar nicht geben würde.

Wegen der Tourismusfrage. Nein, ich werde aus der Brügge Chronik nicht aussteigen wenn ich mal Brügge besichtigen gehe. Wenn ich nun nach Brügge umziehen würde, würde sich das ganze vermutlich anders anfühlen. Keine Ahnung, ist mir noch nicht passiert.

Ansonsten spiele ich auch dahingehend offen das ich versuche den Ausgang nicht festzulegen.
Allerdings wäre meine Befürchtung das es leicht mit dem Vorhaben kollidiert eine Stadt zu der man ziemlich viele Kenntnisse hat womit dann entsprechende "Realitätsansprüche" einhergehen. Wie eben das auftauchen von Vhodz oder das beseitigen von Spuren.

Wobei ich mich da dann frage, wieso überhaupt die eigene Stadt?
Das was sich verändert sieht man ja so im Stadtbild eher nicht wieder und wenn man die Handlung offen gestalten will stört der reale Bezug doch auch eher als das er hilft? Dazu kommen dann noch Punkte wo man allgemein anderer Ansicht sein kann, wie das aufkreuzen von Szlachta, das herumlaufen mit Schwertern und dergleichen mehr.
Darüber hinaus, gibt das nicht ein Problem mit Spieler und Charakterwissen? Weil so ein Spieler ja auch auf die Idee kommen könnte ein alt eingesessenes Mitglied der Münchner Schickeria zu spielen, obwohl er gerade einmal frisch zu gezogen ist und außer Hofbräuhaus, Markt und Unigelände noch nicht viel von der Stadt gesehen hat.

Ich persönlich sehe da einfach keinen Mehrwert aber noch viele Nachteile.
 
Der Widerspruch existiert zwar auch wenn ich nun in Brügge oder einer amerikanischen Stadt spiele, aber er ist geringer.
Ich verstehe den Unterschied, wenn du extra bewusst in einer völlig fiktiven Stadt spielst.
Eine Art Gotham oder sonst irgendwie VampireCity...

Aber ich verstehe nicht so ganz den Unterschied zwischen einem je nach Spielstil Leuven und New York bzw. Drak-Leuven und Dark-New-York - von den oben besprochenen Punkten einmal abgesehen, die das Spiel in einer Kleinstadt von dem in einer Metropole unterscheiden.
Dir erscheint es doch auch nicht glaubwürdig, dass der NewYorker Stadtrat wirklich und tatsächlich von Vampiren unterwandert wird und dort die Untoten durch die Nacht streifen, oder?


Nun und es gibt sehr wahrscheinlich keine Realismus-Diskussionen weil nun einer anfängt zu diskutieren wie die öffentlichen Verkehrsmittel fahren, das an dem Fleck nun kein Gebäude ist, das die Kirche keinen Keller hat, das der Nossi aus dem Kanal nicht hochkommt weil die Mauern zu glichtig/steil an der Stelle sind, das das Gebäude anders aussieht, das er mit der Person XY genau über dies und jenes sprechen kann oder das es bestimmte Gruppen [Rocker, Roma, Sinti, Marokaner, Rechte,..] in der Form ja gar nicht geben würde.
Ich verstehe diesen Punkt nicht.
Warum spielen hier so viele Leute in Gruppen, wo die Leute scheinbar unfähig sind im Spiel echte oder vermeintliche Fehler einfach hilfsbereit anzusprechen und dann zusammenarbeiten um schnell eine elegante Lösung zu finden, sondern alle in Gruppen aus scheinbar sozial-gestörten Nervsäcken, die einen riesigen Spaß daran haben sich selbst und den anderen das Spiel zu versauen, indem sie Diskussionen zu jedem Scheiß anfangen.
Wenn mir ein Spieler sagt "Oh, der 174er-Bus fährt um 22:30 garnicht mehr.", dann sag ich entweder:
"Oh, fährt da sonst noch ein Bus? Wenn nicht, könnt ihr ein Taxi nehmen. Und wenn das Bargeld nicht reicht, dann müsst ihr eben laufen oder zuhause bleiben. Danke für den Hinweis."
oder
"Oh... hmmm... ne, aber bei uns fährt der dann eben ne Stunde länger."

Bisher hat da noch niemand zu kreischen, schreien oder heulen angefangen.


Ansonsten spiele ich auch dahingehend offen das ich versuche den Ausgang nicht festzulegen.
Allerdings wäre meine Befürchtung das es leicht mit dem Vorhaben kollidiert eine Stadt zu der man ziemlich viele Kenntnisse hat womit dann entsprechende "Realitätsansprüche" einhergehen. Wie eben das auftauchen von Vhodz oder das beseitigen von Spuren.
Und genau bei diesem "Spuren beseitigen" lässt sich doch super einhaken:
Was müssen die Vampire Leuvens alles tun, damit am Ende Teylen völlig überzeugt davon ist, dass es niemals Vampire in Leuven geben könnte?


Wobei ich mich da dann frage, wieso überhaupt die eigene Stadt?
Das was sich verändert sieht man ja so im Stadtbild eher nicht wieder und wenn man die Handlung offen gestalten will stört der reale Bezug doch auch eher als das er hilft? Dazu kommen dann noch Punkte wo man allgemein anderer Ansicht sein kann, wie das aufkreuzen von Szlachta, das herumlaufen mit Schwertern und dergleichen mehr.
Ich persönlich sehe da einfach keinen Mehrwert aber noch viele Nachteile.
Weil man ihre Mentalität kennt. Weil man näher an der äußeren Umwelt und somit Unlebensrealität seines SCs dran ist, weil man als SL ganz andere Möglichkeiten zur Recherche besitzt und leichter an detaillierte historische Informationen kommt, die sehr inspirierend sein können. Weil man sich Inspiration bei einem Abendspatziergang holen kann.Weil man sich nahezu automatisch ein besseres Gefühl für Zusammenhänge bekommt, ein besseres Gefühl für Maskerade und ein besseres Gefühl dafür welche Extreme welche Auswirkungen hätten.
Weil man einen klareren Kontrast hat, was es bedeutet Vampir in einer Stadt zu sein, die man als Mensch kennt, als einfach nur ein Fantasy-Wesen in einer Fantasy-Stadt zu sein.
Weil man als SL immer wieder kleine reale Funfacts einbauen kann und die Spieler mich völlig begeistert anrufen:
"He, ich bin hier gerade in X - und da hab ich auf einmal festgestellt, dass es diesen völlig abgefahrenen Typen, von dem der eine Nossi das letzte mal erzählt hatte, ja wirklich gab." oder
"Ich war heute im Schloss Nymphenburg und hab auf ner Tafel über Henriette Adelheid von Savoyen gelesen - und hatte ständig das Gefühl:
Die kenn ich doch."

Kurz:
Weil es näher ist - räumlich näher, näher am eigenen Leben.
Weil die Dinge, die im Spiel dann wirklich fern sind - der Vampirismus - in ein so dichtes nahes plausibles und "echtes" Setting gestopft werden, dass man als Spieler eben nicht mehr Raven, den coolen Vampir im coole New York spielt, der dort natürlich voll coole stylische Sachen macht, weil das ein Vampir halt so macht, sondern eine blutsaufende Gestalt, die sich ansonsten im selben Rahmen bewegt, wie man selbst.
Also: Weil man viel näher an der Frage dran ist "Was würde ich heute Nacht tun, wenn ich Karl, der Nosferatu wäre."

Darüber hinaus, gibt das nicht ein Problem mit Spieler und Charakterwissen? Weil so ein Spieler ja auch auf die Idee kommen könnte ein alt eingesessenes Mitglied der Münchner Schickeria zu spielen, obwohl er gerade einmal frisch zu gezogen ist und außer Hofbräuhaus, Markt und Unigelände noch nicht viel von der Stadt gesehen hat.
Bitte?
Du hältst es für problematischer einen Insider in einer Stadt zu spielen, die du kennst, als einen Insider in einer Stadt zu spielen, die du nicht kennst?
Und wo ist das Problem, wenn die Gruppe diesem Spieler dabei unter die Arme greift bzw. im umgekehrten Fall, falls der SC den Ort nicht kennen sollte, man ihn auf Proben auf seinen Ortskenntniswert beschränkt.
("Hmmm... die Blutenburg wäre doch ein guter Ort, für die Feier, oder? *würfel* ...aber die kennt mein Brujah leider noch nicht, also schlägt er stattdessen die Disco vor, wo er gestern war.")

Noch zwei Vorteile:
Man kennt die Mentalität der Leute besser, hatte eine ähnliche Erziehung, war auf einer ähnlichen Schule (also zumindest im selben Schulsystem), wo man grob die selben Dinge gelrnt hat.
UND
Man spricht die selbe Sprache. Das klingt erst einmal völlig unwichtig, aber spätestens, wenn fremdsprachige Vampire im Spiel auftauchen, kommt man an den Punkt, wo man sich fragt, wieviel deutscher der deutsche Vampir im USA-WoD-Setting jetzt sprechen muss, damit man seine Sprache oder seine Akzent im Spiel einbinden kann und das ganze nicht völlig bescheuert wird (wer IronSky auf deutsch gesehen hat, dürfte wissen, was ich meine) - nur um sich dann mal bewusst zu werden, dass 90% der Wortspiele der Gruppe in Amerika absolut keinen Sinn mehr ergeben, weil sie sprachlich einfach nicht klappen.

Ich denke der Hauptfaktor der letztendlich bleibt ist einfach die gewohnten Unterhaltungsformen:
Wir sehen andauernd im Fernsehen abgefahrene Sachen in Amerika - nahezu nie bei uns zu Hause. Aber mal ehrlich - die Amis bekommen das ja auch irgendwie hin, sich dadurch unterhalten zu lassen. Die schauen ja auch nicht nur Filme, die in Deutschland spielen oder spielen alle nur Vampire-Europa.
 
Was du nicht verstehst nennt man in der Literaturwissenschaft eine "Referenz-Illusion". Ich nehme eine Stadt zum Leiten, von der meine Spieler ein paar prägnante Punkte und vielleicht einige weitere "Referenz-Illusionen" aus der sonstigen Popkultur kennen. Das erzeugt bei den Spielern eine gewisse Vertrautheit mit der Gegend (jeder von uns kann sich New York oder Los Angeles vorstellen), ohne sie aber allzu sehr an den Realismus zu binden.

Und genau das geht mit der Heimatstadt eben deutlich schwerer. Da gibt es keine "Referenz-Illusion", da sind die spieler selbst die Referenz. Und in meinen Runden war das eben immer ein Knackpunkt der die Runden deutlich abgewertet hat (nicht alle bei "Kleine Ängste" zum Beispiel war das gar kein Problem).

Alles was Ioelet mit München macht, kann ich auch mit einer anderen Stadt auch machen, ohne die Probleme die meine Heimatstadt erzeugt (bzw. ich hab mit München eh kein Problem). Ich kann da Teylen nur zustimmen. Ich spiele keine Runden in Mannheim mehr, wenn ich es verhindern kann.

Übrigens ist das kein WoD-Thread, ohne damit verhindern zu wollen dass ihr weiter diskutiert ;)
 
Teylen schrieb:
Weil einem die Realität da sowas von in's Gesicht schlägt das man gerade fikitiv, abseits der Realität, rumgesponnen hat.
Hmm... mir nicht.

Teylen schrieb:
Natürlich ist das WoD-Heimatort nicht der reale Heimatort. Aber wenn er das schon nicht ist, wieso dann den Heimatort nehmen?
Hat ne Menge Vorteile, die Ioelet ganz gut zusammengefasst hat. Besonders wichtig finde ich den Referenzpunkt. Jeder kennt die Stadt, in der er lebt. Und man kann eben ein glaubwürdigeres Setting zusammen bauen. Wenn es eine zu offensichtliche Dissonanz zwischen Spielstadt und Wirklichkeit gibt, kann man sich verständigen, ob die gewollt ist, oder sie eben anpassen. Aber jeder Berliner weiß genau, wie die Berliner U-Bahn funktioniert, wie die Berliner U-Bahn riecht, und dass man da in der Woche nach ein Uhr nicht mehr rein kommt. Und deshalb können in den Tunnels nach Eins ganz hervorragend Streitigkeiten beigelegt werden.
Aber das ist vielleicht wirklich berlinspezifisch. Hier laufen halt wirklich mitunter richtig seltsame Gestalten rum. Und bekanntlich sehen Vampire ja auch alle schon von weitem echt seltsam aus und können sich überhaupt nicht in die menschliche Gesellschaft einpassen. Mit dem ganzen ständigen Schwertgekämpfe und so. Und die Hochhäuser und Einkaufszentren sind bei uns wirklich nachts oft beleuchtet. Und es gibt bei uns wirklich Gegenden, wo nachts kein Mensch ist. Und Rockerclubs. Und Zigeuner in den Fußgängerzonen. Und Geldadel. Und Künstler. Gibt es wahrscheinlich wirklich nicht in jeder Stadt.

Mir drängt es sich irgendwie da auf das dann halt Ortskenntnisse genutzt werden um Spieler klein zu halten.
Dazu brauch ich doch keine Ortskenntnisse zu benutzen. Meine Spieler klein halten kann ich auch so.

Weil irgendwo sehe ich nun nicht so den Unterschied wieso man behaupten kann das die Vampire Größen in der Kommunal / Stadt / Landespolitik sind und dem Vohdz in den Wäldern / Burgruinen um ne Gemeinde in der Eifel oder Goths/Emo Gestalten mit Waffen (ggf. eingewickelt) in den örtlichen Verkehrsmitteln / auf der Straße.
Das hab ich nicht verstanden.


Ioelet schrieb:
Ich verstehe diesen Punkt nicht.
Warum spielen hier so viele Leute in Gruppen, wo die Leute scheinbar unfähig sind im Spiel echte oder vermeintliche Fehler einfach hilfsbereit anzusprechen und dann zusammenarbeiten um schnell eine elegante Lösung zu finden, sondern alle in Gruppen aus scheinbar sozial-gestörten Nervsäcken, die einen riesigen Spaß daran haben sich selbst und den anderen das Spiel zu versauen, indem sie Diskussionen zu jedem Scheiß anfangen.
Wenn mir ein Spieler sagt "Oh, der 174er-Bus fährt um 22:30 garnicht mehr.", dann sag ich entweder:
"Oh, fährt da sonst noch ein Bus? Wenn nicht, könnt ihr ein Taxi nehmen. Und wenn das Bargeld nicht reicht, dann müsst ihr eben laufen oder zuhause bleiben. Danke für den Hinweis."
oder
"Oh... hmmm... ne, aber bei uns fährt der dann eben ne Stunde länger."

Bisher hat da noch niemand zu kreischen, schreien oder heulen angefangen.
QFT
 
Was du nicht verstehst nennt man in der Literaturwissenschaft eine "Referenz-Illusion". Ich nehme eine Stadt zum Leiten, von der meine Spieler ein paar prägnante Punkte und vielleicht einige weitere "Referenz-Illusionen" aus der sonstigen Popkultur kennen. Das erzeugt bei den Spielern eine gewisse Vertrautheit mit der Gegend (jeder von uns kann sich New York oder Los Angeles vorstellen), ohne sie aber allzu sehr an den Realismus zu binden.
Danke für die klare Formulierung - schön auf den Punkt.
Ganz neu war mir das allerdings auch nicht. Wie ich meinte:
Ich verstehe ja auch, warum Gotham einen Vorteil bietet, wenns einem um Realität geht.
Und ich verstehe auch warum "Hollywood-New-York" einen Vorteil bietet, wenns um Mega-Riesen-Action mitten auf der Straße geht.

Ich selbst war es der gesagt hatte, dass wenn ich in einem Heimat-Winzkaff leite, dass ich dann einen anderen Ansatz wählen würde als eben knallige Action, weil ich den gewohnten Kino-Stil in der Kino-ungewohnten Heimat schwer hinbekomme.

Ich versteh nur nicht dieses "Ich kenn mich hier ja voll aus und weiß, dass es hier ja garnicht wirklich Vampire gibt, also schrei ich laut 'Stimmt ja gar nicht', wann immer mein SL mir etwas vorlügen will, was es in meiner Heimat in echt garnicht gibt.".

Wir kommen immer wieder über diese Ich-weiß-ja-dass-hier-nichts-passiert-Schiene, wo New York der Ausweg ist, weil da U-Bahnen explodierend durch die Luft fliegen dürfen - und dabei wird einfach völlig übergangen, dass das Spiel "Vampire: Die Maskerade" heißt und nicht "Vampire: Explodierende U-Bahnen".
Warum also sollte es, angesichts dieses Namens, den das Spiel trägt, ein Ausschlusskriterium für eine Stadt sein, wenn es dort eben nicht möglich ist Spielern Dinge plausibel zu machen, die ihrer Wahrnehmung der Stadt völlig widersprechen?
Ich liefere den Spielern meiner Chronik einfach direkt die Begründungen hinterher, warum sie den ganzen abgefahrenen Vampirkram nicht mitbekommen: Weil u.a. eben gerade ihre SCs dafür sorgen, dass die Menschen es nicht mitbekommen.

Ich verstehe und akzeptiere, wenn Teylen ganz persönlich für sich sagt "Vampire in Leuven find ich uncool.", aber dieses konsequente Ignorieren meiner eigentlichen Aussage, wird langsam wieder ein wenig anstrengend.

Als da wäre:
Man sollte den Spielstil an die Stadt anpassen. Und bei der eigenen Heimatstadt würde ich einen noch stärkeren Fokus auf Plausibilität legen und mehr auf ein sich echt anfühlendes Stadtleben fokussieren als auf Action-Stunts auf dem Dorfmarktplatz - eben weil ich auch weiß, dass man bei der eigenen Stadt automatisch einen intuitiveren Zugang hat und es einem schneller auffällt, wenn etwas schräg wirkt.

Ich sehe es nicht als etwas schlimmes an, dass mir auffällt, dass ein Vozhd auf dem Marienplatz ziemlich ungewöhnlich wäre. Ich ziehe einfach innerhalb meiner WoD die Schlüsse aus diesem ungewöhnlichen Ereignis.
Und wenn ich den selben Spielstil mit New York spiele, dann merke ich auch, dass der Vozhd auf dem Times Square nicht weniger bekloppt wäre.

Man kann jetzt sagen:
Ich mag diesen Spielstil nicht - und es stört mich dass es mir meine Heimat schwer machen würde MEINEN Lieblingsspielstil so umzusetzen, wie ich ihn mag... aber das ändert nichts daran, dass ich aus Erfahrung weiß, dass ich es schaffe eine WoD in meiner Heimat zu leiten, deren Spieler sehr kritisch hinsichtlich Spielweltlogik sind und da dennoch keiner ein Problem damit zu haben scheint, dass die WoD eben nicht die echte Welt ist, aber oberflächlich verdammt ähnlich aussieht.
 
Ich verstehe was du meinst. Das mit dem Spielstil stimmt auch. Deswegen hat "Kleine Ängste" in Mannheim gut funktioniert und epischere Sachen eben nicht. Meine SCION-Runde wäre da zum beispiel undenkbar. Cthulhu könnte klappen...

Bei München, Frankfurt und Berlin sehe ich ob der Größe auch wenig Probleme-egal welcher Spielstil preferiert wird.
 
@ Swafnir:
In einer Runde "Cthulhu Now" haben wir ebenfalls in unserem Wohnort Mannheim gespielt. Das Erfolgsrezept lag meiner Meinung nach, dass die Events absolut ins Setting passen müssen, wo sie passen können und die "übernatürlichen" oder rollenspieltechnisch abstrakten Szenen an Orten spielen müssen, die man zwar mehr oder minder kennt, die einem aber nicht wirklich vor Augen sind. Konkret meine ich damit: Jeder kennt das Gefühl, dass jemand direkt hinter einem geht und einen beobachtet und verfolgt, aber wenn man sich umdreht, ist da niemand. Klappt auch super, wenn der Charakter spät abends eine x-beliebige Straße der Wohngegend des Spielers entlang geht. Auch passt es gut, wenn die Charaktere sich mit irgendetwas ausrüsten müssen und genau sagen können, wo sie hingehen. Spielerwissen = Charakterwissen ist dabei zwar manchmal etwas hinderlich, aber darüber kann man meistens hinwegsehen. Was auch gut geht, ist beispielsweise einen Kontaktmann in einer bekannten Eisdiele zu treffen, weil man dort alle Auswege kennt. Das strenkt nicht unbedingt die Fantasie, aber zumindes das Denken der Spieler an. Was aber nicht passt, ist beispielsweise ein Überraschungsangriff von Ninjas, Piraten oder ähnlichem in der bekannten und gewohnten Disco. Dieser Gewöhnungseffekt an das Gewöhnliche ist hier vielleicht der Knackpunkt. Aber lass die Gruppe über Umwege herausfinden, dass 1.: auf der Reißinsel (unberührter, wild wachsender Wald und Naturschutzgebiet in Mannheim) scheinbar vereinzelte Wanderer und Jogger verschwinden und 2.: irgendjemand die Sache so vertuscht, dass nichts davon in den Nachrichten/Zeitungen steht, so verlagert man das "unnatürliche" Rollenspielelement an einen Ort, der mehr in der Fantasie angesiedelt ist als in der tatsächlichen Erinnerung. Noch heute bekomme ich auf besagter Insel einen leichten Schauer und denke an Szenen des Rollenspiels und frage mich, ob es nicht doch möglich ist, dass dort Naturgeister hausen könnten. Und außerdem: Jeder Spieler kennt vermutlich das nahegelegene Kraftwerk oder die Müllverbrennungsanlage. Aber war jemand jemals da drin? Da beginnt wieder die Fantasie. Dort kann wieder alles passieren und auch nur dort sollten die Elemente anzutreffen sein, die man sich vielleicht nicht so in seinem Heimatort vorstellen könnte.

Außerdem: Das Spiel kann ja auch im heimatlichen Dorf etc. stattfinden, aber nichts spricht dagegen, dass der eigentliche Drahtzieher tatsächlich in der nächsten Großstadt 50 km weiter weg residiert. Und die kennt man dann nicht auswendig sondern höchstens die Innenstadt und Einkaufszentren.

Fazit: lass die Charaktere im Heimatort leben und dort vielleicht auch eine Basis aufbauen. Die ungewöhnlichen Elemente sollten aber nicht mitten in der absolut bekannten Innenstadt stattfinden sondern an Orten, die sich die Spieler eher vorstellen müssen. In den bekannten Gefilden sollten es eher "gewöhnliche" Situationen sein, die plötzlich durch gewisse Zusatzinformationen in einem ganz neuen Licht erscheinen. Das war zumindest bei uns ein großer Reiz.
 
Swafnir hat recht gut auf den Punkt gebracht wo ich das Problem sehe.

Ich verstehe den Unterschied, wenn du extra bewusst in einer völlig fiktiven Stadt spielst.
Die amerikanische Gruppe in der ich spiele hustsobaldmeincharfertigisthust spielt tatsächlich in einer völlig fiktiven Stadt an der amerikanischen Ostküste.


Dir erscheint es doch auch nicht glaubwürdig, dass der NewYorker Stadtrat wirklich und tatsächlich von Vampiren unterwandert wird und dort die Untoten durch die Nacht streifen, oder?
Innerhalb der WoD, angesichts der Stadtbücher, und so allgemein erscheint mir das durchaus glaubwürdig beziehungsweise plausibel. Immerhin heißt es dort das Vampire entsprechend gewichtigen Einfluss auf verschiedene Institutionen erhalten können.
Auch wenn das imho nun nicht realistisch ist.


Ich verstehe diesen Punkt nicht.
Ich persönlich habe in solchen Gruppen noch nicht gespielt.
Allerdings kamen die Beispiele von wegen des Killerassamit mit Katana doch von dir, oder das in einer deutschen Großstadt die Verhältnisse für einen Bandenkrieg mit den Gruppen nun weniger geeignet seien.

Zumal man für Busfahrpläne nicht unbedingt den Wohnort braucht.
Da reicht mitunter auch GoogleMaps, zumindest wurde damit in der Seattle Runde gearbeitet in der ich spiele.


Weil man ihre Mentalität kennt. Weil man näher an der äußeren Umwelt und somit Unlebensrealität seines SCs dran ist, weil man als SL ganz andere Möglichkeiten zur Recherche besitzt und leichter an detaillierte historische Informationen kommt, die sehr inspirierend sein können. Weil man sich Inspiration bei einem Abendspatziergang holen kann.Weil man sich nahezu automatisch ein besseres Gefühl für Zusammenhänge bekommt, ein besseres Gefühl für Maskerade und ein besseres Gefühl dafür welche Extreme welche Auswirkungen hätten.
Weil man einen klareren Kontrast hat, was es bedeutet Vampir in einer Stadt zu sein, die man als Mensch kennt, als einfach nur ein Fantasy-Wesen in einer Fantasy-Stadt zu sein.
Weil man als SL immer wieder kleine reale Funfacts einbauen kann und die Spieler mich völlig begeistert anrufen:
Ich finde es etwas gewagt anzunehmen die Mentalität vollständig zu kennen.
An der Unlebensrealität der SC kann zumindest ich nicht näher herankommen weil sie vollständig fiktiv ist. Es gibt die SC nicht, die reale Welt funktioniert nicht so wie in dem Setting, insofern kommt wird die fiktive Existenz des SC imho nicht realer. Viel mehr wird für mich die fiktive Natur seiner Existenz noch betont. Ein Vampir ist und bleibt für mich auch ein Phantasie-Wesen das nur in einer Phantasie-Welt existiert.
Die historischen Begebenheiten, Nachrichten, Erlebnisse und auch interessante Besonderheiten die man so bei einem Spaziergang entdeckt lassen sich doch problemlos in so ziemlich jede fiktive oder realte Alternativ-Stadt die zum Setting auserkoren wurde importieren. Man muss sich dabei nicht einmal auf Spaziergänge in der eigenen Stadt beschränken sondern kann da auch Sachen aus anderen Städten oder dem Urlaub mit nehmen.
Das heißt ich kann in der Brügge Runde die coolsten Sachen aus Leuven oder Antwerpen einbauen. Tatsächlich haben wir da auch schon Burgen aus der Gegend vom Bodensee eingebaut.
Das heißt die Sache mit den Funfacts funktioniert eigentlich sogar noch ausgedehnter.


Du hältst es für problematischer einen Insider in einer Stadt zu spielen, die du kennst, als einen Insider in einer Stadt zu spielen, die du nicht kennst?
Und wo ist das Problem, wenn die Gruppe diesem Spieler dabei unter die Arme greift bzw. im umgekehrten Fall, falls der SC den Ort nicht kennen sollte, man ihn auf Proben auf seinen Ortskenntniswert beschränkt.
Richtig. Den die andere Stadt kenne nicht nur ich nicht, sondern die anderen kennen sie auch nicht. Das heißt ich muss mir nicht ständig von einem anderen Spieler "unter die Arme" greifen lassen wie ich den Charakter zu spielen haben.
Was für mich den Beigeschmack hat das ich bei dem spielen meines Charakters andauernd bervormundet werde bzw. eigentlich entmündigt. Weil der Rest ein größeres OT Wissen hat.

Nun und das man als Alternative dann bei seinem Finanz-Ventrue der in der Münchner Schickaria verkehrt darauf angewiesen ist das man genügend Punkte in eine Stat geballert hat - die einem wo anders fehlen - die sich die ortskundigen Spieler für ihre Charaktere sparen können. Na, danke.


Ansonsten heißt das man in einer anderen Stadt spielt nicht zwangsläufig das man in einem anderen Land spielt. Das heißt nur weil man nicht Ochtendung: Eifel By Night oder Koblenz By Night spielt muss man ja nicht gleich in Amerika spielen. Man könnte auch in Berlin, Frankfurt, München oder sonst wo spielen. Auch Europa steht offen oder der Osten.
Dazu kommt das man die Sprache vermutlich kaum perfekt hinbekommt wenn man aus Deutschland stammt und in einer deutschen Stadt spielt. Einfach weil die eigene Sprache vom sozialen Hintergrund und der Umgebung geprägt ist.

Hinsichtlich der Begegnung mit einem deutschen Vampir in einer amerikanischen Stadt, wieso muss der überhaupt einen Akzent haben? Er könnte ja auch einfach hinreichend gut englisch sprechen das man es nicht raus hört.
Nun und wenn man selbst als Deutsche in einer amerikanischen Stadt Vampire spielt die Inplay eigentlich amerikanisch sprechen, so kann man einfach annehmen das die Wortspiele halt irgendwie in's Gespräch transportiert wurden. Nun und wenn einen die Frage zu sehr belastet, spielt man halt auf englisch oder in einer deutschen Stadt.
Wobei ich es eher so kenne das man ansagt in welcher Sprache der Charakter spricht (wenn es nicht englisch ist) und dann einfach in der Rundensprache sagt was er sagt. Womit man dann auch wunderbar Charaktere einbinden kann die mehr oder andere Sprachen sprechen als man selbst.


Besonders wichtig finde ich den Referenzpunkt. Jeder kennt die Stadt, in der er lebt.
Vielleicht um auch nochmal darauf einzugehen.
Für mich zählt das eher zu den negativen Punkten.
Dadurch das man die Stadt kennt fällt das explorative weg. Das heißt wenn ich wissen will wie Leuven/Koblenz/Ochtendung aussieht, gehe ich einfach raus und erkunde es. Wenn ich es erkundet habe, naja, dann sind die Fragen quasi beantwortet. So das es für mich keinen besonderen Reiz darstellt fiktive Charaktere auf Erkundungstour zu schicken.
Daneben mag ich die Stadt oder das Dorf nicht unbedingt. Das heißt gerade mein Heimatdorf ist eher langweilig, tendenziell klappt man Abends die Bürgersteige hoch. Daneben gibt es Dorfpolitik wo ich eher geneigt bin die Hand vor den Kopf zu schlagen, Sachen die zwischen unterschiedlichen Gruppen ablaufen die ich suboptimal finde und einige weitere Aspekte die ich nicht so toll finde. Wieso soll ich mich dann noch in meiner RPG-Freizeit an dem Ort rumtreiben?



Weil irgendwo sehe ich nun nicht so den Unterschied wieso man behaupten kann das die Vampire Größen in der Kommunal / Stadt / Landespolitik sind und dem Vohdz in den Wäldern / Burgruinen um ne Gemeinde in der Eifel oder Goths/Emo Gestalten mit Waffen (ggf. eingewickelt) in den örtlichen Verkehrsmitteln / auf der Straße.
Das hab ich nicht verstanden.

Was ich damit meinte.
Oftmals kommt so das Argument in der Richtung "Ja, wenn ich in meiner Heimatstadt spiele wird keiner der Charaktere auf die Idee kommen sich cool anzuziehen und mit einen Schwert durch die Gassen zu streifen." obwohl das imho nicht unbedingt abwegig sein muß. Auch wenn man nicht in Berlin spielt.


Ich selbst war es der gesagt hatte, dass wenn ich in einem Heimat-Winzkaff leite, dass ich dann einen anderen Ansatz wählen würde als eben knallige Action, weil ich den gewohnten Kino-Stil in der Kino-ungewohnten Heimat schwer hinbekomme.
Nun aber nur weil man in einem Winzkaff lebt heißt das doch nicht das man deswegen unbedingt das Setting des Winzkaff für seine Vampire Runde toll findet.


Ich versteh nur nicht dieses "Ich kenn mich hier ja voll aus und weiß, dass es hier ja garnicht wirklich Vampire gibt, also schrei ich laut 'Stimmt ja gar nicht', wann immer mein SL mir etwas vorlügen will, was es in meiner Heimat in echt garnicht gibt.".
Ich verstehe nicht wieso du meine Argumente auf dieses einzige reduzierst und so tust als hätte ich jenseits dessen keine Argumente für meine Haltung vorgebracht.



Warum also sollte es, angesichts dieses Namens, den das Spiel trägt, ein Ausschlusskriterium für eine Stadt sein, wenn es dort eben nicht möglich ist Spielern Dinge plausibel zu machen, die ihrer Wahrnehmung der Stadt völlig widersprechen?
Weil Vampire: Die Maskerade nicht in unserer Welt spielt sondern in der "Welt der Dunkelheit".
Weil imho Vampire: Die Maskerade, vom Setting her, so rein gar nicht mit der Realität vereinbar ist. Sowohl was Vampire als Kreaturen angeht, was diese Kreaturen können, was diese Kreaturen angeblich auch so machen und wie sie die Maskerade gestalten.
Realistisch, auf die normale Welt bezogen betrachtet, halte ich V:tM für weitesgehend vollkommen unplausibel.


Ich verstehe und akzeptiere, wenn Teylen ganz persönlich für sich sagt "Vampire in Leuven find ich uncool.", aber dieses konsequente Ignorieren meiner eigentlichen Aussage, wird langsam wieder ein wenig anstrengend.
Das beruht imho auf Gegenseitigkeit.

Man sollte den Spielstil an die Stadt anpassen. Und bei der eigenen Heimatstadt würde ich einen noch stärkeren Fokus auf Plausibilität legen und mehr auf ein sich echt anfühlendes Stadtleben fokussieren
Imho sollte man das Setting den Spielstil anpassen, nicht umgekehrt.
Das heißt ich habe recht wenig Lust mir von meiner Heimatstadt meinen Spielstil diktieren zu lassen,

Wobei imho hinzukommt ein Setting nicht deswegen weniger Plausibel wird weil es nicht mit der Realität übereinstimmt. Das heißt innerhalb eines geschlossenen Setting, einer entsprechenden Gruppe, kann auch ein Action orientierter Ansatz mit größeren Ereignissen durchweg Plausibel sein.
Dazu kommt das man selbst in deiner Heimatstadt stark cinematisch und actionorientiert leiten könnte. Wieso sollte man vor der U-Bahn Münchens eher haltmachen als vor der von NY? Es könnten in beiden kleine und größere Monster lauern,

aber das ändert nichts daran, dass ich aus Erfahrung weiß, dass ich es schaffe eine WoD in meiner Heimat zu leiten, deren Spieler sehr kritisch hinsichtlich Spielweltlogik sind und da dennoch keiner ein Problem damit zu haben scheint, dass die WoD eben nicht die echte Welt ist, aber oberflächlich verdammt ähnlich aussieht.
Das hat dir aber doch auch keiner abgesprochen?
 
Teylen schrieb:
Richtig. Den die andere Stadt kenne nicht nur ich nicht, sondern die anderen kennen sie auch nicht. Das heißt ich muss mir nicht ständig von einem anderen Spieler "unter die Arme" greifen lassen wie ich den Charakter zu spielen haben.
Was für mich den Beigeschmack hat das ich bei dem spielen meines Charakters andauernd bervormundet werde bzw. eigentlich entmündigt. Weil der Rest ein größeres OT Wissen hat.

Ohne mich groß einmischen zu wollen möchte ich dich darauf hinweisen, dass es sich hierbei um ein künstlich erschaffenes Problem handelt. Denn: Wenn du dir ständig Sorgen darüber machen musst, dass deine Mitspieler dich bevormunden oder gar ganz entmündigen auf Grund größeren OT Wissens, nur weil ihr an einem Ort spielt, den die kennen und du nicht, dann hast du im Grunde ein anderes Problem, als die Örtlichkeit. Es geht nicht darum DIR unter die Arme zu greifen, um dir vorzuschreiben wie du zu spielen hast (das passiert anders, siehe unten), sie greifen dir wenn unter die Arme, um dir die Möglichkeit zu geben deine Handlungen und Vorstellung einer Umgebung gegebenenfalls anpassen zu können. Liegt an dir ob du das tust und liegt an den Mitspielern wie sie das verklickern.

Ich hatte mal ne D&D Runde und hab (warum auch immer) irgendne besonders friedfertige Elfenrasse gespielt. Dann sind wir von irgendwas angegriffen worden und ich hab mächtig kassiert. In einem Akt DRAMATISCH guten Rollenspiels erledigte mein Charakter nicht nur das Unwesen, sondern kam in cooler Action Pose auf den Kadaver zu und rotzte aus tiefster Seele ein Gemisch aus Blut und Speichel auf das Mistvieh ... welches er auch lauthals aussprach!
Ich wurde dann korrigiert: Elfen generell, aber ganz besonders DIESE Art von Elfen würde soetwas niemals tun. Auch meine flapsigen Kommentare von wegen schlechter Kindheit konnten nicht darüber hinweg helfen, dass ich gefälligst anders zu spielen hatte, weil Elfen sowas nun mal nicht machen. DAS war Bevormundung. Ich mein zumindest hätte der Charakter ja auch einfach verrückt sein können *shrugs* Nix zu machen ...

Dadurch das man die Stadt kennt fällt das explorative weg. Das heißt wenn ich wissen will wie Leuven/Koblenz/Ochtendung aussieht, gehe ich einfach raus und erkunde es. Wenn ich es erkundet habe, naja, dann sind die Fragen quasi beantwortet. So das es für mich keinen besonderen Reiz darstellt fiktive Charaktere auf Erkundungstour zu schicken.
Daneben mag ich die Stadt oder das Dorf nicht unbedingt. Das heißt gerade mein Heimatdorf ist eher langweilig, tendenziell klappt man Abends die Bürgersteige hoch. Daneben gibt es Dorfpolitik wo ich eher geneigt bin die Hand vor den Kopf zu schlagen, Sachen die zwischen unterschiedlichen Gruppen ablaufen die ich suboptimal finde und einige weitere Aspekte die ich nicht so toll finde. Wieso soll ich mich dann noch in meiner RPG-Freizeit an dem Ort rumtreiben?

Auch so ein künstliches Problem IMO. Bist du dir sicher, dass Nachts in deinem Heimatdorf die Bürgersteige hochgeklappt wurden? Tratschte da nicht jeder über den Typen, der neu hinzugezogen war? Der mit den Sportwagen (Plural)? Der, der garantiert Zuhälter ist? Wie war denn das mit der Familie Meier, deren Tochter auf einmal bei diesen ... diesen Zigeunern abgehangen hat? Ich meine auch, dass die einzige Dorfdisco ein ziemlicher Drogenumschlagplatz war!

... egal wie klein das Nest auch ist, Spinnerein für irgendwelche Plots kann man überall finden. Jetzt kann man da sitzen und das blöd finden oder aber sich auch einfach drauf einlassen. Was mit einem "Gilmore Girls" Setting anfängt kann auf einmal ganz extravagante Züge, von einem simplen Kriminalfall bis hin zu einem Satanisten Ritual annehmen. Beispiel Witten:

Erinnert sich noch jemand hieran? http://www.rafa.at/19story5.htm

KEINE SAU in diesem Nest hat jemals damit gerechnet, dass sowas DA passieren würde. Und jetzt, 11 Jahre später unterhalte ich mich mit einem Bekannten, der früher in einer Death Metal Band gespielt hat und die beiden persönlich kannte, der mir auch heute noch dezidiert berichten konnte, wie ER davon erfahren hat und was das in ihm ausgelöst hatte.

Der Vorfall war Luftlinie gerade mal 15km von meinen eigenen vier Wänden entfernt.

Das explorative fällt vor allem dann weg, wenn man meint - entschuldige - die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und der Ansicht zu sein, man wisse alles über seinen Ort. Das klappt IMO schon nicht in Dörfern von mehr als 300 Seelen (so alles wissen, mein ich) ... in Städten wie Mannheim oder gar Berlin und München halte ich es für total realitätsfern. Da passiert ja innerhalb eines Stadtteils schon mehr als man in einem Leben wirklich komplett erfassen kann. Glaub mal ich hab wirklich lang in Dortmund gewohnt ... mitten im brennpunkt - meinste ich kannte da jedes schmutzige Geheimnis? Geschweige denn noch von anderen Stadtteilen. Dortmund hat über 50 Vororte ... ist eigentlich eine Ansammlung von Dörfern ... ich krieg vielleicht mal 20% namentlich zusammen, mit viel Zeit und Mühe.

Mit anderen Worten: Das explorative fällt nur dann weg, wenn man Scheuklappen aufsetzt.

Oftmals kommt so das Argument in der Richtung "Ja, wenn ich in meiner Heimatstadt spiele wird keiner der Charaktere auf die Idee kommen sich cool anzuziehen und mit einen Schwert durch die Gassen zu streifen." obwohl das imho nicht unbedingt abwegig sein muß. Auch wenn man nicht in Berlin spielt.

Bezüglich Vampire und meiner eigenen Erfahrung aus verschiedenen Live Domänen ist, dass diverse Kainiten EIGENTLICH ein ernsthaftes Maskerade Problem gehabt hätten, weil bei denen das Wort Vampire in Leuchtschrift auf der Stirn gestanden hat. Ich erinner mich dran, wie ich damals OT von nem Spieler angepöbelt wurde, weil ich n Batikshirt getragen hatte ... soetwas WÜRDEN Kainiten niemals tragen ... und rannte selbst im Rüschenhemd rum (Was ja die landestypische Tracht an der Lippe anno 1998 war, wissen wir ja alle! Oder der andere Typ, der in einer anderen Domäne auftrat und fragte ob es okay sei, wenn er nen Werwolf spielt nur für einen Abend ... er kam dann auch direkt so gekleidet, als Wikinger vor Christus, in Tierfellen behangen und mit ner Streitaxt am rechten Bein baumelnd ... ebenfalls gut gewählte Kleidung für ein Realtime Setting!)

Sich "cool" anzuziehen (was heißtn das jetzt in dem Zusammenhang?) und mit nem Schwert durch die Gegend zu laufen erweckt durchaus neugierige Blicke. Frag mich mal, wie oft mich Leute angequatscht haben, wenn ich meinen Bo von der Wohnung zum Auto getragen habe ... Irgendwann hab ich das Teil dann einfach direkt im Auto gelassen ;)
Egal wo man spielt: Wer sich wer weiß wie "cool" anzieht und offen oder eingebunden mit Waffen über die Straße rennt (aber jeder kann erkennen was es ist) sorgt für Aufmerksamkeit. Heimatort hin oder her...

Das heißt ich habe recht wenig Lust mir von meiner Heimatstadt meinen Spielstil diktieren zu lassen,

Hm ... kommts da wirklich auf deinen heimatort an? Wenn mein Spielstil ist alles grundlegend anzupöbeln und Streit zu suchen, dann krieg ich sowohl in kleinen Dorfgemeinschaften wie auch in Großstädten, die keiner kennt die Quittung auf die eine oder andere Weise. Ergo: Die Welt reagiert auf meinen Spielstil und entweder ich passe mein Spiel, diesen exogenen Zwängen an oder ich muss mit den Konsequenzen leben. Gerade doch bei Vampire ... mal einfach so mardoierend Leute austrinken oderr enthaupten, weil ich gerade mal Bock auf Bestie habe ist ja nun aus Maskerade Sicht nicht sonderlich erstrebenswert.

Ergo: Äußere Zwänge kommen doch bereits durch das gesamte Spielsetting und nicht durch den gewählten Ort.

Ioelet schrieb:
Man spricht die selbe Sprache. Das klingt erst einmal völlig unwichtig, aber spätestens, wenn fremdsprachige Vampire im Spiel auftauchen, kommt man an den Punkt, wo man sich fragt, wieviel deutscher der deutsche Vampir im USA-WoD-Setting jetzt sprechen muss, damit man seine Sprache oder seine Akzent im Spiel einbinden kann und das ganze nicht völlig bescheuert wird

Ich find bescheuert wirds, wenn Leute am Tisch auf einmal anfangen tief zu sprechen, weil sie denken sie müssten das jetzt. Wenn sie anfangen wie Meister Yoda zu reden, um niedrige Intelligenz darzustellen oder wenn sie eben, ich liebe es, anfangen Dialekte oder Akzente zu imitieren, die sie nicht drauf haben. Ich finde ja, dass der Verweis: Mein Charakter spricht total gebrochenes irgendwas mehr als ausreichend ist ... mit groben Beschreibungen. Ich erwarte von Spielern ja auch nicht, dass sie den Zauber mal eben vorführen, der ihnen gerade vorschwebt ... auch das kann ich mir am Tisch bildhaft vorstellen.
 
Ohne mich groß einmischen zu wollen möchte ich dich darauf hinweisen, dass es sich hierbei um ein künstlich erschaffenes Problem handelt.
Der Vorschlag zu dem "Unter die Arme greifen" kam nicht von mir sondern es wurde von Ioelet eingebracht.
Insofern habe ich das Problem nicht künstlich erschaffen oder herbeiphantasiert, ich habe auf das was Ioelet für eine scheinbar legitime Lösung hält geantwortet.
Nun und die Lösung beinhaltet das Spieler, weil sie ein größeres OT Wissen, weil man in der so gegebenen Stadt spielt, anderen Leute unter die Arme greifen.

Nur will ICH nicht das man mir beim Rollenspiel bei derart grundlegenden Sachen unter die Arme greift.
Denn dieses unter die Arme greifen ist imho ein vorschreiben wie man zu spielen hat.
Im Fall des Schickeria Charakter, der in München in der Schickeria agieren mag, darf er sich halt von anderen Spieler bevor... unter die Arme greifen lassen wo die angesagten Clubs denn eigentlich sind und wie die Schickeria tatsächlich funktioniert. Obwohl das eigentlich Sachen sind die sein Charakter eigentlich wissen müßte, die er eigentlich wissen sollte und wo er drin souverän agiert. Das agieren klappt aber nicht wenn man unter den Armen gepackt wird.

sie greifen dir wenn unter die Arme, um dir die Möglichkeit zu geben deine Handlungen und Vorstellung einer Umgebung gegebenenfalls anpassen zu können.
Eigentlich gehen sie hin und treffen die Aussage:
Deine Vorstellung wie sich ein Charakter in der Münchner Schickeria verhält ist falsch bzw. unfundiert.
Bitte frage uns damit die Handlung auch garantiert zu unserem Wissen passt.
Wenn du selbstbestimmt handeln möchte, würfele doch bitte diese Stat [die wir uns sparen können] und dann kriegst du die Informationen [wenn der Wurf gut genug war. Wenn nicht weiß dein Industrieller Schickeria Fritz von Charakter halt genauso wenig wie du über das Metier in dem er sich bewegt].

Der Vergleich mit der Elfe ist in sofern imho unpassend, weil du an dieser Stelle bewusst oder unbewusst mit dem Klischee brechen möchtest.
Wohingegen der Spieler des Partylöwen ja gerade nicht mit dem Klischee brechen will.
Er möchte einfach seinen Charakter spielen, bekommt dabei aber mehr oder weniger direkt von den Mitspielern "unter die Arme gegriffen". Ich finde das bezogen als Rollenspiel ähnlich unsexy als wenn mir ein Mediziner in der Runde mit Hinweisen wie man tatsächlich operiert, was wirklich geht, was nicht und was dann wie "unter die Arme greift" wenn ich meinen Charakter spiele der ein Doktor ist.

Daneben mag ich die Stadt oder das Dorf nicht unbedingt. Das heißt gerade mein Heimatdorf ist eher langweilig, tendenziell klappt man Abends die Bürgersteige hoch. Daneben gibt es Dorfpolitik wo ich eher geneigt bin die Hand vor den Kopf zu schlagen, Sachen die zwischen unterschiedlichen Gruppen ablaufen die ich suboptimal finde und einige weitere Aspekte die ich nicht so toll finde. Wieso soll ich mich dann noch in meiner RPG-Freizeit an dem Ort rumtreiben?
Auch so ein künstliches Problem IMO.
Auch nicht richtig gelesen IMO.
Den das die Bürgersteige hochgeklappt werden ist echt das geringste Problem,..
Wenn man direkt gesagt sein Heimatdorf für ein kleines Dreckskaff hält.
Wenn man es nicht mag.

Ich habe keinen Bock in einem Dorf zu spielen wo in den verbliebenden Diskos die Dorfprolls abhängen, die saufen, kiffen und ggf. noch ihre Freundinen verprügeln.
Ich habe keine Lust auf Streits zwischen Gartennazis, Statusgeprolle, die Frage wer mit wem und wie / wann. Ich habe auch keine Lust das kleingeistige gemobbe unter den mittelständischen Betrieben durch zu exerzieren. Keine Lust zu vertiefen wie über Leute aufgrund ihrer Ethnie gehetzt wird.

Das sind Sachen die ich mir 25 Jahre meines Lebens da um die Ohren geschlagen will, und die ich bestimmt nicht vertiefen mag wenn ich Rollenspiele.
Natürlich gibt es das ein oder andere positive an dem Ort. Es gibt nette Kapellen, eine Burgruine, das Nettetal,.. es gibt vielleicht Charakter-Konzepte, Handlungsmachinen, Eventman könnte mit den einzelnen Sachen auch was anfangen. Aber an dem Ort klebt zuviel Mist als das ich da wirklich drin spielen will.

Wieso dann nicht einfach einen anderen Ort nehmen?

Das explorative fällt vor allem dann weg, wenn man meint - entschuldige - die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und der Ansicht zu sein, man wisse alles über seinen Ort.
Mit dem Explorativen meine ich das Erkunden und Erfahren der Umgebung. Also weniger das soziale.
Just als Beispiel, wenn man über die Wies'n in München geht, die Atmossphäre, die Umgebung, die Kultur. Etwas zu erfahren das man davor nicht wusste und seinen Ort wahrzunehmen. Vielleicht das Rathaus anschauen, in's Hofbräuhaus zu gehen, in den englischen Garten. Halt Dinge die man macht wenn man eine Stadt erleben oder erforschen will. Wenn die Runde nun in der eigenen Stadt spielt fällt es imho weg weil es wesentlich effektiver ist rauszugehen und zu schauen wie der gesuchte Ort nun tatsächlich aussieht und sich anfühlt.

Bezüglich Vampire und meiner eigenen Erfahrung aus verschiedenen Live Domänen ist, dass diverse Kainiten EIGENTLICH ein ernsthaftes Maskerade Problem gehabt hätten, weil bei denen das Wort Vampire in Leuchtschrift auf der Stirn gestanden hat. Ich erinner mich dran, wie ich damals OT von nem Spieler angepöbelt wurde, weil ich n Batikshirt getragen hatte ... soetwas WÜRDEN Kainiten niemals tragen ... und rannte selbst im Rüschenhemd rum (Was ja die landestypische Tracht an der Lippe anno 1998 war, wissen wir ja alle! Oder der andere Typ, der in einer anderen Domäne auftrat und fragte ob es okay sei, wenn er nen Werwolf spielt nur für einen Abend ... er kam dann auch direkt so gekleidet, als Wikinger vor Christus, in Tierfellen behangen und mit ner Streitaxt am rechten Bein baumelnd ... ebenfalls gut gewählte Kleidung für ein Realtime Setting!)
Das liegt daran, denke ich, das LARP / LIVE wieder ein ganz eigenes Spiel ist.
Bei dem halt das verkleiden und dergleichen einfach zu dem Spiel dazu gehört.
Nun und rein effektiv gesehen funktioniert die Maskerade ja weil die Leute ja nicht als Vampire für voll genommen werden ^^;
[Wobei ich erstaunlicherweise tatsächlich eher nach Antwerpen LIVE spielen gehen würde als in Leuven, einfach weil's eine andere Stadt ist}

Hinsichtlich des Waffen spazieren tragen habe ich auch mein Holzschwert durch teile Leuvens zu einem "Übungsplatz" (Garten eines Kumpels) getragen.
War zwar ungewöhnlich aber ich wurde nicht angehalten ^^


Das heißt ich habe recht wenig Lust mir von meiner Heimatstadt meinen Spielstil diktieren zu lassen
Hm ... kommts da wirklich auf deinen heimatort an?
Es kommt auf das Spielverständnis an.
Das heißt, sofern ich das richtig verstehe, hat Ioelet die These aufgestellt das eine V:tM Runde grundlegend anders aussieht wenn sie nun in New York stattfindet, wenn sie in München platz hat oder wenn sie in Ochtendung (5k Seelen Eifeldorf) spielt.
Weil es schließlich unstimmig wäre das wenn man nun mit einem Bus als Assamite zur Schule fahren würde wo dann ein mächtiger, bekannter (N?)SC wie Julius Cesär sitzt. Das ginge in München eher, aber München hat dann so im Vergleich zu New York eher noch den Kaff-Charakter. Wohingegen in New York schon viel mehr geht, aber dann auch nicht alles.

Nun und mit Spielstile meinte ich mehr sowas wie:
Mehr oder weniger realistisches Setting mit Charakteren die entweder keinen Einfluss haben, nur sehr dezenten Einfluss oder Problemen im kleineren Maßstab.
Versus
Mehr oder weniger nur plausibeles Setting mit Charakteren welche die Fähigkeiten haben wie im Buch, mitunter großen Einfluss und wo man auch mal einen Sabbat Angriff niederkämpft mit vielen Schaufelköpfen und der ein oder anderen Tzimisce Abnormität während irgendwer es dann doch schafft das die Presse es nicht auf allen Sendern zeigt.

Also wirklich mehr Stilfragen. Nun und meiner These nach lässt V:tM oder auch V:tR von subtil bis GONZO so ziemlich alles als legitim zu.
(War es nicht eine Gehenna Idee das sich irgendwas Tzimisce mäßiges auf dem Timesquare prügelte? )
 
Teylen schrieb:
Allerdings kamen die Beispiele von wegen des Killerassamit mit Katana doch von dir, oder das in einer deutschen Großstadt die Verhältnisse für einen Bandenkrieg mit den Gruppen nun weniger geeignet seien.
Eigentlich nicht. Ich bezog mich ironisch (vielleicht zu subtil?) hierauf:
Teylen schrieb:
Weil irgendwo sehe ich nun nicht so den Unterschied wieso man behaupten kann das die Vampire Größen in der Kommunal / Stadt / Landespolitik sind und dem Vohdz in den Wäldern / Burgruinen um ne Gemeinde in der Eifel oder Goths/Emo Gestalten mit Waffen (ggf. eingewickelt) in den örtlichen Verkehrsmitteln / auf der Straße.
Abgesehen davon, dass ich inhaltlich nicht verstehe, was du damit sagen willst, fand ich halt den Gedanken seltsam, dass in einer WoD die Vampire unbedingt nicht zu verbergende Waffen in der Öffentlichkeit tragen müssten (falls es das ist, was du sagen wolltest).
Die halten sich natürlich auch in meinem WoD-Berlin an Schusswaffen, Messer oder Klauen. An Sachen halt, die man verstecken kann. Bandenkämpfe werden ins Brandenburger Umland verlagert oder wenigstens in die nachts menschenleeren Randgebiete. Und wenn es irgendwas übernatürliches zu tun gibt, wird das natürlich Maskerade-Konform gemacht. Das ist ja der Witz an der Maskerade. Auch in der WoD2. Und bei euch doch wohl erst recht. Euer Vampire trägt doch die Makerade schließlich im Untertitel. Da kriegt man als Sterblicher (was wir ja, auch wenn es deprimierend ist, sind) sowieso nix von mit.
Da bieten sich ja gerade die WoD-Linien besonders gut an.

Aber auch fantastischere Settings wie Scion könnte ich mir vorstellen, in Berlin zu spielen.
Ich geh ja auch nicht aus dem Kino, wenn Jason Bourne am Alex in eine S-Bahn einsteigt, und am Zoo (fast am anderen Ende der Stadt) wieder aussteigt, ohne, dass die Bahn losgefahren wäre.
Das ist halt die Abstraktionsleistung, von der ich sprach. Die wirkliche Welt ist nicht die WOD und nicht die Bourne-Welt. Und das gilt genauso andersrum. Es ist schön, wenn meine WoD die wirkliche Welt oft und viel zitiert, so dass ich mich damit leicht identifizieren kann, aber ich bin nicht böse oder irritiert, wenn die Taten meiner SC und NSC keine Auswirkungen auf die Reale Welt haben. Schon die Erwartungshaltung fände ich befremdlich.

Teylen schrieb:
Oftmals kommt so das Argument in der Richtung "Ja, wenn ich in meiner Heimatstadt spiele wird keiner der Charaktere auf die Idee kommen sich cool anzuziehen und mit einen Schwert durch die Gassen zu streifen." obwohl das imho nicht unbedingt abwegig sein muß. Auch wenn man nicht in Berlin spielt.
Da hätte bei mir aber der Fürst ernsthaft was dagegen. Blankwaffen sind auch in Berlin verboten. Cool anziehen könnte sich der Charakter, das Schwert müsste er aber zu Hause lassen. Oder zumindest im Kofferraum. Und das würde ich in New York nicht anders handhaben als in Berlin. Ich weiß zwar nicht, ob das Tragen von Schwertern in der Öffentlichkeit in USA legal ist (vorstellen könnte ich es mir), aber selbst wenn, ist das ne zu große Maskeradegefährdung.

Gabriel schrieb:
Ohne mich groß einmischen zu wollen möchte ich dich darauf hinweisen, dass es sich hierbei um ein künstlich erschaffenes Problem handelt. Denn: Wenn du dir ständig Sorgen darüber machen musst, dass deine Mitspieler dich bevormunden oder gar ganz entmündigen auf Grund größeren OT Wissens, nur weil ihr an einem Ort spielt, den die kennen und du nicht, dann hast du im Grunde ein anderes Problem, als die Örtlichkeit.
Das meinte ich. Regel 0.

Teylen schrieb:
Ich habe keinen Bock in einem Dorf zu spielen wo in den verbliebenden Diskos die Dorfprolls abhängen, die saufen, kiffen und ggf. noch ihre Freundinen verprügeln.
Ich habe keine Lust auf Streits zwischen Gartennazis, Statusgeprolle, die Frage wer mit wem und wie / wann. Ich habe auch keine Lust das kleingeistige gemobbe unter den mittelständischen Betrieben durch zu exerzieren. Keine Lust zu vertiefen wie über Leute aufgrund ihrer Ethnie gehetzt wird.

Das sind Sachen die ich mir 25 Jahre meines Lebens da um die Ohren geschlagen will, und die ich bestimmt nicht vertiefen mag wenn ich Rollenspiele.
Natürlich gibt es das ein oder andere positive an dem Ort. Es gibt nette Kapellen, eine Burgruine, das Nettetal,.. es gibt vielleicht Charakter-Konzepte, Handlungsmachinen, Eventman könnte mit den einzelnen Sachen auch was anfangen. Aber an dem Ort klebt zuviel Mist als das ich da wirklich drin spielen will.

Wieso dann nicht einfach einen anderen Ort nehmen?
Das ist eine legitime Haltung.
Da braucht es doch die anderen, auf mich etwas vorgeschoben wirkenden, Argumente eigentlich nicht mehr.
 
Abgesehen davon, dass ich inhaltlich nicht verstehe, was du damit sagen willst, fand ich halt den Gedanken seltsam, dass in einer WoD die Vampire unbedingt nicht zu verbergende Waffen in der Öffentlichkeit tragen müssten (falls es das ist, was du sagen wolltest).
Das war eine Antwort darauf das davor die These aufgestellt wurde das es nicht wirklich möglich oder glaubhaft wäre das Charaktere mit Schwertern in den Bus einer Kleinstadt bzw. eines Dorfes steigen. Wobei ich durchaus davon ausgehe das das Schwert grob eingewickelt ist oder in seiner Scheide steckt.
Meiner Erfahrung nach ist es nun nicht unbedingt die beste Idee, man zieht auch unter Umständen Aufmerksamkeit auf sich, aber es ist kein so großes Problem mit einem eingewickelten Schwert herum zu laufen. Zu Veranstaltungen wie der AnimagiC in Bonn kann man auch noch mit ganz anderen Sachen herum laufen,.. und Vorschriften wie das man keine scharfen Schwerter als Cosplay Accessoire mitbringen darf wurden nach meinem Kenntnisstand erst eingeführt nachdem man ein paar entsprechende Fälle hatten.


Und wenn es irgendwas übernatürliches zu tun gibt, wird das natürlich Maskerade-Konform gemacht. Das ist ja der Witz an der Maskerade. Auch in der WoD2. Und bei euch doch wohl erst recht. Euer Vampire trägt doch die Makerade schließlich im Untertitel. Da kriegt man als Sterblicher (was wir ja, auch wenn es deprimierend ist, sind) sowieso nix von mit.
Ich glaube daran das die Maskerade oder das Versteckspiel innerhalb des fiktiven Setting der WoD ob n oder c funktioniert.
Ich habe keinerlei glauben daran das es, wenn man unterstellt das es Vampire so wie beschrieben wirklich geben würde, wenn man es realistisch betrachtet, in der Realität funktionieren würde. Da würde die Maskerade neben einigen anderen Sachen schneller in Bruchstücken liegen als man Vampir buchstabieren kann.

Nun und da die Gründe auch für andere Settings gelten hätte ich auch vorbehalte Scion, CoC, FearItself, Cosa Nostra: Crime Network, Monster and other childish things, Kleine Ängste [..] in Städten zu spielen die ich als Heimatstadt bezeichnen würde. Das heißt nicht das ich mir nicht vorstellen könnte das eine Gruppe die in einer anderen Stadt oder Dorf liegt es vielleicht cool findet die Heimatstadt als Setting zu nutzen. Für eine Gruppe von Einheimischen halte ich es aus den angeführten Gründen für nicht funktional.

Naja und im Kino, hatten die beim A-Team Film den Bodensee oder ein Gebirge neben Frankfurt gepflanzt?
Ich habe Mannheim (iirc) nun auch anders in Erinnerung als es in der Serie Grimm gezeigt wurde.
Und das funktioniert auch bei amerikanischen Filmen in amerikanischen Städten mitunter.
Fun Fact zu Forrest Gump, der in Savannah auf den Bus wartet. An der Stelle wo die Bank steht läuft der normale Verkehr in die andere Richtung als im Film gezeigt. Als er auf zu Jennys Wohnung rennt läuft er eigentlich in die falsche Richtung, ihre Wohnen wäre eigentlich einige Blocks dahinter. (Behauptete zumindest der Tourguide)

Da hätte bei mir aber der Fürst ernsthaft was dagegen. Blankwaffen sind auch in Berlin verboten. Cool anziehen könnte sich der Charakter, das Schwert müsste er aber zu Hause lassen. Oder zumindest im Kofferraum. Und das würde ich in New York nicht anders handhaben als in Berlin. Ich weiß zwar nicht, ob das Tragen von Schwertern in der Öffentlichkeit in USA legal ist (vorstellen könnte ich es mir), aber selbst wenn, ist das ne zu große Maskeradegefährdung.

Es mag daran liegen das daran ich die Nacht durchgemacht habe.
Aber in wie weit genau gefährden Blankwaffen nun die Maskerade? Worunter ja auch so Sachen wie normale Messer, Butterflys etc. fallen?

Das ist eine legitime Haltung.
Da braucht es doch die anderen, auf mich etwas vorgeschoben wirkenden, Argumente eigentlich nicht mehr.
Ich finde es schon etwas eingeschränkt die Argumente die nicht passen einfach zu ignorieren und zu behaupten es sei nur das eine Argument.
Zumal das eine Argument nun nicht hinhaut wenn man seine Stadt mag.
Was Leuven angeht so mag ich die Stadt, die Gebäude, Infrastruktur, Kumpels, die regelmäßigen Events etc. Negativ Punkte fallen mir nicht so wirklich ein. Die belgische Politik ist ja nicht nur da und die Sprache ist eigentlich auch kein negativ Punkt. Dennoch wollte ich nun auch nicht unbedingt mit einer Gruppe Leuvenaars ein Rollenspiel spielen das Leuven als Setting hat.
 
Ich möchte noch einwerfen, weil der "New York schafft für mich schneller Plausibilität als Huxtebude"-Vergleich ursprünglich von mir kam:

Das hat nichts mit explodierenden Autos zu tun. Das Beispiel waren ja die Nosferatu in der New Yorker U-Bahn. Die ist international bekannt, riesig und hat so einige dunkle Ecken und stillgelegte, kaum beachtete Schächte. Da bietet sich sowas einfach an, immer hin laufen da wie gesagt schon ein paar Millionen Ratten rum.

Das gilt aber natürlich in weiterer Basis auch für München, Berlin oder von mir aus Frankfurt. Und auch im Mittelalter kann ich damit klarkommen, wenn im Buch steht, dass unter Paris ein riesiger Bau ist, hat ja auch einen dramaturgischen Effekt zur dekadenten Schicht der Hohen darüber.

In einer kleineren Großstadt wirds da schon schwieriger. Ich kann das auch akzeptieren, immer hin gehts ja zum Teil darum, die eigene suspension of disbelief anzupassen und zu dehnen, aber wie Ioelet schon richtig sagt, müssen location und setting einfach zusammenpassen. Kleinstadtpolitik und mini-turf-wars um Marktplätze oder Landhöfe kann man auch in der (kleineren) Heimatstadt umsetzen, kommt man aus einer Großstadt hat man eh mehr Möglichkeiten.

Mit der Heimwahl hab' ich darüber hinaus aber wie gesagt auch noch andere Probleme: ich kenne die Stadt schon. Ich bin zu sehr Eskapist, um daraus großen Nutzen zu ziehen, dass ich locations kenne und / oder bereits ein "Gefühl" für die Umgebung habe. Das ist schon im Theater eines meiner Probleme, weil viele Dramaturgen und auch Intentanden es unglaublich nahe liegend finden, in die Stücke und ihre Inszenierung einen nach dem anderen offensichtlichen Aktualitätsbezug reinzuhämmern, weil sie davon ausgehen, dass das wichtig und gut ist. Ist es für mich nicht. Ich interessiere mich für allgemeine, anthropologische und zeit- und epochenübergreifende Stoffe, die dargestellt werden. Nicht für die x-te Inszenierung, die die Immigrationsproblematik in Cottbus anhand von Goethe oder Schiller (wir sind ja auch immer so innovativ mit der Wahl unserer Vorlagen..) darstellt.

Lieber sehe ich mir den tragischen Fall eines römischen Senators auf der Bühne an.. oder höre den verzweifelten Gesang des Orpheus, der seine Eurydike endgültig verloren hat und von den Bacchantinnen zerrissen wird. Das ist für viele "zu weit weg", nach dem Motto "was hab ich mit antiken Typen zu tun?", dabei sind das für mich viel greifbarere und elementarere Themen, als die lokale Gesinnungslage der Gesellschaft. Dazu ist es seltener, weil sowieso von Schule bis Uni, von Kunstgallerie bis Indie-Filmvorführung ohnehin mit "aktuellen Themen" nur so umsich geworfen wird, bis mans nicht mehr hören kann.

Deswegen kann ich zum "fantasy"-Vampir in der "fantasy"-Stadt (wobei ich da einen realen Bezug brauche, in Gotham könnte ich kein Vampire leiten oder spielen.. - "fantasy" bezieht sich hier darauf, dass man eine exotische, fremde oder sogar aus einer anderen Epoche stammende Stadt natürlich nie genau spielt, sondern mehr eine Phantasieversion) einen deutlich größeren Bezug herstellen, da kann ich mich reindenken, da ist das eine Herausforderung, die Motivationen nachzuempfinden. Für mich. Dann noch einen Urlaub in Venedig oder Rom machen, wo die nächste Chronik geplant ist und mein anachronistisches Herz schlägt höher. Eine Runde im antiken Rom haben wir im Hotelzimmer in Rom gespielt. Unmittelbar in der Nähe der Ruinen des Forum Romanum... das war mit das Genialste bisher.

Wie gesagt, bei mir ist es der Eskapismus. Ich lauf in der Theorie jeden Tag durch meine Stadt, kenne alles, wünsche mich ohnehin oft schon weg in den Urlaub, in andere Länder um Neues zu erleben. Da brauch ich gerade im Rollenspiel keine "Dinge die mir vertraut sind". Deswegen gelten die Vorteile für mich nicht.

Edit:
Möchte nur noch kurz darauf eingehen:

Mit anderen Worten: Das explorative fällt nur dann weg, wenn man Scheuklappen aufsetzt.

Das finde ich, so allgemein formuliert, zu radikal. Es stimmt zwar, dass ich auch nach x-Jahren einen Ort möglicherweise noch nicht zu 100% kennen kann und ich stimme dir auch zu, dass es sicher interessant ist, gerade bewusst - weil man darin spielt - durch die Gegend zu laufen und diese quasi aus dramaturgischer Sicht zu analysieren, aber bei mir hört schon der Drang zur Exploration, die Lust dazu auf, wenn mir die Umgebung allzu bekannt ist.

Vor allem, wenn ich dann tatsächlich mehr von der Welt um mich herum, von meiner Stadt und ihrem "feeling", von ihren Schattenseiten und den Dingen, die ich möglicherweise verpasst habe, erfahren will, mache ich das nicht im Rollenspiel. Da packe ich lieber meine Freundin, ein paar Freunde und gute Laune ein und zieh los, erkunde die Stadt, schau mir Dinge an, die ich noch nicht kenne, gehe in Clubs, an die ich noch keine Gedanken verschwendet habe oder, oder, oder. Das Rollenspiel kann natürlich entsprechendes liefern, aber ich habe nach meiner Auffassung nicht automatisch Scheuklappen auf, nur weil ich diesen Reiz und Nervenkitzel lieber an mir fremden (oder "fremderen") Orten suche.

Vielleicht sollte "man" es mal gemacht haben. Vielleicht ist es generell eine gute Sache, zumindest einmal in der (Wahl-)Heimatstadt zu spielen, womöglich bekommt man ein besseres Gefühl für die Umgebung und es lohnt sich, allein diese Erfahrung zu machen. Das mag durchaus sein. Für mich ist das von der Priorität allerdings eher hinten angesiedelt. Genauso gut könnte ich hundert Scheuklappen-Argumente und Vorwürfe gegen Menschen anführen, die sich weigern, historische Settings und Epochen zu erkunden, weil "das ja nichts mit ihnen zu tun hat". Letztlich ist es einfach eine Geschmacksfrage.
 
Ich denke, das Problem liegt nicht unbedingt in der Heimatstadt.
Die Heimatstadt funktioniert so lange, wie der Spielleiter sie auch Heimatstadt sein lässt.

Ich kann damit leben, wenn übernatürliche oder besondere Dinge eingebaut werden - Das kann manchmal sogar als Stilmittel verwendet werden, um den Leuten dei Andersartigkeit der Welt zu zeigen (Hatte da mal ne sehr schöne Changelingrunde). Aber solange man als Spielleiter auf die mundanen, jeden Tag überprüfbaren Eigenheiten der Stadt zurückgreift, sollten die auch stimmen und nicht spontan der "Spielleiterwillkür" angepasst werden. (z.B. Polizeireviere versetzen, weil man Spieler von irgendwas abhalten will, etc.)
 
Teylen schrieb:
Imho sollte man das Setting den Spielstil anpassen, nicht umgekehrt.
Das heißt ich habe recht wenig Lust mir von meiner Heimatstadt meinen Spielstil diktieren zu lassen,
Genau DAS war doch mein Ansatzpunkt.
Wenn man das SO macht und man einen Spielstil will, der nicht nach Leuven passt, dann sollte man nicht in Leuven spielen.

Aber man KANN eben - wenn man das will - auch ERST die Stadt wählen und DANN entscheiden, was man dort spielen will. Und ich behaupte, dass man dann zu jedem noch so kleinen Kaff eine Geschichte und einen Stil findet, der interessant zu bespielen ist.

Ich sag nicht, dass man das mach muss. Ich sag nicht dass man doof ist, wenn man das nicht macht. Ich sag nicht, dass das "die bessere WoD" sei.

Ich sag nur, dass das eine Methode ist um mal einen neuen interessanten Stil auszuprobieren und das die eigene Heimatstadt im besonderen noch einmal eine andere besondere Herangehensweise erfordert und es im Endergebnis bereichernd sein kann.

Wenn man es will. Wenn nicht, natürlich nicht. Ich zwing ja auch niemanden dazu.

Hab ich auch schon geschrieben:
Ioelet schrieb:
Sehr schön, gefällt mir. Das ist genau die Kerbe in die ich auch schlagen wollte:
Statt immer wieder (die Verallgemeinerung bezieht sich auf eine Herangehensweise, die ich auch als Einsteiger hatte) die selbe WoD, das selbe Shadowrun oder das selbe Wasauchimmer zu leiten und jedesmal wieder zu fragen
"Na wollen wir die gotischen Wolkenkratzer lieber in einem fiktiven Darkstyle-New-York oder in Düsseldorf?"
nur um dann natürlich wieder die selbe Antwort zu finden, weil man mal festgestellt hatte, dass das mit Düsseldorf albern wirkte, kann man eben auch mal den umgekehrten Weg gehen und fragen
"Na wie muss denn ne WoD-Düsseldorf aussehn, damit wir sie cool finden?"

Und dann entsteht etwas neues. Etwas ungewohntes. Etwas originelles.
Ich mag kein "das geht nicht" im Rollenspiel.
Das ist UNSERE Welt. Da geht alles, was uns gefällt.

Anmerkung am Rande:
Deine Heimatstadt "diktiert" dir garnichts. Du MUSST garnichts im Rollenspiel. Auch deine Mitspieler, die dir dabei helfen ein Charakterkonzept zu spielen, dass DU ausgewählt hast, mit dem DU aber jetzt überfordert bist "bevormunden" und "entmündigen" dich nicht - sie sind einfach hilfsbereit und nett und greifen dir unter die Arme, wenn du das willst.
Für mich erweckt das den Eindruck, dass du mit einer sehr passiv-aggressiven Grundhaltung in eine Rollenspielrunde einsteigst. Und dieser Eindruck deckt sich mit meinem Eindruck deines Diskussionsstils.
Keiner will dir hir was Böses - ganz im Gegenteil:
Ich nehme mir die Zeit, dir eine mögliche Variante des Rollenspiels zu erklären, so dass du einen stimmigen Gesamteindruck hast, obwohl ich damit rechnen muss, dass du, selbst wenn du es dann verstanden hast, möglicherweise einfach trotzdem keine Lust darauf hast.
Und in deiner Runde sitzen einfach nur nette Leute, die gemeinsam spielen wollen.

Und vielleicht bekommt ihr es eben auch gemeinsam hin Spaß damit zu haben, wenn JEDER ein Konzept spielt, von dem er eigentlich kaum eine Ahnung hat und ihr in einem Umfeld und Setting spielt, das völlig behämmert klingt.
Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Ich hab in meiner Runde nette lustige Leute - mit denen würde ich das zumindest ausprobieren...
 
Genau DAS war doch mein Ansatzpunkt.
Wenn man das SO macht und man einen Spielstil will, der nicht nach Leuven passt, dann sollte man nicht in Leuven spielen.
Wobei du in dem Selbstzitat wieder die Gegenthese aufstellst.
Das heißt du behauptest das gotische Wolkenkratzer in Düsseldorf nicht plausibel wären. Nun und anstelle dann zu sagen das man sich eine Stadt suchen soll wo es plausibel wäre, heißt es dann das man sich doch überlegen soll was in der Heimatstadt, in diesem Fall Düsseldorf alternativ plausibel beziehungsweise spannend wäre.
Das heißt die Stadt wird dazu genutzt um den Spielstil beziehungsweise das Setting abzuleiten beziehungsweise zu diktieren.
Was in dem Fall, vorausgesetzt man spielt Vampire, in einem leichten Widerspruch zum GRW steht, wo behauptet wird das sich die World of Darkness mitunter dadurch auszeichnet das es halt mehr Gothicbauten gibt.

Ich sag nicht, dass man das mach muss. Ich sag nicht dass man doof ist, wenn man das nicht macht. Ich sag nicht, dass das "die bessere WoD" sei.
Damit hat doch auch keiner ein Problem.
Wobei ich durchaus den Eindruck habe das der Gegenseite, die von der Idee nicht begeistert ist, unterstellt wird das sie "doof" sind.
Das heißt die Argumente / Meinungen nicht valide, werden ignoriert oder als vorgeschoben abgetan.
Nun oder das man dann persönlich wird und jemanden der eine andere Meinung hat eine passiv-aggressiven Haltung unterstellt. (Gab's da nicht eine Diskussion so etwas sein zu lassen?)
Anstelle einfach zu akzeptieren das es für beide Vorlieben hinreichend legitime Gründe gibt.

Immerhin versuche ich doch auch nur zu erklären wieso eine mögliche Variante des Rollenspiels verschiedene Spieler unter Umständen nicht anspricht.
 
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