Gewalt im Rollenspiel

@ Jace Beleren:
Es wäre schön, wenn du wenigstens versuchen könntest nicht ins OT abzudriften. Du kommst bisher auf 3 Posts und schaffst es mit jedem einzelnen dem Thema aus dem Weg zu gehen.
In SR gibt es jede Form von Magie die es in der Realität gibt (z.B. Voodoo), selbst wenn es keine klassische Fantasynekromantie gibt und auch das ist hier nicht Thema.
 
Wie definierst Du in deiner Arbeit eigentlich "Klassiche Fantasy`?"
Machst du da einen Unterschied zwischen EDO (Elf Dwarf Ork) und Sword&Sorcery /Low Fantasy/ "Barbaren" Genre?
Nicht das du da in deiner Arbeit angemahnt wirst nicht auf die Vorlagen des Rollenspiels das in der Form ja erst in den Frühen 80gern Aufgekommen ist. So ist für "Robert E. Howard" Conen "Gewalt" was ganz anders als für Tolkins Frodo. Auch wenn Mittelerde zuweilen ja auch ein recht Gewalttätiger Ort ist, aber da ist es Krieg der über eigentlich recht friedliche Völker herein bricht während es in Hyboria durchaus an der Tagesordnung sein kann dem jenigen er einen krumm kommt erst mal zu zeigen wer der Boss ist.
Mal abgesehen von einem Volltrunken Zwerk kann ich mir In Mittelerde selbst bei einem Rohanen oder Gondorianer nicht vorstellen das er wirklich stolz damit prallt das er mal so nebenbei jemanden aufgehauen hat, obwohl beides Kriegrnationen sind.
So zeichnet J. R. R. Tolkien ja durchaus die Seelischen Schäden die der Ringkrieg bei seinen Helden hinterlässt (Frodo erhollt sich ja nie mehr wirklich von dem was er gesehen hat, wahrscheinlich wie Tolkien selbst nach seinen Kriegserlebnissen.
 
@Sperrfeuer: Es wäre schön, wenn du versucht hättest, mir meine Postingautonomie zu lassen, vielleicht wäre ich dann auch stärker auf dein Thema eingegangen. So hingegen sehe ich da keine Chance mir, denn ich lasse mir nicht von so Möchtegernhilfsmods wie dir ungefragt und öffentlich auf die Zehen steigen.
 
Hallo Sperrfeuer,

ich bin leider gerade unter Zeitdruck und möchte nur einen Gedanken einwerfen.

Ich denke bei Gewalt ist die Unterscheidung zwischen Gewalt und Grausamkeit wichtig. An sich ist Gewalt wertfrei. Gerade im Fantasysetting wird Gewalt als Mittel des Guten verwendet, ähnlich in der Art wie Polizei in einem Rechtssystem. Die Charaktere sind Helden, die für Recht und Ordnung sorgen, die die Armen beschützen und böse Drachen bekämpfen. So wird Gewalt in den meisten PnP DSA Abenteuer relativiert. Es ist in Ordnung böse Menschen/Tiere/Drachen zu töten. Gerade bei den größeren Linien spielen die Charaktere die moralisch Guten oder retten zumindest die Welt. Und würde deswegen Gewalt, gerade in den Mainstream Sachen, nicht überbewerten.
 
@ Madpoet:
Ich definiere "Klassische Fantasy" als ein Genre in dem es Magie, jede Menge verschiedene Rassen und mittelalterlichen oder mittelalterähnlichen Technikstand gibt. Darunter fällt alls von Conan über HdR und DSA bis WoW. Es geht mir nicht darum ein Genre klar und abzugrenzen, sondern nur darum grob vergleichbare Szenerien in verschiedenen Spielmedien vorzufinden. Selbstverständlich gibt es zwischen verschiedenen Systemen und deren Wertesystemen auch erwähnenswerte Unterschiede und ich werde sie auch in meiner Arbeit erwähnen, wenn ich es für wichtig halten werde. Hier möchte ich allerdings erst einmal im großen Rahmen Informationen sammeln.

@ viviness
Es liegt mir fern Gewalt in Fanntasyrollenspielen zu verdammen oder irgendwie zu werten. Ich will ja keine zweite Killerspieldebatte lostreten. ^^
 
Das finde ich gut. Gerade auf der wissenschaftliche Seite brauchen wir mehr Papers, die Gewalt nicht per se ablehnt und das dann auch als Ergebnis der Arbeit vertritt. Leider ist dies doch eine relavante Fragestellung in der Gesellschaft. Wünsche dir viel Erfolg dabei.
 
@ Viviness:
Es liegt mir auch fern irgendwas gut zu heißen oder zu befürworten. Besonders Ethnologie sollte nicht werten, sondern nur das darstellen und erklären was da ist. So, das war vorerst genug Wissenschaftsutopie. ^^

Aber da du dich für Gewalt im Sinne einer guten Sache aussprichst möchte ich dich Fragen, warum denn deiner Meinung nach hier der Zweck das Mittel heiligt. Nagut man rettet gelegentlich die Welt, dagegen kann man nichts sagen, aber man tötet auch ab und an eine Horde Goblins, die wahrscheinlich auch nur überleben wollen.
 
@ Viviness:
Es liegt mir auch fern irgendwas gut zu heißen oder zu befürworten. Besonders Ethnologie sollte nicht werten, sondern nur das darstellen und erklären was da ist. So, das war vorerst genug Wissenschaftsutopie. ^^

Aber da du dich für Gewalt im Sinne einer guten Sache aussprichst möchte ich dich Fragen, warum denn deiner Meinung nach hier der Zweck das Mittel heiligt. Nagut man rettet gelegentlich die Welt, dagegen kann man nichts sagen, aber man tötet auch ab und an eine Horde Goblins, die wahrscheinlich auch nur überleben wollen.

Sie sind die Guten, das ist eine so wunderbare und universale legitmimation mit der man nahezu jede Greultat zum wohle der EIGENEN (und damit absolut richtigen) Werte vollrichten darf.
Vom Paladin, über den Hexenjäger, den Jungfrauenretter oder die United States of America.

Das klingt jedenfalls immer besser als:
Eigendlich will ich mich ja nur Profilieren um damit meinen Verbündeten meinen Wert zu beweisen und potentielle Gegner abzuschrecken und dabei noch satte Beute einstreichen, sei es ein Geplünderter Dungeon oder eine Ölquelle.
Der Unterschid zwischen Held und Schurke ist am ende nur die allgemeine Anerkennung seiner Moralischen Grundsätze oder zumindest der Gründe die er vorschiebt.
(In Selten Fällen kann es auch durchaus vorkommen das ein Aggressor wirklich jede gewaltfreie Konflicktlösung ausschlägt,,, aber diesen Fall voraus zu setzen ist in der Tat sehr viel einfacher als Alternativen zu suchen... und hin und wieder sind die Gegner zwar nicht bewaffnet, leisten aber dennoch Widerstand... )

Dazu kommt noch die kurzfristige Emotionale befriedigung jemanden mal so richtig Aufgeklatscht zu haben.
 
@ Viviness:
Aber da du dich für Gewalt im Sinne einer guten Sache aussprichst möchte ich dich Fragen, warum denn deiner Meinung nach hier der Zweck das Mittel heiligt. Nagut man rettet gelegentlich die Welt, dagegen kann man nichts sagen, aber man tötet auch ab und an eine Horde Goblins, die wahrscheinlich auch nur überleben wollen.

Weil Gewalt manchmal nötig ist. Ein Staat braucht eine Polizei, der die staatliche Gewalt vertritt. Ein Staat braucht Gefängnisse, in der mit Gewalt Verbrecher festgehalten werden. Wenn im Volk gewisse Menschen mit Gewalt arbeiten, bleibt dem Staat nichts anderes übrig als mit Gewalt diese daran zu hindern weitere Verbrechen zu begehen.

Was die Goblins angeht, ist immer die Frage nach der Darstellung von seitens SL im PnP. Gerade solche Minorgegner werden mehr für Aktion aufgestellt und nicht unbedingt als Wesen mit eigenem Bewusstsein interpretiert. Es verhält sich hier ähnlich wie die Gegner, die James Bond in jedem Film niederschießt. Der Zuschauer hat hier wenig Probleme damit, weil jeder dieser Gegner nur kurz auftaucht und niedergeschossen wird. Er wird nicht wahrgenommen, dass es sich um einen vollwertigen Person handelt, der einen Job hat, um die Familie zu ernähren - und er ist es auch nicht, weil er sich nicht demnach verhält und deswegen erzeugt es auch keine Immersion in der Richtung. Deswegen ist es eine Frage der Genre und des Fokus. Die Meisten SLs spielen die Goblins nicht so, als hätten sie ein Bewusstsein. Sie gehen nicht auf die Knie und betteln die SCs an sie leben zu lassen. Der große Goblin hält nicht seinen Körper schützend vor dem kleinen Goblin. Man sieht nicht die Angst in ihrem Gesicht im Angesicht dieser übermächtigen Horde von Helden mit Drachenhautpanzer und Blutschwert. Und gerade deswegen schreitet auch nicht der Mechanismus ein, der einen normalmenschlichen Geist zögern lässt.

Im Computerspiel ist die Gewalt sowieso etwas anderes. Gerade wenn nur noch Gewalt dazu führt, dass man im Spiel weiterkommt, dann ist Gewalt in der Spielrealität keine "Gewalt" in dem Sinne unserer Welt mehr. Es wird nicht hinterfragt, warum der Charakter Monster tötet. Denn ohne Monstertöten kommt man im Spiel nicht weiter. Gewalt wird degradiert zum Klicken mit der Maus und Verteilen der EPs auf Attribute und Sachen einkaufen. Ein ähnlicher Effekt, der beim Schach eintritt. Die Figuren wenden ununterbrochen Gewalt an, aber es ist für uns Spieler als Außenstehende keine Gewalt, sondern nur ein Spielmechanismus.
 
@ Viviness:
Es liegt mir auch fern irgendwas gut zu heißen oder zu befürworten. Besonders Ethnologie sollte nicht werten, sondern nur das darstellen und erklären was da ist. So, das war vorerst genug Wissenschaftsutopie. ^^

Müsst ihr keine Ergebnisse auswerten? Im letzten Abschnitt alles nochmal zusammenfassen und auf die Fragestellung antworten?
 
Er meinte WERTE, Vivien, moralische WERTURTEILE, nicht BEWERTUNGEN.

Wissenschaft sollte nicht normativ sein, nicht moralische Bewertungen und "Sollen-Sätze" aufstellen, sondern erklären und beschreiben.

Ist dir das verständlicher, oder möchtest du es noch ausführlicher erklärt bekommen?
 
Müsst ihr keine Ergebnisse auswerten? Im letzten Abschnitt alles nochmal zusammenfassen und auf die Fragestellung antworten?

Ich sagte ja: Fakten sammeln, ordnen und erklären, aber nicht werten. Es ist ja kein wissenschaftlicher Gewinn, wenn ich meine Informanten als schlechte Menschen darstellen würde (, sondern nur charakterlos). Das was meine Arbeit und ethnologische Arbeit allgemein bewirken soll ist ja, dass außenstehende Einblick erhalten können sollten. Natürlich muss ich meine anfängliche Frage beantworten, aber wenn diese lautet "Wie unterscheidet sich Gewalt im Fantasygenre in verschiedenen Rollenspielmedien ?" dann läuft das ganze darauf hinaus, dass ich gesammelte Fakten sinnvoll darlegen und in ein bestehendes Theoriengerüst einsortiere.
 
Ich gehe bei einem Wissenschafter eigentlich davon aus, dass die eigene Wertung des Themas mit der eigenen wissenschaftliche Auswertung übereinstimmt.

Gerade bei Auswertungen kommt man irgendwo auf ein Ergebnis. Im Sinne von wo diese Dinge einzuordnen sind, die behandelt worden sind. Das ist aus meiner Sicht schon die Wertung.

Aber bevor wir uns vielleicht falsch verstehen. Hast du irgendwie irgendwo bei mir herausgelesen, ich würde behaupten, du solltest "Das finde ich gut bzw. schlecht." hinschreiben? Ich hatte das Gefühl.

Eigentlich wollte ich nur mein Wohlwollen darüber ausdrücken, dass es eine neutrale, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem in der Gesellschaft verschrienes Thema, wie "Gewalt in PC Spielen", geben soll.

@Jace
Danke. Ist nicht mehr nötig. Ich habe es verstanden.
 
Wirklich herausgelesen habe ich es nicht, aber eine Klarstellung schadet dennoch nicht. Falls du es als Unterstellung (z.B. von Unverständnis) verstanden haben solltest entschuldige ich mich, denn das war nicht der Fall. Ich versuche nur die Transparenz zu gewähren die ich zulassen kann ohne euch zu beeinflussen.

Ich bin echt erfreut über die rege Beteiligung.

Ist eurer Meinung nach die Gewaltbereitschaft im mittelalterlichen Fantasy-Genre anders als in anderen Genres, z.B. SciFi oder einer alternativen Realität wie CoC oder WoD ?
 
Ich denke so pauschal ist das schwer zu sagen. Das kommt stark auf die alternative Realität an (wenn es darum geht das in der alternativen Realität böse Nazis an der Macht sind und es ein Kriegspiel ist, dann wohl eher mehr gewalt usw).
Wenn man aber mal die Settingspezifischen Sachen außer acht lässt und wirklich NUR das Genre an sich betrachtet, dann würde ich sagen dass in Fantasy am meisten persönliche Gewalt vor kommt und in Sci-Fi die meiste unpersönliche (im Sinne von wir haben gerade 1000000 Humanoide getötet aber eben nur durch einen Knopfdruck). Allgemein denke ich jedoch, dass die Gewalt bereitschaft in Genres recht direkt von der Entfremdung abhängt. Desto weiter das Genre von der uns bekannteren Welt entfernt desto leichter fällt es Gewalt zu verharmlosen und als Teil der Welt zu sehen ohne es zu hinterfragen.
 
Wirklich herausgelesen habe ich es nicht, aber eine Klarstellung schadet dennoch nicht. Falls du es als Unterstellung (z.B. von Unverständnis) verstanden haben solltest entschuldige ich mich, denn das war nicht der Fall. Ich versuche nur die Transparenz zu gewähren die ich zulassen kann ohne euch zu beeinflussen.


Nein, eigentlich garnicht. War nur selbst kurz verwirrt. Eines muss man Jace lassen, auch wenn sein Ton immer recht interessant ist, er schreibt ab und zu doch gute Sachen.

Ist eurer Meinung nach die Gewaltbereitschaft im mittelalterlichen Fantasy-Genre anders als in anderen Genres, z.B. SciFi oder einer alternativen Realität wie CoC oder WoD ?
Ich schreibe später nochmal dazu. Bin gerade auf dem Sprung. Frohes Diskutieren!
 
Im Computerspiel ist die Gewalt sowieso etwas anderes. Gerade wenn nur noch Gewalt dazu führt, dass man im Spiel weiterkommt, dann ist Gewalt in der Spielrealität keine "Gewalt" in dem Sinne unserer Welt mehr. Es wird nicht hinterfragt, warum der Charakter Monster tötet. Denn ohne Monstertöten kommt man im Spiel nicht weiter. Gewalt wird degradiert zum Klicken mit der Maus und Verteilen der EPs auf Attribute und Sachen einkaufen. Ein ähnlicher Effekt, der beim Schach eintritt. Die Figuren wenden ununterbrochen Gewalt an, aber es ist für uns Spieler als Außenstehende keine Gewalt, sondern nur ein Spielmechanismus.
Ich denke wir haben hier nen Effekt der sich auch recht gut ins P&P übertragen lässt:

Spielt man ne Runde Dungeoncrawl wird wohl kaum jemand auf die Idee kommen zu sagen "Uih, das war jetzt aber ziemlich brutal.", bloß weil man einem Ork die Nase gebrochen hat. Umgekehrt wird die Schulhofschlägerei in einer "realistischeren" Runde wohl wesentlich brutaler aufgenommen, in der dem Jungen, der schon weinend am Boden liegt mit einem Tritt ins Gesicht die Nase gebrochen wird.

Ein und die selbe Gewaltdarstellung wird je nach Kontext unterschiedlich aufgenommen.

Ein Teil ist sicher die Frage "die Guten/die Bösen", wobei ich glaube, dass die Rolle des Opfers hier wesentlich wichtiger ist als die des Täters - wenn sich zwei Orks gegenseitig tothauen, schmunzelt der durchschnittliche Abenteurer, während er dies beobachtet.

Ein weiterer Punkt, der mMn noch wesentlich wichtiger ist, ist die Rolle von Gewalt in der jeweiligen Spielwelt.

Wie Vivienss' sagte:
Beim Schach geht es auch um Gewalt.
Um absolut nichts anderes sogar. Die Figuren existieren einzig und allein um Krieg zu führen. Und ob sie dabei selbst überleben ist vollkommen wurst - gewonnen hat man, wenn der König übrig bleibt.
Wie verwerflich ist/wirkt in einem solchen Kontext ein Bauernopfer?

Das durchschnittliche Dungeonmonster hat einen einzigen Sinn in seinem Leben:
Es sitzt rum un wartet darauf von einem Abenteurer getötet zu werden.
Den Gegner töten, überleben...? Sind wir mal ehrlich:
Dass sind eigentlich nicht die Optionen, die ein Dungeoncrawl-SL seinem Monster in realistischem Ausmaß geben möchte.

Leidet das Monster unter dieser Rolle?
Nö - es ist richtig fies und böse und total scharf darauf gegen die Helden zu kämpfen.

Die Realitäten von Spielen sind meist so zurecht gebogen, dass es einfach vollkommen normal ist, den Gegner zu schlagen oder zu töten - der Gegner wird über diese Funktion überhaupt erst als Gegner definiert.

Beim Boxkampf sagt man ja schließlich auch nicht "Boah der Klitschko ist aber ein fieser Kerl - der hat den anderen Typen einfach so zusammen geschlagen, obwohl der ihm nichts getan hat."

Wenn der Gegner den Ring betritt, dann erklärt er sich dazu bereit zu kämpfen und möglicherweise zu verlieren.

Wenn ein Gegner eine Spielwelt betritt, gilt für ihn das selbe.

Somit würde ich bei der Arbeit unterscheiden zwischen als solche definierten Gegnern, die wie eine sportliche Herausforderung bezwungen werden und bewusster, aktiver Gewalt der SCs gegen NSCs.

Beispiel:
Jedem ist klar, dass Orks furchtbar böse sind und ein Ork der
  • im Dungeon sitzt
  • aus dem Gebüsch springt
  • durch den Wald läuft
unbedingt getötet werden muss. Warum auch immer.... ist so ne Rollenspielregel ;).

Wenn die SCs den selben Ork allerdings morgens beim Bäcker treffen würden, würden sie ihm mit der selben Selbstverständlichkeit nichts tun.
Warum?
Weil "der Ork beim Bäcker" kein Gegner ist... ist noch so ne Rollenspielregel...
Würden sie den selben Ork nun hier angreifen, würde die Gewalt schlagartig anders wirken - selbst wenn es tatsächlich ein bekannter Ork mit finsterer Vorgeschichte ist, würde das Genre einen kleinen Hüpfer von reinem Fantasy-Abenteuer-Action zu Fantasy-Abenteuer-Action-Thriller machen, wenn Gegner auf einmal nicht nur in für sie gekennzeichneten Bereichen rumlaufen würden.
 
Ich behaupte auch mal, dass es durchaus spielleiter- bzw. -rundenabhängig sein kann, wie gewaltvoll letztendlich Kämpfe verlaufen. Es gibt Gruppen, da ist es per se nicht möglich, generische Gegner anders als durch töten zu überwinden. Wohingegen es Gruppen gibt, da überlegt man sich dreimal, ob man die generische Goblinhorde etwas weiter den Weg hinunter einfach so mal angreift. Die meisten bewegen sich (hoffentlich) in einem gesunden Mittelfeld.

Kampf an sich ist in vielen Rollenspielwelten einfach ein Mittel, um die Stärke und Schwäche der Charaktere aufzuzeigen, ohne dass die Spieler das Gefühl haben, dass irgendwie willkürlich in ihren Charakter eingegriffen wird. Das Problem haben nämlich durchaus manche sozialen Situationen. Der generische Kampf lässt kaum Spielraum für große Interpretation der Würfelwürfe, da Kampf in den meisten Regelwerken gut durchorganisiert ist. Ein kritischer Treffer ist ein kritischer Treffer - ob dadurch jetzt ein Gegner geköpft wird, der andere bewusstlos geschlagen wird oder der dritte seine Eingeweide nicht mehr findet ist letztendlich "nur" eine Beschreibung, nach der man einfach weitermachen kann wie zuvor. Wenn in einer sozialen Situation einem Spieler gesagt wird "der hat eine Aura, die ist wirklich königlich", dann gibt es genug Spieler, die das als Beeinflussung ihrer Spielweise sehen.

Gewalt außerhalb der generischen Kampfsituation ist da schon wieder was anderes.
Muss man einen Charakter spielen, der alle Bandbreiten der "nach der Schlacht Gewalt" durchleben will, nur damit es "authentischer" wirkt? Also zusätzlich zum Kampf auch noch morden, brandschatzen, vergewaltigen und allen anderen Schmu?
Muss man in wirklich jeder Kneipe alles drauf anlegen, den armen Bauer von nebenan aufmischen zu können, nur um sich danach wie der große Zampano aufzuführen?
Muss man bei jeder sich bietenden Möglichkeit foltern?
Muss man den Willen von anderen überschreiben um an das zu kommen, was man will, wenn es noch andere Möglichkeiten gibt - nur weil es "spaßig" ist?
Muss man Gegner unbedingt noch töten oder ihnen anderweitig Schmerzen zufügen, wenn sie sich ergeben haben oder die Flucht antreten? (Nachtrag: letzteres ist manchmal durchaus nötig, aber dann ist das mMn noch Teil der Kampfhandlung)

Es kommt halt auch wieder auf Spieler- und Gruppendynamik an, wie sehr Gewalt (außerhalb von Kämpfen) nun an der Tagesordnung und "normal" ist.
 
Hmmm ein interessantes Thema. Auch ein Thema bei dem ich mich nicht besonders wohlfühle... besonders wenn es in einer Studie verarbeitet werden soll. Trotzdem meine Meinung dazu:

Grundsätzlich bedienen sich viele Rollenspiele derselben Gewaltbereitschaft wie alte Filme und Bücher. Kämpfe sind ein Mittel um Spannung zu erzeugen und werden meist recht unrealistisch behandelt. Gegner sind oftmals "gesichtslose" Horden die meist einen sauberen Tod sterben. So wie in alten Westernfilmen, Kriegsfilmen, bei den drei Musketieren oder auch bei Star Wars. Wir ein Gegner getroffen, so ruft er erschrocken "Oh !" und kippt um. Sie sterben sauber und hinterlassen somit keinen schlechten Nachgeschmack bei den Helden. In diesen Rollenspielwelten ist es völlig okay Gewalt zur Problemlösung einzusetzen. Das ist natürlich Gewaltverherrlichung der höchsten Güteklasse. Mir macht's aber trotzdem Spaß. Hier kann man unbezwungen einfach mal "die Sau rauslassen".

In neueren Spielen (und auch Filmen und Büchern) wird die Gewalt oftmals weniger einfach dargestellt. Die Gegner haben ein Gesicht. Die Orks greifen nicht grundlos an, sondern weil sie von einem anderen Stamm vertrieben worden sind und nun ihre Frauen und Kinder nicht mehr ernähren können. Sie sterben auch nicht mehr sauber, sondern kriechen noch unter schmerzen am Boden umher und flehen um Hilfe. Diese Szenarien machen auch Spaß, weil sie den Spielern Konsequenzen aufzeigen und sie fordern (und ermutigen) andere Lösungen als Gewalt zu finden.

Ist das eine besser als das andere ? Nicht für mich. Beide haben ihre Existenzberechtigung. Und ich spiele beides gerne ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Weils ein Spiel ist. In der realen Welt bin ich Kriegs- und Todesstrafengegner (ja, auch für mehrfache Kinderschänder). Im Rollenspiel hingegen sieht das anders aus (abgesehen von der niedrigen Quote pazifistischer Charaktere die ich habe). Das geht. Weils ein Spiel ist.


PS: Interessant finde ich Richtlinien nach denen die Gesellschaft (oder die Prüfstelle) Gewalt beurteilt. Bei der "spaßigen" Variante ist Gewalt völlig okay, ja sie wird geradezu verniedlicht. Narnia ist so ein Extrembeispiel. Die Bösen totzuhauen ist so okay, das man die Waffen dafür vom Weihnachtsmann geschenkt bekommt. Ein schlechtes Gewissen muß da scheinbar niemand haben.

Bei Sin City hingegen möchte man niemals in der Haut eines der Charaktere stecken. Dazu ist alles viel zu Brutal. Schmerzhaft brutal. Der Film wird jedoch von vielen als "Schlimm" angesehen. Warum ? Ich persönlich denke das gerade die "Brutalo" Variante eher abschreckend gegenüber Gewalt wirkt (mehr wie ein Anti-Kriegsfilm) während die verniedlichende Variante diejenige ist die ich für Bedenklich halte. Solange man aber ein klares Bild vom Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit hat kann (und soll man ruhig) beides so genießen wie es gedacht ist: als Unterhaltung. Ob die 6 jährigen Kinder für die Narnia freigegeben ist das aber klar trennen können ist eine andere Frage (die hier allerdings nicht in den Thread gehört).
 
@ Runenstahl:
Es ist eine Hausarbeit, ich werde nichts veröffentlichen und nur auf Nachfrage meinen Helfern ein Exemplar zukommen lassen, du brauchst also kein schlechtes Gefühl dabei zu haben.

@ Ioelet:
Danke, ich finde den Bäckereiorkbeitrag klasse. ^^
 
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