AW: Frank Millers 300
Geradlinigkeit. Ja. Und zwar eine genau bemessene Geradlinigkeit. Und keine quasi-Geradlinigkeit, die entsteht, wenn ich nicht mehr zu erzählen habe, als ich morgens um vier in der Kneipe auf einen Bierdeckel schreiben kann. Siehe Gladiator. Und obwohl Ford amerikanische Geschichte erzählt, tut er es nie unreflectirt - wenn Du The Searchers als Beispiel heranziehst, hast Du eine sehr glaubwürdige Darstellung der typischen Yankee-Borniertheit und ihrer Vorurteile gerade gegenüber anderen Kulturen. Die sich in der Erzählung, gerade mit dem Stilmittel der ständigen Wiederholung und dem Archetypus John Wayne in der Hauptrolle, ironisch und kritisch hinterfragt. Einmal ganz abgesehen von der ausgezeichnet inscenirten Bedienung der Bedürfnisse des Publikums nach Romantik (ich meine keine Candle-Light-Diners, für die man nicht selbst bezahlt hat, sondern das geistesgeschichtliche Phaenomen), insbesondere der Schönheit und Erhabenheit von längst vergangenen Dingen. Ohne aufdringlich zu sein. Egal, ob er das mit Bildern, Sätzen seiner Figuren oder einem leisen Anklingen von Lorena als Soundtrack tut. Ohne seine Geschichte aus den Augen zu verlieren. Das macht einen guten, geradlinigen Geschichtenerzähler aus. Und damit einen guten, geradlinigen Regisseur.