Eine Zeiten-Wende im Rollenspiel?

RSS-SystemMatters

RSS-Roboter
Registriert
17. März 2017
Beiträge
1.123
„Wir haben über drei Stunden Kerker und Drachen gespielt. Dann wurde ich von einem Kobold erschlagen.“
– Homer Simpson

Früher, man erinnert sich gern, gab es noch diese epischen Treffen, bei denen alle am Tisch die Zeit vergaßen und bis tief in die Nacht spielten. Und nun? Mit viel Mühe schafft man es, die Gruppe für wenige Stündchen am knapp bemessenen Feierabend zusammenzubekommen.

Wem das bekannt vorkommt, der muss sich wohl nicht ganz zu Unrecht Nostalgie für die vermeintlich unbeschwerten Jugend vorwerfen lassen. Aber es steckt doch noch mehr dahinter: Rollenspielrunden werden tatsächlich kürzer.

In diversen Beiträgen und Umfragen, die sich auf einschlägigen Internetplattformen finden lassen, dominiert durchaus noch die Con-übliche Rundendauer von drei bis fünf Stunden. An ihre Seite ist aber eine bedeutende Menge von Runden getreten, die standardmäßig nur zwei bis drei Stunden dauern.

Die Ursache dafür liegt nicht (nur?) in steigendem Alter der Spielrunden, gesunkener Aufmerksamkeitsspanne oder Konkurrenz mit Videospielen und Netflix. Schuld ist – mal wieder – Corona! Oder besser gesagt die spätestens seit der Pandemie zum Normalzustand des Hobbies gehörenden Online-Runden.

Nun bieten Online-Runden einige Vorteile; ihre Nachteile sind aber ebenfalls bekannt: Irgendetwas an der Interaktion über Bildschirme und Headsets ist schlicht kraftraubender als das unbeschwerte Durcheinanderreden am Tisch. Nach zwei bis drei Stunden ist die Luft raus und die Konzentration lässt nach. Zumindest im Online-Spiel geht der Trend also zum „RPG-Snack“.

Spannend ist die Frage, wie dieser neue Appetit die Rollenspiel-Landschaft verändern wird. In Zukunft werden wir wohl mehr Spiele sehen, die darauf ausgelegt sind, auch in kürzeren Sitzungen befriedigende Plots zu durchleben. Knackige OSR-Systeme oder auf Missionen heruntergekürzte Spiele wie Blades in the Dark werden dabei nur die Spitze des Eisbergs sein.

Stefan Droste

Der Beitrag Eine Zeiten-Wende im Rollenspiel? erschien zuerst auf .

weiterlesen...
 
Ganz abwegig ist die Theorie nicht. Ob es langfristig mehr Runden werden, ist die Frage.

Eine Online Snackrunde ist jedenfalls keine Alternative zu einer langen RL Spielrunde, da man da ganz andere Sachen machen kann.
Ich sehe das nicht als Alternative zu RL Runden und würde eher nicht spielen als nur Snackrunden online zu spielen.
d.h. ich vermute, entweder wird es einen Rückgang der Runden geben oder einen Austausch der Spielerschaft. Die Frage ist dann wie lange diese neue Spielerschaft, die nur 2-3 Std. spielen kann oder will, langfristig beim Hobby bleiben wird. Vielleicht wird ja online zusammen Kochen als nächstes beliebt.
 
Das hört man ja ziemlich oft, dass sich die Leute online nicht solange konzentrieren können, also wird wohl auch was dran sein. Aus meiner Erfahrung waren aber die Runden, mit meiner Stamm online Gruppe die ersten seit langem, da bei man sich mal "verzockt" hatte und dann bis in die Puppen weiter spielte.
One Shots und Co, sind hingegen wirklich oft kürzere Slots.
 
Es fehlt auch teilweise die Geduld einen Charakter sich langsam entwickeln zu lassen.
Ein neuer Charakter sich erstmal an eine Umstellung zu gewöhnen kann locker mal 30 bis 40 Stunden Spielzeit dauern.
 
Bedenke: Onlinefans (nicht onlyfans ;-D) betreiben da ein striktes und diszipliniertes Leistungsspiel.

Smalltalk vermeiden und offtopic Witze bleiben am Straßenrand liegen. Dann vollkonzentriert 3 std. RPG durchballern. Regelfragen entscheidet der SL Gottkaiser. Danach erschöpft offline gehen (länger spielen "geht ja nicht").

Erst in der Coronazeit und den Online Runden hab ich die Kombination aus Off/Ontopic schätzen gelernt, insbesondere wenn man sich nicht häufig sieht. Das, was ich lange als Problem gesehen habe, war schlussendlich gar keines. Also ich werde Energie nur noch in RL Runden stecken. Alles andere ist für mich 2nd screen RPG.
 
Es fehlt auch teilweise die Geduld einen Charakter sich langsam entwickeln zu lassen.
Ein neuer Charakter sich erstmal an eine Umstellung zu gewöhnen kann locker mal 30 bis 40 Stunden Spielzeit dauern.
Das gilt nachweislich NICHT für die vielen OSR-Rollenspieler, bei denen pro Spielsitzung immer mal wieder eine ganze Reihe SCs verrecken.
Wer da so zimperlich ist, daß er erst einmal 30 bis 40 Stunden "betreutes Einspielen" braucht, für den ist dieses Rollenspiel in der Tradition des originalen, allerersten Rollenspiels nichts. Der kann die Alte Schule (tm) gar nicht ERTRAGEN!
 
Völlig korrekt. Sowas brettspieliges kann man auch nur ertragen, da kann ich kein Interesse aufbringen um mehr als eine Stunde damit zu verbringen.

On topic: Ich kann den ausgemachten Trend nicht bestätigen, in meinen Online-Runden geht es immer mindestens 4 Stunden lang in fortlaufenden Kampagnen. Liegt vielleicht daran, dass ich das vor allem mit Leuten betreibe mit denen ich auch am Tisch gespielt habe, und wir nur im neuen Medium das fortsetzen was wir immer gemacht haben.
 
Ich weiss jetzt nicht was OSR Rollenspiele sind. Aber wenn ich nicht gerade Paranoia spiele, wo es fast schon Ziel ist, viele Klone zu entsorgen. Wüsst ich kein Rollenspiel wo SC Reihenweise verrecken. Im Gegenteil ein SC den man Jahre spielen will, muss halt mit viel Liebe aufgebaut werden.
 
Ich weiss jetzt nicht was OSR Rollenspiele sind.
D&D - altes D&D und alle Rollenspiele, die auf dieses aufsetzen.
Traveller - Classic Traveller und alle Rollenspiele, die auf dieses aufsetzen.
BRP - das Regelsystem hinter Call of Cthulhu, Runequest, etc. und alle Rollenspiele, die auf dieses aufsetzen.
Neuere Rollenspiele wie Dungeon Crawl Classics (wo man anfangs sogar den "Bluttrichter" spielt, in dem die Charaktere noch viel schneller draufgehen als im normalen OSR-Spiel).

Anders ausgedrückt: Der GROSSTEIL des Rollenspielhobbys. - Weitere Informationen gerne in einem Rollenspielforum in Ihrer Nähe.
 
D&D - altes D&D und alle Rollenspiele, die auf dieses aufsetzen.
Traveller - Classic Traveller und alle Rollenspiele, die auf dieses aufsetzen.
BRP - das Regelsystem hinter Call of Cthulhu, Runequest, etc. und alle Rollenspiele, die auf dieses aufsetzen.
Neuere Rollenspiele wie Dungeon Crawl Classics (wo man anfangs sogar den "Bluttrichter" spielt, in dem die Charaktere noch viel schneller draufgehen als im normalen OSR-Spiel).

Anders ausgedrückt: Der GROSSTEIL des Rollenspielhobbys. - Weitere Informationen gerne in einem Rollenspielforum in Ihrer Nähe.
Midgard, Das schwarze Auge, dazu Shadowrun und WOD, das was in Deutschland relevant war und ist ;-)
7 Sea, Contakt, Splittermond alles andere war nie relevant.

Goblin und Twirps gerne auch für Fun Runden. P P % P wenn man den Humor hat
 
Midgard in den alten Editionen kann man als "old school" bezeichnen, da es ja von D&D via EPT abstammt.
DSA, SR, WoD waren NIE alte Schule. Daher wurde man da verzärtelt, gepampert und auf Weinerlichkeit als Spieler erzogen.
 
Old School ist nochmal ein weiterer Oberbegriff. OSR sind strenger ausgelegt ja sogar nur "moderne" AD&D Derivate (fyi: advanced dungeons & dragons) und das mittlerweile in 3. (oder 4.?) Welle.
Die Tödlichkeit dort ist schon sehr speziell und findet sich so afaik nirgendwo sonst.

Ansonsten ja, es gibt bestimmt noch irgendwo ein aktives Forum, wo man das in einem Thread erfragen kann.
 
Die Tödlichkeit dort ist schon sehr speziell und findet sich so afaik nirgendwo sonst.
Naja, früher, also im ersten Jahrzehnt des Rollenspiels, da war diese hohe Tödlichkeit der Normalfall - sogar beim Versuch "heroische" Settings abzubilden hielten die alten Schadensmodelle nicht mit und sorgten für den beabsichtigten heroischen Settings widersprechendes Massensterben der SCs.
Erst mit dem allerersten Conan-Rollenspiel von TSR (später generischer als ZeFRS bekannt) wurden ja erstmals "Luck Points", also Gummipunkte zum Abwenden der ansonsten üblichen unspannenden, unheroischen, nichtssagenden SC-Tode eingeführt.
 
EPT - Empire of the Petal Throne.

Daher kommt z.B. bei Midgard, daß beim Würfeln gesteigerter Ausdauer nicht ein Würfel zusätzlich gewürfelt und addiert wird, sondern daß die neue Anzahl an Würfeln komplett gewürfelt werden. Dieses Muster hat in EPT seinen Ursprung, wird aber auch in einigen neueren OSR-Spielen, gerade denen von Sine Nomine / Kevin Crawford, angewandt.
 
EPT - Empire of the Petal Throne.

Daher kommt z.B. bei Midgard, daß beim Würfeln gesteigerter Ausdauer nicht ein Würfel zusätzlich gewürfelt und addiert wird, sondern daß die neue Anzahl an Würfeln komplett gewürfelt werden. Dieses Muster hat in EPT seinen Ursprung, wird aber auch in einigen neueren OSR-Spielen, gerade denen von Sine Nomine / Kevin Crawford, angewandt.
Eines das an mir vorbei gegangen ist, auch wenn ich viel über Tekumel lobendes gehört habe
 
Definitiv was dran. Müssen wir auf die Rente warten, bis es wieder was wird mit epischen Sitzungen und Kampagnen?
 
Zurück
Oben Unten