AW: D&D = Hack & Slay?
Noname schrieb:
Meine Meinung dazu:
Wenn das Rollenspiel eines Spielers aufgrund des Systems leidet, ist das Problem nicht das System sondern der Spieler!
Das unterstellt jetzt, das jeder Spieler theoretisch gutes Rollenspiel (tm) betreiben will oder betreiben wollen sollte.
Beidem ist nicht so.
D&D ist ein klasse System, und es kann tierisch Spaß machen.
Gleichzeitig wiederum ist es darauf ausgelegt, hauptsächlich zu würfeln und zu metzeln.
Um die "Spaß kontra gutes Rollenspiel (tm)"-Debatte hier mal nicht neu zu beginnen stelle ich diese beiden Aussagen in keinerlei Verhältnis.
Fakt ist aber:
Das D&D-System ist klar darauf ausgelegt, minmaxing zu betreiben und möglichst viel zu fräggen. Das heisst keineswegs, dass es minderwertig wäre, oder dass es keinen Spaß macht, und auch nicht (all ihr D&D-Freaks,
lest diesen Nebensatz!) dass man es nicht anders spielen
kann.
Für mich sieht das ungefähr so aus: Wenn ich das Ziel habe, auf möglichst weite Distanzen möglichst präzise zu treffen, schnappe ich mir einen Kompositbogen und schiesse. Wenn ich ein beschissener Schütze bin, werde ich nicht treffen, aber ich habe die besten Vorraussetzungen.
Trotzdem gibt es Leute, die aus Lust, Tradition oder Überzeugung lieber einen altertümlichen englischen Langbogen verwenden. Auch mit dem kann man treffen, und ein guter Bogenschütze ggf. sogar mehr und öfter als ein Dilettant mit dem Kompositbogen. Ich kann mir das sogar zur Herausforderung erklären und sagen, dass es schöner, weil anspruchsvoller, ist mit einem archaischen Bogen zu treffen. Oder ich schiesse mit dem alten Bogen, weil es mir nicht darum geht zu treffen, sondern Spaß zu haben.
So ähnlich ist es mit D&D. Es erfordert viel Arbeit und guten Willen, sich bei diesem Regelsystem von den H&S-Aspekten zu distanzieren, und die Regeln für alle nicht-kampforientierten Aktionen sind vielleicht weniger schlüssig und / oder präzise als bei manch anderem System. Trotzdem kann ich, wenn ich will und bereit bin, etwas zu investieren, mit diesem System super gutes Rollenspiel (tm) betreiben. Nur läd es eben zum Dungeon-Crawl ein, und wenn ich ein komplexes Regelwerk für andere als Dungeon-Crawl Abenteuer will, kann ich mir auch gleich DSA oder WoD schnappen.
Ich kann auch mit viel Zeit und Mühe die D&D Regeln anpassen und mir zurechtschustern, oder ich übernehme sie und spiele einfach anders, als es das System nahelegt.
Oder ich lass mich drauf ein und spiel einfach mal H&S, vergesse das ganze gute Rollenspiel (tm) und habe wirklich Spaß dabei!
Siedler von Catan macht auch Spaß, auch wenn es nicht annähernd so komplex ist wie Age of Empires 2 am PC. So what?
Vielleicht darf man D&D einfach nicht mit DSA oder WoD vergleichen, sondern muss es als das sehen, was es ist: Ein
Spiel, bei dem das spielen nach Regeln und um der beste zu sein noch stärker betont wird als in anderen Systemen vielleicht die Charakterdarstellung und die "Theater-Elemente".