Skar sinniert gerade in einem anderen Strang über die internationalen Marktchancen eines englischen „DSA“. Dabei führt er „Argstein“ als Negativbeispiel an:
Ich brauche also ein schmales Produkt, dass sich schnell erschließen lässt und der Werbeassoziation "Deutschland" ein wenig nachkommt. Ein wenig (!) Neuschwanstein, ein wenig Schwarzwald: Schwarzpelze, die die Wälder abseits von hochmittelalterlichen Burgen unsicher machen. Entführte Prinzessinen, strahlende Ritter. Möglicherweise Drachen. Medieval Fantasy.
Ein passender Titel für das Produkt: Das schwarze Auge: Im Wirtshaus zum schwarzen Keiler. 🙂
"Trolle, Träumer, tiefe Wälder" wäre vielleicht auch ein geeigneter Titel (geklaut bei Wechselbalg).
"Der Förster vom Silberwald"? 🙂
Oder ist das zu pulpig-abgedroschen und zu wenig wertig (siehe "Argstein")?
„Argstein“ sieht sich in der Tradition von „Hellboy“ und ist damit natürlich eher einfach gestrickt und „pulpig“. Aber „abgedroschen“? Aus Scheu, deutschtümelnd zu wirken, liegt das Themenfeld heimische Sagen seit Jahrzehnten brach und ist popkulturell noch weitgehend unbeackert. „Abgedroschen“ im Sinne von „überstrapaziert“ ist es gewiss nicht, allenfalls wenn man darunter „angestaubt“ versteht. „Argstein“ kramt nun die halbvergessene Thematik aus der Mottenkiste hervor und versucht zu zeigen, dass die Muffigkeit nicht der Motivik selbst anhaftet, sondern von der medialen Vernachlässigung und dem damit verbundenen Mangel an zeitgemäßen Bearbeitungen herrührt. Das Ergebnis liest sich für mich keineswegs angestaubt und abgedroschen, sondern vielmehr frisch und frech.
Selbstverständlich werden die Sagenmotive dem Medium entsprechend
comichaft überzeichnet. Manche Interpretationen sind sehr frei, andere sogar recht nah an der Vorlage, etwa die Sennenpuppe aus „Der letzte Kuss“:
-
http://de.wikipedia.org/wiki/Sennentuntschi
-
http://www.argstein.com/html/argstein_the_last_kiss.html
Ich finde die Reihe daher inhaltlich nicht weniger „wertig“ als vergleichbare Produktionen (etwa die ähnlich gelagerten Hollywood-Filme „Van Helsing“ oder „Brothers Grimm“).
Was die optische „Wertigkeit“ anbelangt, kann „Argstein“ nicht mit aufwendigen Hochglanzillustrationen aufwarten, aber es ist eben eine
Independent-Reihe, die mit überschaubarem Aufwand erstellt werden muss. Die Macher haben sich in einem
Interview mal dazu geäußert, wie schwierig es ist, in Deutschland überhaupt
Comics zu veröffentlichen:
-
http://www.phantastik-news.de/modules.php?name=News&file=article&sid=2837
Ich finde „Argstein“ inhaltlich wie optisch solide gemacht und gerade wegen des Lokalkolorits originell.
Skar hat aber insofern Recht, dass die Reihe stets ein Geheimtipp blieb, obwohl der erste Band in Deutschland sogar beim Ehapa-Verlag erschien.