AW: Warum ich mit RAW und Abenteuerspiel im RPG nichts anfangen kann
Ich kann NUR damit leben dass gewürfelt wird...ich überlege mir nur manchmal ob der Sieg, den die SC davontragen, der Sieg ist, der mir und ihnen am besten passt. Ich bescheisse ja niemanden um seinen Sieg, und die Tatsache, dass der NSC besiegt werden muss, ist auch gegeben. Es wird also gewürfelt, um den Ausgang des UNGEWISSEN Konflikts zu bestimmen (der in allen Varianten enden kann, Sieg, Gefangennahme, teilweise tot, Flucht, Sieg um hohen Preis Gefangennahme der SC...).
Jedesmal der Kopf-des-Bösewicht-auf-Speer-Sieg ist halt nach spätestens einem Jahr langweilig. Und wenn die Spieler meinen, sie zünden den Fiesling posthum noch an und zerstreuen seine Asche in alle Windrichtungen akzeptiere ich das ja auch. Aber wenn sie ihn nur überwältigen/aus dem Weg räumen wollen, unwahrscheinlich gut würfeln und ihn töten lasse ich das erstmal in der Schwebe und schaue, wie sie weitermachen. Nur weil ich den Würfeln nicht ABSOLUTE Geltung einräume heisst nicht, dass die Würfel garnicht zählen. Ich ignoriere das Würfelergebnis nicht, aber ich interpretiere es leicht um.
Du hast soeben geschildert, wie Du Deine Spieler um einen verdienten, finalen Sieg BESCHEISST.
Warum mit dem Weichspüler kommen, wenn Deine Spieler so rocken, daß sie ihre Gegner ausgestopft in die Vitrine packen können? Das saugt mächtig.
Und damit "Ich ignoriere das Würfelergebnis nicht, aber ich interpretiere es leicht um." lügst Du auch noch Dir selbst in die Tasche. - NATÜRLICH IGNORIERST DU DAS ERGEBNIS, wenn Du Deinen Spielern nicht den VOLLEN EFFEKT ihres Erfolges zugestehst!
Deine Wahrnehmung ist hier schon verdammt verzerrt, muß ich sagen.
Wenn Du sagst, daß Du "NUR damit leben kannst, wenn gewürfelt wird" und das Würfelergebnis dann aber, sobald es Dir nicht gefällt, unter den Tisch fällt, dann machst Du das Würfeln zu einem leeren und für den Ausgang des Konflikts BEDEUTUNGSLOSEN Ritual, welches Deinen Spielern nur als Blendwerk vorgaukeln soll, daß sie einen Einfluß auf den Ausgang des Konfliktes hätten, den sie aber NICHT haben, weil Du ihnen nicht ihre Erfolge zugestehen willst, wenn Dir gerade nicht danach ist, daß die Spieler mal herrausragende Siege davontragen.
Dann laß das Würfeln doch lieber gleich weg und ERZÄHLE den Spielern, wie der Konflikt nach Deinem Geschmack eben ausgehen soll. Das ist dann wenigstens ehrlich.
Aber wenn sie ihn nur überwältigen/aus dem Weg räumen wollen, unwahrscheinlich gut würfeln und ihn töten
Wenn sie beim nicht-tödlichen ÜBERWÄLTIGEN unwahrscheinlich GUT würfeln, dann ÜBERWÄLTIGEN SIE DEN GEGNER OHNE EINEN KRATZER!
Nach was für einem bescheuerten Regelsystem muß man denn Spielen, daß man bei einem reinen Überwältigungsversuch den Gegner gleich UMLEGT, wenn man mit dem Überwältigen ERFOLG hat? - Ich kenne solche ungewollten Todesfälle bei eigentlich nur als Festnahme oder ähnlichem gedachten Konflikten eher bei einem Kritischen FEHLSCHLAG. Ein "Upps, das war wohl das Genick." ist KEIN ERFOLG beim ÜBERWÄLTIGEN.
Außerdem gibt es ja - siehe oben - Regelsysteme, die einem NSC (oder SC) es erlauben auch in solchen Fällen dann eben NICHT ABZUTRETEN, sondern halt für ein paar Wochen Intensivmedizin fällig zu sein, es aber eben doch zu überleben.
Selbst bei klassischen Metzel-Rollenspielsystemen bringt man jedenfalls niemanden bei einem "unwahrscheinlich GUTEN" ERFOLG im Überwältigen um!
Du kannst es aber gerne schummeln nennen, stört mich nicht, da wir das alle so in Ordnung finden.
Das nennt man BESCHEISSEN. Und das ist schlecht für alle. Für Dich, weil es Dich - wie man ja schon herauslesen kann - dazu bringt, Dir selbst in die Tasche zu lügen. Und für Deine Spieler, die nur ihre "Nehmerqualitäten" gestärkt bekommen, weil Du ihnen ihre hart erkämpften Erfolge nicht gönnst.
Ihr als Gruppe kennt offensichtlich viel zu wenige unterschiedliche MÖGLICHKEITEN genau die Punkte, die Dir die Goldene Regel als EINZIGEN Ausweg erscheinen lassen, sauber und fair und solide beinhalten.
Und - um auf einen vorherigen Beitrag Bezug zu nehmen - ist für eine BEWUSSTE Entscheidung, daß es mit Deiner Anwendung der Goldenen Regeln in Deinen Runden schon so "in Ordnung" sei, ein gewisser Mindestüberblick über ALTERNATIVEN zur Goldenen Regel notwendig.
Mein Eindruck: Deine Spieler und auch Du selbst KENNEN ES NICHT ANDERS, als daß ein Spielleiter nach Belieben gängeln und Regeln beugen DARF!
Wenn ich jemandem nur einen sehr eingeschränkten Ausschnitt auf etwas so facettenreiches, so variantenreiches wie das Rollenspiel als "DAS ist Rollenspiel. DA ist das nunmal so." präsentiere, und dieser jemand hatte keine Gelegenheit zu sehen und zu erleben, wie es AUCH ANDERS gehen kann, dann KANN er keine bewußte, keine informierte Entscheidung treffen, sondern dann akzeptiert er bestenfalls die IST-Situation als das Gegebene und das Unvermeidliche ("Das ist nun mal beim Rollenspiel so, daß der Spielleiter alles ändern darf, wie er gerade mag.").
Ein Tipp: Schaut Euch mal ein wenig bei anderen Rollenspielen um. - Die HABEN das, was Du als mit Goldener Regel zu lösende "Probleme" aufführst, GLEICH GARNICHT!
Bei uns kommt so durch die goldene Regel Abwechslung ins Spiel, weil der Gegner halt doch mal zusammengeflickt wird, nur seine Kräfte teilweise verliert, gefangengenommen wrden kann etc.
Das sind exakt die NORMALEN Resultate bei Kampfszenen in Savage Worlds. Alles "by the book". Alles geregelt. Keine Hausregeln, und erst recht keine Goldene Regel hier in Sicht.
BTW: Die Lösungen die Zornhau vorgeschlagen hat (Marker auf den Tisch den dann die Spieler verwenden können) ifinde ich sehr interessant, sowas kannte ich bisher noch nicht. Das ist eine Möglichkeit die ich vielleicht einsetzen werde. Dann gehen solche Sachen auch RAW. War mir bisher nicht bewusst.
Sag ich ja.
Schau Dich mal um in der Rollenspiel-Welt. Solche Regeln gibt es in einer Fülle an Regelsystemen. - Das einzige, was einen noch an der Goldenen Regel festhalten läßt, ist der Tellerrand, über den man nie hinausgeschaut hat.
Welche Pille willst Du nehmen? Die, welche Dich weiterhin im Glauben an die Goldene Regel andere Leute UND DICH SELBST bescheißen läßt, oder die, welche Dir die Augen in neue, spannende, interessante und FAIRE Rollenspielwelten öffnet?