Nostalgie Werden Dauer-SLs zu schlechten Spielern?

Zornhau schrieb:
Was mir aber aufgefallen ist: Manche Spieler, die vornehmlich Spielleiter sind, verfallen in massiv PLAYER-EMPOWERMENT aufweisenden Spielen, wo ja die Spieler eben gerade absichtsvoll Spielleiter-Gestaltungsaufgaben übernehmen sollen, zu starkem SPOTLIGHT-AN-SICH-REISSEN. Ein "normal empowerter" Nur-Spieler, der ist es vermutlich nicht so sehr gewohnt immer und überall gestaltende Eingriffe ins Spiel vorzunehmen, wie ein vornehmlich die Spielleiterrolle einnehmender Mitspieler. Und durch das Player Empowerment wird dieser "vornehmlich Spielleiter" eben mit seiner gewohnten "Spielleitermacht" ausgestattet - und da greift er dann gleich in die Vollen!
Das ist mir neulich ganz massiv aufgefallen, als ich mit meinen zwei unerfahreneren Spielern wegen Spontanabsagens der anderen beiden spontan auf FIASCO umgesattelt habe. Und ständig beobachten musste, dass wir drei immer wieder in unsere SL-Spieler-Dynamik abgedriftet sind. Dass also die Spieler, die gerade dran waren, unwillkürlich ihr Erzählrecht an mich abgaben und mich wie einen SL behandelten. Und ich ihnen das Erzählrecht immer richtiggehend aktiv zurückgeben musste.
Spieler: "Ich gehe nach dem Tresor gucken. Ist der offen?"
Ich: "J... Weiß nicht, ist doch deine Szene."

Und ich habe Angst vor dem Tag, an dem einer meiner Spieler endlich den Arsch hochkriegt und Game of Thrones leitet. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir sein Stil zu beschränkend sein wird.
 
Spieler wollen unterhalten werden[...].

Spieler haben hoffentlich ein Interesse daran den Rest der Runde zu unterhalten. Klar, darf sich jeder mal zurücklegen. Aber das als Grundvorraussetzung und Ziel zu bezeichnen, kann nicht Sinn der Übung sein. Das sind dann de facto schlechte Spieler. Das Credo muss sein: Sorge dafür, dass die Anderen am Tisch eine gute Zeit haben. "Ich spiele meinen Charakter", ist kein Ansatz. Es muss heißen: "Ich spiele euch einen Charakter."
 
Da hat 1of3 schon recht, das sind zumindest keine besonders guten Spieler, ein, zwei von der Sorte kann ne Runde ja verkraften, aber in einer Runde nur mit solchen Spielern finde kein Spiel mehr statt. Und viel schlechter kann eine Runde ja schlecht laufen, oder?
 
Spieler sind auch keine Dienstleister. Ausschließlich für den Rest spielen stell' ich mir auch schwierig vor. Die Mischung machts.

Also sowohl "ich spiele meinen Charakter", als auch "ich spiel euch was".
 
Das klingt jetzt für mich wie das ganz normale Rollenspielerleben... Harmloses Alltagsleben ist auch nicht gerade aufregend. Wenn ich den Schurken zur Strecke gebracht habe, dann muss ein neuer her...

Naja, wenn man die Schurken den auch wirklich besiegen könnte, schon. Meist hat man ein paar Minions erwischt und hat den überlebenden Teil der Gruppe irgendwie in Sicherheit gebracht nur um mal wieder einem Pet-NSC vor die Flinte, äh, Lanze, zu laufen, wo man genau wußte, hier ist es besser gleich reisaus zu nehmen als seinen SC auseinander nehmen zu lassen. Alles in allem ok wenn wir Harnmaster gespielt hätten aber irgendwie nicht AD&D heroisch. Falsches System würd ich sagen. Bei WoD hab ich dann abgewunken :)

Keiner erwartet einen Sonntagsspaziergang aber auch nicht gerade so etwas wie The Cube. Irgendwo dazwischen ist passend.
Der Punkt ist es war nicht MEIN Geschmack, zumindest nicht auf Dauer.
 
Spieler sind auch keine Dienstleister. Ausschließlich für den Rest spielen stell' ich mir auch schwierig vor. Die Mischung machts

Stimmt. Man sollte sich schon mit dem identifizieren können, was man veranstaltet. Das ist die Voraussetzung. Ich würde auch SLs unbedingt davon abraten, Dinge zu spielen, hinter denen sie nicht stehen. Aber für eine gute Runde muss ich die Freude der Anderen als Quelle meiner Freude begreifen. Das ist das Ziel.
 
Arlecchino schrieb:
Spieler sind auch keine Dienstleister. Ausschließlich für den Rest spielen stell' ich mir auch schwierig vor. Die Mischung machts.

Also sowohl "ich spiele meinen Charakter", als auch "ich spiel euch was".
Hat ja auch niemand was anderes behauptet. Und wirkliche Passivität, geht auch über "nur den eigenen Charakter spielen" hinaus, es gibt solche Spieler, die sitzen nur da und lauschen und würfeln wenn man es ihnen sagt und sind merklich froh wenn man sie nicht oft anspielt. Die sind auch teilweise sogar aufmerksamer, als so manche Spotlight-Hure und beim erzählen einer alten Anekdote aus der Runde wesentlich aktiver, als an drei Sessions zusammen. Klar, die hab ich in einer funktionierenden Runde gern dabei, vor allem wenn es Freunde sind. Aber ne ganze Runde mit solchen Spielern oder auch nur mehrere in einer Runde?
 
Kommt auf die Sichtweise an.
Wenn der Spielleiter sich als Unterhalter und als Dienstleister sieht kann die ganze Runde aus Spielern in Erwartungshaltung bestehen und das ganze phantastisch laufen.
 
Das kann akzeptabel funktionieren.

Allein, von jenen legendären Runden, von denen man immer hört, heißt es in etwa: "Ich hab als SL eigentlich gar nichts gemacht." Das stimmt natürlich nicht. Die SL hat dann nur nicht mehr die Alleinunterhaltung veranstaltet, sondern der Rest hat seinen Teil beigetragen. Entsprechend auch: "Wir haben auch einfach weiter gespielt als die SL auf Klo war." Das sind die Qualitätskriterien, an denen sich eine Runde messen lassen kann.

Aus diesem Grunde ist es äußerst ungünstig die Rolle der SL im Diskurs hoch aufzuhängen. Genau das verleitet zu der falschen Annahme man müsse in anderer Rolle nichts tun.
 
Ich habe selten gehört das der SL bei grossartigen Runden behauptet nichts gemacht zu haben ^^
Ansonsten würde ich Runden die ohne SL weiterspielen wohl nicht als gut bezeichnen. oO;
 
Spätestens das dürfte uns zu der Erkenntnis führen, dass wir rollenspielerisch auf verschiedenen Planeten leben. War mir aber eigentlich auch schon vorher klar.
 
Kann sein. Ich find's halt nicht gut wenn die vermeintlich legendären Runden ohne einen Mitspieler stattfinden bzw. der dann halt unwichtig ist. shrug
 
Ansonsten würde ich Runden die ohne SL weiterspielen wohl nicht als gut bezeichnen. oO;

Kann sein. Ich find's halt nicht gut wenn die vermeintlich legendären Runden ohne einen Mitspieler stattfinden bzw. der dann halt unwichtig ist. shrug


wieso ohne einen Mitspieler wird ja nicht gespielt. Der SL ist ja kein MITspieler, sondern der Leiter und ich hatte das früher auch als ich SL war. Ich brauch doch nicht immer alles extrem auszuformulieren, den Spielern auch noch jede Option erklären, ihnen alles in den Popo zu Pusten...

Ich liebte es, wie meine Spieler miteinander kommunizierten. Also Dialoge von Char zu Char (da kann ich als SL dann auch mal geistig abwesend sein (oder Toilette)) auch wenn ich natürlich gern dabei bin, weil dafür mach ich SL ja, daß die Spieler sich wohl fühlen und Spaß haben. Diese Aktionen IN der Gruppe, also ohne daß ich als SL noch NSC spielen muss, sind dann mein Teil, bei dem ich mich dann enstpannt zurücklehne und meine Früchte genieße.

Einen SL der mich an der Hand nimmt, alles extrem linear verläuft, ich keine Freiheiten habe, sich die Chars in der Gruppe nicht mal untereinander unterhalten, da kann der SL ja gleich Solo Runden machen, also er entweder SL und Spieler oder halt noch einen Spieler mitrein nehmen oder ne Buchlesung organisieren ^^

Wenn also die Situation wie 1of3 beschrieben hat passiert, also dass die SL fürs kurzfristige weiterspielen, Plotten der Chars, Vorbereiten der nächsten Aktionen oder Small Talk untereinander nicht der Stein der Weisen war und es auch mal kurz ohne geht, dann hat die SL es richtig gemacht.

Wenn aber das ganze Spiel stehen bleibt, weil der Erzähler mal grad nicht da ist, dann läuft was grundlegendes falsch, außer man steht aufs Geschichtenerzählen und zuhören, also das interaktive RPG bei dem man genau das Tut, was einem vorgegeben ist und man nicht wirklich eingreift, sondern nur das abarbeitet, was einem vorgesetzt wird.
 
Der SL ist ja kein MITspieler, sondern der Leiter und ich hatte das früher auch als ich SL war.

Die Prämisse, dass SLs keine Mitspieler sind, halte ich für eine gigantische Fehleinschätzung, die eine Unterscheidung macht, wo keine ist. Eine ganze Menge Probleme zwischen Spielern und SLs können einfach schon dadurch vermieden werden, dass man aus einer Gruppe nicht künstlich zwei Parteien operiert und damit letztlich Ausgrenzung forciert, auf der Missgunst, Misstrauen und Egozentrik überhaupt erst den geeigneten Nährboden finden können.
 
Der SL ist ja kein MITspieler, sondern der Leiter und ich hatte das früher auch als ich SL war.
Ich halte es für wichtig den Spielleiter auch als MITspieler zu sehen.
Er ist kein Spieler aber MITspieler, er spielt da in der Rolle des Spielleiters, Dungeon Master, Game Master, Meister, Erzähler oder wie man es immer nennen mag mit aber er spielt mit den den anderen zusammen ein Spiel.

Das heißt nicht das die Spieler sich nicht auch ihre Charaktere miteinander reden lassen können oder an der Hand geführt werden. Aber das heißt noch nicht das man sich als Spielleiter verdrücken kann nur weil die Spieler miteinander agieren. Man geht ja auch nicht als Spieler auf die Toilette und alle anderen spielen munter weiter.

Gerade als Spielleiter sollte man doch zuhören was die Spieler jetzt machen wenn sie gerade nicht mit NSC reden oder den Spielleiter eigenen Beschreibungen lauschen. Abgesehen von den normalen Interesse am gemeisamen Spiel, der Tätigkeit, auch um von den Ideen der Spieler zu lernen, sie aktiv wahrzunehmen, Sachen aufgreifen zu können oder auch so etwas wie Einwürfe zu machen wenn die Diskussion in's stocken gerät weil man sich in der Char zu Char Diskussion ggf. bei etwas nicht sicher ist.

Ich persönlich kann nicht verstehen wie man es als Spielleiter da fertig bringen kann und - im Grunde - sagt "Es ist mir total egal was ihr macht wenn ich nicht gerade das Wort habe, ich bin einmal weg. Sagt mir wenn ihr fertig seit, dann können wir weiter spielen."

Wenn das Spiel weiter geht obwohl ein Mitspieler gerade mal weg muss, läuft etwas fundamental falsch. Einmal ganz abgesehen von der Beteiligung wo sich der Mitspieler raus nimmt, dem Desinteresse an den Interessen der anderen zieht der Spielleiter dort scheinbar nur noch seinen Plot bzw. seine Geschichte durch und entwertet die Handlungen und Taten der Spieler vollständig. Ist dann für das eigentliche Spiel mit allen total egal was sie reden, planen oder machen, da sch* der SL dann mitunter wortwörtlich drauf. Relevant ist da nur was er sich vorher ausdachte und was die eigenen Pet-NSCs an tollen Plänen haben - die natürlich nicht so ignoriert werden wie die Pläne der Spieler.

Zurück zum Thema.
Also wenn sich ein Spielleiter sich derart eklig gegenüber seinen Spielern verhält überrascht es mich nicht wenn da die Realitätserdung kommt wenn er mal als Spieler mitspielt. Wobei ich den Schluß da halt zu behaupten einfach ein besserer SL als Spieler zu sein merkwürdig finde. ^^;
 
Wenn das Spiel weiter geht obwohl ein Mitspieler gerade mal weg muss, läuft etwas fundamental falsch.

Das würde ich jetzt so in dieser Absolutheit nicht sagen. Wenn der Hacker gerade mal wieder 10 Minuten Soloscreentime braucht an der sich andere Mitspieler nicht beteiligen können, dann finde ich es nicht tragisch wenn die weitermachen während ich neue Getränke aus dem Keller wuchte.

Oder wenn ich im Kampf in der Initiativereihenfolge an Platz 382 komme, dann finde ich es auch nicht so tragisch wenn die anderen nicht warten bis ich zurück bin. Im Gegenteil, ich heiße das gut...

Etwas anderes ist das natürlich wenn man da sitzt "So, Klaus is' auf'm Klo, der macht also diese Runde ma' nix während der Drache angreift..."
 
Das würde ich jetzt so in dieser Absolutheit nicht sagen. Wenn der Hacker gerade mal wieder 10 Minuten Soloscreentime braucht an der sich andere Mitspieler nicht beteiligen können, dann finde ich es nicht tragisch wenn die weitermachen während ich neue Getränke aus dem Keller wuchte.
Joah. Das stimmt wohl.
Wobei gerade in den beiden Fällen die du skizziert hast zumindest der Mitspieler der am spielleiten ist nicht weggehen sollte. ^^;
 
Wobei ich einwerfen möchte, dass ich als SL kein Problem damit habe, wenn meine Mitspieler eine Diskussion zwischen ihren Charakteren auch weiterführen, während ich ins Bad verschwinde. Meistens warten die und nutzen die Gelegenheit dann, über irgendwas anderes zu quatschen, aber ich stoppe nicht automatisch alles von mir aus. Ich geh halt einfach und lass sie selbst entscheiden. Vorausgesetzt natürlich immer, die Interaktion weitet sich nicht auf "die Welt" aus - die ist ja gerade lulu machen -, sondern bleibt intern bei den Charakteren.

Edit: Und was Saint sagt.
 
Teylen schrieb:
Man geht ja auch nicht als Spieler auf die Toilette und alle anderen spielen munter weiter.
Nicht? Gehst du immer vorher und verkneifst es dir dann? Oder spielt ihr nur drei Stunden?
Das wäre bei uns schlicht gar nicht anders möglich. Außer mit nem großen Eimer unter dem Tisch.

Meine Spieler sind auch glaub ich manchmal ganz froh, wenn ich kurz ins Bad verschwinde und sie schön intime-Pläne gegen meine NSC schmieden können, ohne dass ich alles mithöre. Ich kann zwar glaub ich immer ganz gut trennen, aber aufgrund meines sehr improvisationshaltigen SL-Stils ist es auch ganz gut, wenn ich von meinen Spielern mal überrascht werde.
Und wenn sie wirklich ne dringende Frage haben, ist meine Wohnung auch nicht so groß, dass sie sie nicht eben kurz in Richtung Bad rufen könnten.
Ist ja nicht so, dass ich mitten im Kampf oder einer Verfolgungsjagd mein Wasser nicht halten könnte.
 
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