AW: Persönlicher Horror
Ich möchte nochmal auf die Frage nach der Eignung eines Rollenspiels für bestimmte Zwecke zurückkommen. Da sind mir zwei Meinungen aufgefallen:
Sorfidae schrieb:
In erster Linie gehts ja wohl erstmal um gutes Rollenspiel und das beinhaltet meines Erachtens sich auch mit der Tiefe des Chars auseinander zu setzen.
VtM ist nach der Eigenbeschreibung zwar ein "Erzählspiel" (also ein Rollenspiel, bei dem der Erzählerische Aspekt, den du hier wohl mit Rollenspiel meinst, im Vordergrund steht), gleichzeitig verfügt das Spiel aber über mehr und breiter verteilten Crunch als selbst Shadowrun. Wenn man sich VtM vorurteilsfrei anschaut, geht es um
kewl Powerz, kein Spiel hat nämlich mehr davon als diese Powerwüste in 376 Bänden. Selbst wenn du VtM als Erzählspiel nutzt, ist das trotzdem nicht der Hauptpunkt dieses Werteschieberspielplatzes.
Skycorax schrieb:
Wer einen coolen Killertypen oder den Superhelden von nebenan spielen möchte, ist bei Vampire meiner Meinung nach total falsch.
Weswegen die große Mehrheit der Disziplinen ja auch darauf abziehlt, deine Kampf- oder Spionagefähigkeiten geiler zu machen.
Ich will euch ja gar nicht madig machen, wie
ihr VtM spielt; aber wenn man das Spiel aus dem Regal zieht, hat es nichts mit einem Spiel um persönlichen Horror zu tun.
Außerdem steht hier die Behauptung im Raum, die VtM-Vampire seien besonders geeignet, Themen wie Vereinsamung, emotionale Kälte und Entmenschlichung darzustellen - und auch das ist gelogen. Es gint hunderte von Figuren und Szenarien, die dafür geeigneter sind. Z.B. Heimkehrer aus dem Gulag oder Alkoholiker oder Junkies ... natürlich ist das nicht Ansatzweise so spannend wie Vampirshadowrunner mit Superpowers in einem nächtlichen Krieg.
Oh, und @Smilley: Ich habe die Giovanni Chronicles gelesen. Mir ist selten eine so aufgesetzte Eingangsszene begegnet wie die kollektive Vampirwerdung der Charaktere in TLS. Der Horror daran war die Vorstellung, diesen Quatsch leiten zu müssen.