Ich denke auch dass Hannibal Lecter -als Paradebeispiel aufs Vampire übertragen- eher ein Charakter mit niedriger Menschlichkeit wäre, welcher sich relativ willig (bewusst oder unbewusst) durch das Tier lenken und beeinflussen lässt.
Seine Grundpersönlichkeit ist eher intelligent und subtil. Darum sind seine Taten auch entsprechend (zumal er ja auch diagnostizierter Psychopath bzw. eine antisoziale Persönlichkeit ist).
Die Grausamkeiten kann man auf das Tier schieben, das versucht sich seiner immer weiter zu bemächtigen. Das eher diskrete, geplante, kaltblütige Vorgehen seiner Taten geht auf die Person dahinter zurück.
Er handelt nicht emotional, weil er unemotional ist und hochintelligent ist.
Raserei ist für mich eher ein animalisches Toben. Das Monster bricht sich Bahnen und auch wenn Kämpfe unter Raubtieren eher selten wirklich tödlich ausgehen, denke ich, dass die Raserei ein besonderer Extremfall ist. Ein Vampir geht ja nicht ständig in diese Ausrasterphase über. Manche sogar bloß höchst selten.
Wenn es geschieht, dann geschieht es, weil die Bestie in einer offenen, physikalischen Auseinandersetzung ihre einzige Chance sieht. Vampire sind (in der Regel) "übermenschlich" stark und können das über das Pumpen von Blut auch nochmal steigern. Natürlich kann der andere stärker sein. Wenn dieser andere aber auch schneller ist, dann bringt der Kampf und der mögliche Überraschungsmoment eben mehr als die Flucht. Darum springt man dann auch mit den Reißern an die Kehle des anderen - aber eben nur in besonderen Extremsituationen (Hungerraserei, Wutraserei...)
Im Übrigen kann auch der Bücherwurm durch Raserei mit potentiellem Blutpumpen zum üblen, reißenden Monster werden... vor allem wenn man davon ausgeht, dass sich das Tier instinktiv nur auf die Teile des Gegners einschießt, deren Vernichtung sein Ende bedeuten dürften. (beim Mensch: Kehle, Kopf, Herz.../ Beim Vamp: Kopf, Herz).
Intrigen, durch Traditionen der Camarilla gerechtfertigte Morde an Menschen/Artgenossen, selbst der Kampf ums eigene Überleben, das alles sind für "das Tier" im Kainiten Mittel zum Zweck um den Charakter zu korrumpieren. Mal ist es dabei mehr, mal weniger erfolgreich, aber das ist schon in Ordnung, immerhin hat es alle Zeit der Welt. Das mögliche Endziel ist das, was in der Raserei ausbricht, als Dauerzustand zu erreichen.
Das Tier zerstört den Vampir von innen heraus. Es ist für mich alles Böse innerhalb einer Person, das sich -wie das kleine Teufelchen im Kopf- versucht zur bestimmenden Instanz einer Existenz aufzuschwingen. Es treibt den Vampir in die Entmenschlichung, wenn er sich nicht dagegen wehrt. Das Tier ist der eigentliche Fluch der unsterblichen Existenz, denn es vernichtet alles, was gut sein könnte, wenn man es walten lässt.
Der Fluchtreflex (Selbsterhaltungstrieb in konkreten Gefahrensituationen) wird hingegen eben durch den Rötschreck dargestellt. Dieser setzt ein, wenn Panik in Bedrängnis derart groß ist, dass Flucht die realistischste Option scheint.
Die Vorstellung eines eher andersartigen Variante von Raserei wie eben das genannte Schlangen-Beispiel wirkt auf mich nicht soooo stimmig. Wenn's in eurer Runde gut kam: why not?
Man kann sowas auch nur schwer bewerten wenn man es nicht gesehen hat.