[16.05.2008] Ankunft im Cafe

Die Reaktionen der Herrschaften konnten unterschiedlicher nicht sein. Beide habt ihr recht. Ja, es war nicht einmal zwei Wochen her, als sie die Stadt betreten und sich durch den Regen gekämpft hatte, bis sie schließlich bis auf die Haut durchnässt in der Akademie vorstellig wurde. Bei Frau Raabe. Was wohl aus ihr geworden ist? Seitdem hatte sich die Besetzung mehrfach geändert. Buchet, Pareto, Galante - wenn der folgende Tage ablief, wie viele vermuteten gäbe es einen weiteren Führungswechsel. Aber einen neuen Namen? Eher nicht... Obwohl eine Verurteilung der alten Machthaber und der Abzug der Archonten dies bewirken konnten. Dann sind die Hexer dran... Nicht die besten Aussichten.

"Ja, es ist viel passiert in der Zeit. Die zehn Tage waren wohl so ereignisreich wie meine ersten vier Jahre zusammen. Als ich hier ankam gab es noch keinen 'Clan der Clanslosen' oder so etwas."

Sie schmunzelte als sie zu Vincente hinübersah. Es sollte offensichtlich sein, dass sie es nicht bevorzugte, sich selbst - und in der Erweiterung auch die beiden Herren - als Abschaum zu bezeichnen. Wisst ihr, von wem ihr abstammt? Zumindest hatte sie jemand in die Gesellschaft der Vampire aufgenommen.

"Stattdessen wurde ich an die Geißel verwiesen - interessanter Mann, sie werden ihn sicherlich noch kennen lernen. Jedenfalls vermute ich, dass die ganze Clansgeschichte damit zu tun hat, dass jemand einen Verantwortlichen im Rat wollte. Finstertal ist eine aufregende Stadt, schön aber gefährlich. Wer würde da seine Schäfchen allein umherwandern lassen?"

Das Lächeln wurde etwas breiter, sodass ihre weißen Zähne zum Vorschein kamen. Bei anderen Raubtieren mochte das vielleicht bedrohlich wirken, doch Martas Fänge waren gut verborgen. So sah sie einfach nur äußerst süß aus.
 
Innerlich zuckte Michael zusammen bei den Gedanken „meine ersten vier Jahre zusammen“. Sie kann sich daran noch erinnern. Äußerlich zeigte Michael jedoch keine Regung.

„Du sagt die Geißel sei interessant, wie meinst Du dies? Die Geißel, die ich kenne würde ich nur impertinent, ohne Manieren mit einem Hang zum Sadismus beschreiben. Da ist jeder froh, keinen größeren Kontakt mit ihm zu haben“ Gott sei dank hatte seine spätere Mentorin eine unangenehme Begegnung mit dieser Person schon frühzeitig unterbunden. Jemand der mit einem Baseballschläger gerne Kainiten zum Spaß pfählt, war Michael einfach nur zu tiefst zu wider. "Wie heißt den hier die Geißel und aus welchen Clan stammt er/sie den?“

"Du meinst den Clan gibt es nur, damit Helena für uns alle den Kopf hinhalten muss?“ Scheiß Spiel.
 
Vicente erwiderte das Lächeln, wenn auch eher schmal. Wie jung, fast frisch gezeugt.
Vielleicht trug ihn seine Kenntnis der deutschen Sprachen, jedoch verstand er die Aussage Marthas so das sie vor vier Jahren und fast zwei Wochen den Kuss erhielt. Offensichtlich hatte sie Führung erhalten. Ob durch ihren Erzeuger oder einen Gönner war wohl dahingestellt. Was sie wohl bewegte herzukommen?

"Sicherlich werden wir das." Das schmale Lächeln versiegte. Es war selten gut die Geissel kennenzulernen und als Caitiff noch wesentlich weniger. "Es nehme an es war eine interessante Erfahrung." Vermutlich auch eine schmerzhafte. Vicente beneidete sie nicht.
"Der politische Aspekt ist wohl naheliegend." Wer immer die Caitiff in den Rat gelassen hatte konnte sich wohl ihrer Stimme versichert sehen. Schließlich konnte was gegeben wurde ebenso genommen werden. "Ich hoffe es ist nicht zu forsch zu Fragen unter welchem Prinzen, welcher Administration es geschah?" War es doch ein Anzeichen dafür wen man Dank schuldete.
"Ein anderer Aspekt der mir erschien ist das man schlicht Blut braucht. Für welche Katastrophe auch immer als nächstes ansteht." Er hob leicht die Schultern, es war keine Haltung der er entgegen sah, aber es schien realistisch. Man erklärte die Clanlosen zum Clan, wartete darauf das sie in die Stadt strömten und beim nächsten Konflikt mit Werwölfen und dergleichen brauchte man keine 'wertvollen Mitglieder der Camarilla' verschwenden.
 
„Das man die Caitiff nicht aus altruistischen Motiven zum Clan verhoben hat, ist wohl leider selbstverständlich.“ Wer wollte, dass Helena ihm/ihr einen Gefallen - einen verdammt Großen - schuldete. Die Archonten fielen wohl aus, zumindest die Ventrue hatte offensichtlich kein Interesse an Finstertal und wollt nur so schnell wie möglich weg. Bleiben Buchet oder ein unbekannter Dritter.

Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, Helena hat viele Gefallen dafür eingefordert. Als Primogena vertritt sie dann den Clan und wenn alles richtig läuft auch den Mitgliederstärksten und vielseitigsten Clan, was ihre eigene Machtbasis ungemein stärken würde. Wäre auch ein guter Schachzug, einer Ahnin würdig.
 
Die Lippen zogen sich zusammen, die Zähne verschwanden, das Lächeln blieb. Der Ausdruck in ihren Augen lag zwischen amüsiert und verschwörerisch. Sie waren nun bei der art von Fragen angekommen, die Marta nicht einfach so ohne weiteres beantworten würde. Malik Trapper - ein Schwarzer, von sich selbst eingenommen. Und er liebt es wie aus dem Nichts aufzutauchen. Der Mann war zweifellos gefährlich und zumindest Jenny konnte ihn überhaupt nicht ausstehen.

"Oh, Manieren hat er. Das heißt, solange man ihm nicht in die Quere kommt."

Sie sah ihn nun direkt an und ihr Blick wurde etwas ernster. Nicht genug um das Lächeln aus dem Gesicht zu wischen, doch ausreichend um zu vermitteln, dass ihre nächsten Worte kein Scherz waren. Und dass man sie um nähere Informationen explizit 'bitten' müsste.

"Ich habe gehört, dass er einen von uns hingerichtet. Der Arme hat ihn wohl angegriffen - aber das war bevor ich hier ankam."

Martas Erfahrungen mit Geißeln waren weniger problematisch, doch war sie da wohl kaum repräsentativ. Kommt wohl auch darauf an, wie man den Job ausführt. Da gab es wohl brutale Bulldoggen, die alles zerrissen, was ihnen nicht verboten war, folgsame Jagdhunde, die ihre Beute stellten und auf das Signal zum Töten warteten und Wölfe, deren Anwesenheit nur bemerkt wurde, wenn man ahnungslos in ihr Revier tappte. Trapper ist keine Bulldogge... Die junge frau wandte sich zu Vincente und ihr Lächeln wurde wieder etwas breiter.

"Soweit ich das verstanden habe, waren es die Archonten."

Die Implikationen blieben zunächst ungesagt.
 
"Tatsächlich?" Bei Vicente klang durchaus ein stückweit sogar ehrliche Überraschung aus der Nachfrage mit.
"Das gestaltet den Prozess und die Ernennung in der morgigen natürlich um so interessanter." Weiter führte er die Implikationen nicht aus. Viel mehr erinnerte er sich an das Gespräch mit der Archontin, warf die Information doch ein interessantes, neues Licht darauf.
 
Schön eine ziemlich nichts sagende Antwort, gut sie will mit der Informationen nicht rausrücken, hoffentlich stehen sie in der Mappe der Akademie drin.

Michael war entgangen, dass er tatsächlich unhöflicherweise nicht die Höflichkeitsform Bitte benutzt hatten. Folglich war sich seiner Unhöflichkeit nicht wirklich bewusst.

Die Archonten haben den Clan ausgerufen, wie bitte, welcher politische Schachzug steht dann dahinter. Dies wirft ja ein ganz andres Licht auf die gesamte Sache. Erst machen sie die Caitiff zum Clan und verschwinden dann, wenn dies mal kein Zufall ist.

Auch bei Michael machte sich Überraschung über diesen Umstand breit. So richtig glauben konnte er dies fast nicht.

„Ein wirklich interessanter Umstand, insbesondere wenn die heutige Reaktion von Madame d'Auvergne hinzunimmt. Dann sollten wir alle mehr als nur vorsichtig sein. Ahnen und insbesondere der Clan der Könige sind bekannt dafür nichts grundlos zu gestalten.“
 
Es war ihr weniger um die Höflichkeitsform gegangen als vielmehr um den Gehalt der Informationen. So ohne weiteres würde sie sicherlich keine Persönlichkeitsanalyse preisgeben. Vor allem, weil eine solche in der Regel mindestens ebensoviel über sie selbst aussagte. So gut kennen wir uns dann doch nicht.

"Niemand gestaltet etwas grundlos. Möglicherweise hat Herr Rosselini recht. Oder es geht darum, dass die Führung nicht den Überblick verliert, wenn zu viele von uns frei herumlaufen."

Damit wäre Helena quasi für ihre ordnungsgemäße Eingliederung verantwortlich. Sollte Vincentes Idee zutreffen, so schien sich sich dann doch etwas quer zu stellen. Sonst hättest du wohl vor zweit Tagen in der ersten Reihe gestanden... Nein, eigentlich nicht. Doch damit hätte sie jetzt andere Sorgen. Zum Beispiel einen fehlenden Kopf. Wie bereits gesagt, gab es für Clanlose eben keine aufwändige Gerichtsverhandlung.

"Darf ich fragen, welche Art von Reaktion sie meinen?"
 
"Das offensichtliche Desinteresse vom Madame d'Auvergne an Finstertal. Sie will übermorgen die Stadt verlassen und was genau hier passiert ist ihr verzeih mir Marta den Ausdruck; Scheißegal. Sie hat nicht mal versucht dies zu verschleiern.

Gleichzeitig erkennen sie die Caitiff als Clan an. Also steht Helena in ihrer Schuld und ich gehe jede“ fast jede “Wetten ein, diesen Gefallen werden sie morgen bei Helena einfordern, wenn sie einen Kandidaten haben, den sie durchdrücken wollen.

Gleichzeitig werden wahrscheinlich viele Clanlose Richtung Finstertal wandern, was die anderen Domänen begrüßen werden. Finstertal hat nun mal nicht unbedingt den besten Ruf und in der letzten Zeit war wohl die Sterblichkeitsrate auch bei unserer Art nicht nur bei den Menschen überdurchschnittlich hoch. Löst sicherlich so manches Problem“ mit der Überbevölkerung.

Zudem bindet man Helena weiter in das System ein und zwingt sie indirekt sich um alle die Problemfälle zu kümmern. Und wahrscheinlich gab es noch ein paar andere Gründe, welche man ohne Kenntnis der Stadt und deren genauen Vorkommnisse nicht kenne könnte.
 
"Soweit ich weiß, war Helena vorher für den Clan der Rosen verantwortlich. Ich glaube kaum, dass unsereins einen so hohen Stellenwert hat, dass man das irgendwie als Beförderung interpretieren kann."

So, die Dame ist nicht interessiert? Da streckten alle möglichen Gruppierungen ihre Hand nach Finstertal - die einen nach der Herrschaft die anderen nach der Ziege - aus und diese Frau kümmerte sich überhaupt nicht? Kein Interesse an der 'Unsterblichkeit' Madame? Eigentlich konnte Marta sie ja verstehen: Die Stadt war gefährlich und ob dieser Zieglowski wirklich hielt was er versprach? Am Ende ist es noch dämlich einfach ihn zu töten, wenn man weiß wie. Aber wenn Marta ehrlich mit sich selbst blieb: Nahezu unsterblich zu sein, hatte schon seinen Reiz. Doch was sie viel mehr reizte war das Geheimnis dahinter. Wie tötet man den Unsterblichen? Sie war überzeugt, dass es einen Weg gab. Und persönlich wollte sie nicht plötzlich in Flammen aufgehen, weil irgendjemand laut 'Hotzenplotz' rief.

"Das löst überhaupt nichts. Eher im Gegenteil. Die Menschen sind schon argwöhnig und mehr von uns machen das eher noch schlimmer. Bei Clanlosen ist das momentan sogar noch schlechter, weil uns keine besonders großen Gebiete zur Verfügung stehen."

Ja, Helena hatte angekündigt da etwas verändern zu wollen. Letztendlich hing es jedoch auch vom Arroganz-Intelligenz-Verhältnis der zukünftigen Stadtführung an. Oder ihrer Skrupellosigkeit...
 
Michael stimmte ihr zu, „nee dass ist eindeutig wenn eine Strafversetzung, insbesondere wenn man bedenkt, dass hier der Clan der Rose regiert hat.“

Die Dame von Clan der Könige war schon merkwürdig. Von Ziege und der Unsterblichkeit wusste Michael ja nichts.

„So kann dies sehen, aber auch andersrum; sind wir viele dann kann man uns nicht mehr einfach ignorieren, da wir dies dann auch durchsetzen könnten. Zudem traue ich Helena schon zu dies auch zu machen. Wir werden sehen was passiert; wer Prinz wird und dann können wir sehen, was wir dann unternehmen können.“
 
"Helena hat dem Clan der Toreador vorgestanden. Gab es einen bestimmten Anlaß dafür? Schließlich heißt es doch das Finstertal eine Stadt der Rosen ist." Es war ungewöhnlich das jemand Clan fremdes ein Amt übernimmt, jedoch einen Caitiff damit zu betrauen war erstaunlich. Hatte Helena nicht noch im Gespräch zuvor angegeben Clan los zu sein.

"Ich zweifele daran das man ernsthaft in Betracht zieht das wir uns ausschließlich auf die Gastgebiete beschränken. Das heißt, wie stark sind wir bereits hier vertreten?"

Sein Blick glitt zu Michael.
"Wenn wir zu viele werden, zu unangenehm wird man mit Feuer durch die unsrigen peitschen und solange die Reihen ausdünnen bis das Problem nicht mehr besteht. Sollte sich ein Primogen daran stören, das Wort dagegen erhoben werden wird man sie des Amts verweisen und uns den Status aberkennen."
Der Worte waren direkt, schnörkellos gesprochen. Wie die Feststellung das der Himmel oben und die Erde unten war. Sie hatten eine Anerkennung erwirkt, sie besaßen keinen Justikar, was gegeben war konnte jederzeit genommen werden. Die Caitiff waren nachwievor der Bodensatz und allein der Gedanke etwas durchsetzen zu können hatte für den Italiener etwas von einem fliegenden Schwein.
 
"Bis vor kurzen galt sie wohl noch als eine von ihnen..."

Ein Schulterzucken - über Helenas Herkunft wusste sie nichts. Möglich, dass ihr Erzeuger dem Rosenclan angehörte, sie ihn jedoch nicht kennengelernt hatte. Oder sie war vom Clan der Rosen erzogen worden, ließ jedoch die typischen Eigenschaften vermissen. Oder man hat sich entschieden, dass man besser keinen Clanlosen mit dem 'Clan' betraut. Das wäre dann wohl eine Strafversetzung - und dem Rat blieb es erspart eine 'echte' Clanlose unter sich zu dulden.

"Neben Helena und uns gibt es noch zwei oder drei - mindestens." Je nachdem ob man Kiera dazuzählt.

Vincentes Worte waren leider nur allzu wahr - und bestätigte auch ihre eigene Einschätzung. Und genau hier sollte man etwas ändern! Es konnte nicht sein, dass sie nur wegen ihrer Herkunft als wertlos galten und die Traditionen nur begrenzt Anwendung fanden. Doch Rebellion würde wohl kaum etwas bewirken, denn im Gegensatz zur sterblichen Gesellschaft war bei ihnen der 'Adel' immer noch in der Überzahl. Und mächtiger. Aber auch der sterbliche Adel war einst mächtiger gewesen.

"Dann ist der Plan wohl nicht unangenehm zu werden, oder?"

Kleine Schritte...
 
"Interessant" Vicentes Stimme klang neutral, er setzte bewusst eine kleine Pause und damit offen worauf er sich bezog. Er wog die Information ab, lies die eigenen Spekulationen zu. Letztlich musste er jedoch feststellen das ihn die Gegebenheiten nur allzu vertraut waren. Mit dem Unterschied das Helenas Betrug, sofern es sich um einen solchen handelte, ihr offenbar nicht zum Nachteil gereicht hat. Ob ein Dritter dafür die Schuld getragen hatte?
"Ich habe nicht erwartet niemanden anzutreffen, verstehe mich nicht falsch. Es überrascht mich nur das wir derart zahlreich vertreten sind." In anderen Städten hätte man unlängst damit angefangen die Pest von der Strasse zu fegen.

"Mein Plan ist mich zu beweisen, nützlichkeit zu demonstrieren." Er würde davon sprechen unentbehrlich zu werden, zu sein. Letztlich verbot ihn jedoch der Anstand die Hybris.
"Der Versuch nicht unangenehm zu werden." Erneut pausierte der Italiener dessen Gegenwart in sich bereits unangenehm war. Die Augen auf Martha gerichtet. Die Narretei der Jugend ,.. So jung "Wir sind bereits unangenehm. Unsere schiere Existenz ist eine Unannehmlichkeit. Ein Stachel in der Seite der Abergläubigen, eine Beleidigung des Gesellschaftsentwurf der Bourgeoisie. Der Plan nicht unangenehm zu werden, den Makel abzuschütteln fordert Handlungen, ein aktives bestreben."
 
"Das liegt wohl an der besonderen Situation in dieser Stadt. Und ist sicherlich auch der Hauptgrund für den 'Clan'."

Abergläubische... Innerlich verdrehte sie die Augen - ohne, dass man von außen etwas davon mitbekam. Es gab immer wieder Leute, die allen Arten von Legenden und Prophezeiungen Glauben schenkten, ganz egal wie hirnrissig. Die eine oder andere mochte einen wahren Kern haben, doch das meiste war zusammengesponnen, erlogen und so lange verändert, bis etwas entstanden war, dass dem ursprünglichen Gebilde in keinerlei Weise mehr ähnelte. Schon was aus einem einfachen Gerücht wird... Doch manche Idioten nahmen das Ganze nicht nur für bare Münze sondern sogar noch wörtlich. Als Prediger und Möchtegern-Guru würde ich das lieben!

Marta erwiderte Vincentes Blick unbeeindruckt, ihre Mimik blieb unverändert warm und freundlich, selbst als sie ihm direkt in die Augen sah. Dass es ihr dabei kalt den Rücken hinunter lief, konnte man sich wohl kaum vorstellen. Wenn unsere Existenz so unangenehm ist - ist es vielleicht nicht so praktisch, wenn man auch noch jedermann darauf hinweist? Sie wusste natürlich kaum etwas über seine Fähigkeiten, doch ein hohes Profil konnte ohne ein entsprechendes Fundament schnell zu einem Problem werden. Niemand ist unverzichtbar. Schon gar nicht ein ambitionierter Clanloser.

"Das ist eine lobenswerte Einstellung. Darf ich fragen, wie sie ihre Nützlichkeit zeigen wollen?"

Die Frage war vollkommen unschuldig und ernst gemeint. Es schien als hätte der Ältere einen Plan.
 
Helena war eine Toreador, mehr als interessant, deswegen kam ihm die Prozedur mit ihr so bekannt vor. Warum ist sie jetzt Clanlos? Meist endet eine Entdeckung nicht mit einem Wechsel des Primogenposten.

„Was ist denn am der Stadt so besonderes?“ fragte Michael sich halb laut zu sich selbst. Das Minenspiel beherrscht Martha zumindest schon ziemlich gut, spricht dagegen, dass sie ganz jung ist.


Aberglaube, wäre nur zu schön, wenn seine Mentorin nur halbwegs recht hatte, waren leider keine Schreckgestalten sondern bittere Realität und meist noch schlimmer als die Erzählungen über sie.
 
Vicente griff das Thema des Aberglauben nicht weiter auf. So blieb es der Mutmaßung überlassen ob er Martha zustimmte. Tatsächlich teilte er die Ansicht der Jüngeren.
Es handelte sich um reinen Aberglauben der nichts war als Aberglauben. Seit Jahrhunderten hieß es die Caitiff seien das Vorzeichen für alles schlechte was geschehen, für Monstren die sich erheben, würden. Obwohl die Zeit verstrich hunderte, tausende Jahre vergingen glaubten die Dummen daran, schafften es die Alten Junge mit dem Aberglauben zu blenden, belügen und manipulieren.

"Das vorgehen ist recht einfach. Lernen und Handel.
Man nimmt an der Gesellschaft teil, im Hintergrund. Verinnerlicht die Vorgänge, lernt die Gepflogenheiten und nimmt die Informationen auf. Man legt ein Fundament.
Sobald das Fundament ausreichend ist, es sich anbietet bringt man die eigene Person ein und agiert."
Sein Vorhaben, der Plan wenn man es so nennen wollte, war keine Raketen-Wissenschaft.
"Natürlich ist das schaffen eines Fundament, das darauf aufbauen mühsam und erfordert ebenso Arbeit wie es ein Risiko birgt."
Er betrachtete die Gestalt der der jungen Frau. Die Jugend wird kaum von der Aussicht von Mühsal und Gefahr gepackt.
"Allerdings ist meine Erfahrung endet der Versuch nicht unangenehm zu sein, sich zurückzuziehen und den eigenen Interessen nachzugehen, damit das das was man aufgebaut hat eines Nachts in Flammen steht, das man enteignet wurde, angeklagt oder vor einem Lynchmob fliehen muss. Manchmal gar mehreres zu gleich."
Sein Blick schweifte nur kurz zur Bar. An und für sich wäre ein Schluck aus einem Glas an dieser Stelle durchaus angenehm.
"Wenn man es von außen betrachtet, man kann es ihnen nicht einmal verdenken."
 
"Die Stadt ist verlgeichsweise unruhig, instabil. Die Bevölkerung wechselt ungewöhnlich häufig. Und dann ist da ja noch die Sache mit den Werwölfen..."

Vielleicht sind die Archnonten ja auch deswegen hier. Es war ohne weiteres möglich, dass die Camarilla um ihren Einfluss in der Region fürchtete. Die Konkurrenz schläft auch nicht. Und dann gab es noch die Sache mit Zacharii und den Hexern - aber Marta würde ihre Einschätzung wohl kaum öffentlich zum Besten geben. Außerem hast du bisher nur ein paar Indizien. Hier lag auch genau das Problem an Vincentes Plan: Machte man sich nützlich für den einen, wurde man eventuell unangenehm für den anderen. Und der vergisst nicht so schnell. Klar, alleine kam man noch weniger weit - aber man sollte es sich gut überlegen, bevor man eine Seite wählte. Du meinst das Konzept ist einfach - das Vorgehen ist es nämlich nicht.

"Ich verstehe. Natürlich ging es mir eher darum sich nicht vor lauter Eifer mit jemandem anzulegen, der dann doch eine Nummer zu groß ist." Zum Beispiel mit den Hexenmeistern...

Was die Sterblichen anging, konnte sie das wirklich nicht. Menschen mochten es überhaupt nicht, wenn sie in der Nahrungskette nicht ganz oben standen. Dass Vampire am Ende auch Menschen waren, würde sie wohl kaum daran hindern das 'Problem' zu beheben. Würdest du genauso machen. Und eigentlich hatte sie das auch.
 
"Wie man es macht, macht man es falsch. Eine Stimme aus dem Chaos sprach zu uns lächele, denn es könnte schlimmer kommen, wir lächelten und es kam schlimmer. Aber ernsthaft, klar kann man sich den Falschen aussuchen, aber deswegen nichts zutun ist der schlechteste aller Wege." Und als Neuankömmling, hast Du meist die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Helena zu unterstützen ist sicherlich nicht der schlechteste Weg für uns hier in Finstertal, ob es der Beste ist wird die Zeit zeigen müssen. " Also mit Helena denke hat man eine gute Wahl getroffen."

"Ärger hat es hier wohl in der letzten Zeit genug gegeben, etwas ruhiger wäre wohl wünschenswert," sinnierte Michael. Und heute Nacht schon wieder - das Unglück im Tunnel.
 
Vicente sah nur kurz zu Michael. Man mochte den Eindruck haben das sich ob des kleinen Wortspiel Irritation in seinem Gesicht abzeichnete. Letztlich blieb es jedoch eine Vermutung.

"Ob von der Logik, den Emotionen oder gar vom Eifer getrieben, selbst wenn man sich zurück zieht, man kommt nicht umhin sich Feinde zu schaffen die über mehr Macht, Einfluss und Möglichkeiten verfügen. Sei es nur aufgrund der eigenen Existenz. Zumindest für unsereins, es mag für Kainiten die einem anerkannten Blut zugehören anders sein.

Die einzige Möglichkeit damit sinnvoll umzugehen besteht darin sich während die Feinde auf einen aufmerksam werden, seinerseits anderen Nutzen zu beweisen. Verbündete zu gewinnen."

Was bisher geschah kommentierte er nicht weiter. Ob er in Helena eine adäquate, starke Verbündete sah, wie er die Dynamik wähnte und ob er nicht nach anderem strebte. Er war zu analytisch um direkt sich direkt bei der ersten Gelegenheit zu binden. Der Blick des Italiener ging zum Hamburger rüber.

"Man sollte darauf achten was man sich wünscht. Es könnte in Erfüllung gehen." Die Worte waren in einer dem Totengräber eigenen fatalistischen Emotionslosigkeit vorgetragen die einem selbst den Wunsch nach ein bisschen Frieden vergällen konnte.
 
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