AW: Vagina dentata: Shaktar
Warum werde ich den Gedanken nicht los, dass Du die Ideen deines letzten Posts schon vor allen anderen Posts hattest. 😉
Hatte ich auch. Aber ich wollte erst einmal hören was anderen Leuten noch so zu der Idee einfällt. Die Nematocysten fand ich zum Beispiel großartig. Und deine "Penis abbeissen und meine Eier in deinem Körper ablegen"-Variante treibt die Kastrationsangst des Konzepts definitiv auf die Spitze.
Ich bezweifele, dass es so viele weibliche Shaktars als PCs gibt.
Also mir fallen aus dem Stehgreif schon ein paar ein. Und mit mehr (Konflikt)stoff sehe ich das nicht weniger werden, sondern eher mehr.
Sorry, aber die rituelle Genitialverstümmelung klingt für mich nach einen zwanghaften Transfer gewisser afrikanischer Bräuche in die WoP.
Sorry, dass ist nicht der Horror, den ich in WoP sehen würde. Diese Verstümmelungen machen sogar teilweise Sinn.
Natürlich kommt die Inspiration daher, aber eingebettet in das größere Konzept halte ich sie schon für tragfähig genug, um nicht beständig als Fremdkörper zu wirken. Mir gefällt an dem Gedanken besonders, dass er beginnt die Shaktar-Tradition/Religion mit Konfliktpotential und Widersprüchlichkeiten aufzuladen, und die "noblen Krieger" mit mehr Schattenseiten zu präsentieren. Als rigorose Kastengesellschaft und Patriarchat habe ich die Shaktar ohnehin schon immer wahrgenommen, und ich finde die Genitalverstümmelung ist ein probates Mittel, um das greifbarer (und angreifbarer!) zu machen. (Apropos Kastengesellschaft: Ich überlege auch, ob weibliche Angehörige der Kriegerkaste vielleicht nicht verstümmelt werden.)
Und solche vom "System" mitgetragene Verbrechen sind für mich auch einer der Kernaspekte des Spiels, auch in Sachen "Horror" (tatsächlich habe ich SLA Industries immer wieder als "gesellschaftlichen Horror" (im Kontrast zum "persönlichen Horror") charakterisiert).
Gelten diese gezogenen Shaktar-Zähne als Talismane für/gegen einen Kinderwunsch oder gegen Vergewaltigung bei Frauen?
Könnte ich mir gut vorstellen, ja.
Den ausgefallenen Zähnen (während der Schwangerschaft) kommt dann bestimmt auch noch einmal eine besondere Bedeutung zu.
Passend dazu kann ich mir übrigens auch einen entsprechend großen Legendenschatz bei den Shaktar vorstellen, der das Thema behandelt. Einmal eher aus männlicher Sicht - was die dominantere Form sein sollte - bei der es um die Überwindung der Kastrationsangst und -gefahr und um einen Machtanspruch geht, und in der legendäre Helden Zähne einschlagen und abbrechen, dann aber auch ein Satz - als apokryph geltender - eher weiblicher Geschichten, in denen fröhlich kastriert wird und so auch Macht und Selbstbestimmung demonstriert wird.
Darauf aufsetzend vielleicht einen (verfolgten? verpönten?) Kult oder eine Sekte oder gar Strömung innerhalb der Shaktar-Religion, die das aktuell praktizierte Patriarchat als eine Ursurpation einer ursprünglichen weiblichen Führungsrolle ansieht. Das "Zähneziehen" (beziehungsweise das "erste Zähneziehen" der Legende) wird hier zum Wendepunkt, an dem die männlichen Shaktar zusammen mit dem Zahn auch die Macht unrechtmäßig an sich reissen. (Auch der Kodex ließe damit an einigen Stellen schöne neue Interpretation zu - der Punkt mit dem Geben und Nehmen des Lebens durch die Älteren (Eltern!) beispielsweise lässt sich durch diese Brille als Geburt und Kastration begreifen als die doppelte weibliche Macht über das Leben.)
Oder eine Verschiebung des Ganzen in Richtung eines stärkeren Kastenchauvinismus. Wenn tatsächlich Kriegerinnen nicht entzahnt werden, dann ist der Haupt"zweck" vielleicht gar nicht den Frauen ihre sexuelle Selbstbestimmung zu nehmen, sondern den Nicht-Kriegern jeden Anschein von Wehrhaftigkeit (Zähne als Vorrecht der Kriegerkaste).
Eventuell steckt auch alles (und noch mehr) darin und dahinter. Je nachdem welcher Shaktar denn nun dazu befragt wird.
Stay SLA
cag