So, muss jetzt mal.
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Lange vor Alkohol, Blackjack und Nutten, lange vor Batman, Deadpool und Game of Thrones, lange vor Star Wars, Rollenspiel und Lego....ja, sogar noch vor den Masters of the Universe, Donald Duck und Dinosauriern hatte ich eine liebevolle Verbindung zu einem kleinen Volk blauer Wichte: Den Schlümpfen.
Wir waren die ersten Jahre meines Lebens die besten Kumpels. Ich habe die Figuren gesammelt, ich habe mir ihre Comicbücher angeschaut, als ich sie dann im Fernsehen bewundern konnte, habe ich auch das getan. Und ich habe sie geliebt.
Irgendwann gingen wir getrennter Wege, die Schlümpfe und ich, lebten so nebeneinander her, die nächsten zwanzig Jahre. Es war eben an der Zeit, sich anderen Dingen zuzuwenden. Und es war auch gut so.
Als ich dann vor ein paar Jahren einen Trailer im Kino sah, der eine Realfilm/Trickfilm Adaption in 3D ankündigte, war ich, wie so viele, äusserst skeptisch. Eine Realverfilmung? Sterile, animierte Schlümpfe, nicht liebevoll gezeichnet? Und dann auch noch in unserer Welt? In New York? Ganz sicher wäre dies doch eine Albernheit, welche die liebevollen Erinnerung an die blauen Leute durch den Schmutz ziehen würde. Ähnlich den neueren, dämlichen Tom & Jerry Cartoons, die mir bereits ein Jahrzehnt zuvor einen Dolchstoss verpasst hatten. Bestrebt, mich nicht noch einmal täuschen und meine Kindheitserinnerungen vergewaltigen zu lassen, entschied ich mich, den Film zu meiden. Moderne Schlümpfe, pah. Schlümpfe gehören immer ins Mittelalter.
Nun, vor einiger Zeit wollte es der Zufall und ein gemäßigteres Gemüt, dass wir dem Film eine Chance auf DVD gaben, um einem kleinen Burschen nach den Transformers und Star Wars auch die Schlümpfe einmal näher zu bringen. Und zu unserer Überraschung stellten wir allesamt fest: Der Film ist der Knaller.
Warum der Film schön ist
Zunächst einmal leben die Schlümpfe tatsächlich noch im Mittelalter und werden einfach durch eine Mischung aus Zufall, Clumsys Tolpatschigkeit, Magie und Gargamel durch ein Portal in unsere Welt katapultiert. Genau das hat mir persönlich bereits eine gewisse Last von den Schultern genommen, da ich befürchtete, dass Schlumpfhausen einfach ohne Erklärung in die Neuzeit versetzt wurde. Dem ist dankbarerweise nicht so.
Basierend auf der Zeichentrickserie – aber mit einem amüsanten 4th Wall Bruch in Richtung der Comicbücher von Peyo, welcher sich als essentiell für das Happy End entpuppt -, gibt es nun ein Wiedersehen mit genau den gleichen kleinen Burschen, die ich als Kind so geliebt habe. Papa, Schlumpfine, Hefty, Muffi, Jokey, Schlaubi und all die anderen sind wundervoll zum Leben erweckt worden, und das nicht nur optisch. Liebevoll wurden die Originalpersönlichkeiten beibehalten und nur dort etwas angepasst, wo es auch Sinn macht. (Beispielsweise ist Clumsy nun eher ein stolpernder, junger Teenager, weniger nur der naiver Trottel.) Dass nur eine Handvoll Schlümpfe nach New York reist (Papa, Schlumpfine, Schlaubi, Muffi, Clumsy und der für den Film neu entwickelte schottische „Mut-Schlumpf“, MacTapfer bzw. Gutsy) war zwingend notwendig, aber dennoch haben auch die anderen, bekannteren Schlümpfe alle zumindest kurze Cameo Auftritte.
Die Story ist einfach und bietet Platz für Charakterentwicklung, und das nicht nur für die Schlümpfe selbst, sondern auch und gerade für ihre menschlichen Gastgeber, die Winslows. Neil Patrick Harris und die sympathische Jamya Mays spielen ein junges Paar, welches hochschwanger im Begriff ist, Eltern zu werden. Harris ist jedoch sehr unsicher, sehr verloren und extrem im Arbeitsstress, wodurch sich ein Familiendrama anbahnen könnte....wäre da nicht das Aufeinandertreffen mit den blauen Leuten, welche ihm im Laufe des Films zeigen, worauf es wirklich im Leben ankommt. Hier werden sowohl junge Zuschauer als auch Eltern durchaus auf ihre Kosten kommen, was die Probleme und letztlich die Moral angeht. Überhaupt ist die Haupt- und Nebenstory (Wie kommen die Schlümpfe zurück ins Mittelalter? und Wird Neil Patrick Harris ein guter Vater, oder versaut er's?) clever miteinander verknüpft, so dass die Moral und Lösung des einen Problems auch die des anderen ist.
In der Gesamtheit ist die Geschichte also harmlos aber unterhaltsam, die Schlümpfe niedlich – obgleich auch gerne mal mit einem Augenzwinkern darauf Bezug genommen wird, wie nervig die kleinen, fröhlichen Wichte sein können, eben ähnlich wie Kinder....was vor allem durch Harris und Muffi Schlumpf deutlich gemacht wird, von dem man irgendwann den Eindruck gewinnt, dass er nicht etwa „einfach so“ schlecht gelaunt ist, sondern tatsächlich der einzige Schlumpf ist, der normal tickt und eben darunter zu leiden hat, dass alle anderen um ihn herum ständig fröhlich sind....was ich absolut verstehen kann -, und die Moral zum Ende nett für einen animierten Familienfilm. Und für mich am wichtigesten: Meine Kindheitserinnerungen wurden hier nicht mit Füßen getreten,
Allerdings ist das alles nicht, was den Film so großartig macht.
Warum der Film großartig ist
Das ist einzig und allein einem Mann zu verdanken: Hank Azaria, Originalstimme von verschiedenen Simpsons Figuren und Darsteller der Schlumpf-Nemesis, Gargamel.
Gargamel ist sehr, sehr, sehr unterhaltsam. Nicht bloß sieht Hank Azaria in der Maske tatsächlich aus, wie er – und auch ein wenig wie Bernard Hoecker -, er spielt den obsessiven, fanatischen, von Grund auf bösen und letztlich aber vollkommen inkompetenten Magier auch mit einer Überzeugungskraft, die mich persönlich unglaublich unterhalten hat. Es ist sogar egal, ob man die Schlümpfe leiden kann – Gargamel tut das ja auch nicht -, man kommt bei Hank Azarias Darstellung in jedem Fall auf seine Kosten, sofern man mit der überzogenen Böse-um-des-Bösen-Willens-Motivation und -Darstellung etwas anzufangen weiß. Gargamel ist ein sehr lustiger, sehr böser Schurke, über dessen herablassende, größenwahnsinnige Sprüche und Pannen man im Film immer wieder schmunzeln muss. Gerade Gargamels Monologe, Erfahrungen und Abenteuer in New York bieten älteren Zuschauern einiges an Unterhaltung, aber auch unser Wicht hat sich jedesmal gekringelt, wenn dem Zauberer in bester Daffy-Duck-Manier (verdient) irgendwas schmerzliches passiert ist. Hier sei auch explizit Azrael erwähnt, halb animierter, halb realer Sidekick. Der Kater und Gargamel sind immer wieder Stichwortgeber für den anderen, leben in einer Hass-Beziehung und bauen hervorragend aufeinander auf.
Mein Fazit ist, dass der Film mich nicht enttäuscht, sondern meine alte Liebe ernst genommen hat und ich annehme, dass dies auch bei vielen anderen Fans der Schlümpfe der Fall sein wird. Es ist ein sehr schöner teilanimierter Familienfilm, der aber auch ein erwachsenes Publikum zu unterhalten weiß, sofern man sich generell für kindgerechte Animationsmärchen begeistern kann. Und auch für den einen oder anderen, der mit fröhlichen, blauen Zwergen nichts anzufangen weiß, wird die Darstellung von Gargamel und auch sein Sidekickkater möglicherweise trotzdem Unterhaltung liefern können. Man drückt hier durchaus auch dem Schurken die Daumen - nur erwarten, dass er letztlich gewinnt...das darf man nicht. 😀
(Die Fortsetzung, die im Augenblick im Kino zu sehen ist, verknüpft das Ende des ersten Teils ausgezeichnet, erfindet das Rad aber auch nicht neu und macht im Grunde alles genauso, wie im ersten Teil. Die Moral ist ein klein wenig anders - nicht "Was macht gute Eltern aus?" sondern eher "Ist der Erzeuger auch der bessere Vater?" -, aber letztlich wiederholt sich alles. Was aber, sofern man den ersten Teil mochte, auch nicht weiter schlimm ist und ebenfalls zu unterhalten weiß.)