AW: Exodus
So... Auch hier ein paar Spoiler...
Jetzt hab ich auch Exodus gelesen. Und die erste spontane Meinung: Das Buch gefällt mir, direkt nach dem Quellenband "Traumsaat" als zweitbestes der gesamten Reihe. Exodus hat mir so unglaublich gut gefallen, das hat mich ziemlich beeindruckt.
Die Aufmachung gefällt mir schonmal außerordentlich gut, minimalismus in der Covergestaltung, denn manchmal ist weniger eben doch mehr. Die Tatsache die Story in 6 Teilen zu erzählen, E.X.O.D.U.S. in 6 Teile zu unterteilen... wirklich ansprechend gemacht.
Die Handlung findet aus eben sechs unterschiedlichen Perspektiven statt und verteilt sich über nen längeren Zeitraum. Sowas find ich total schön, weil es die Welt manigfaltiger beschreibt als wenn sich der Roman um einen einzelnen Protagonisten drehen würde.
Natürlich sind die paar Schnitzer in den Details bedauerlich und bei einem umfangreichen Lektorat (einmaliges Probelesen von einem unbeteiligten) sicher aufgefallen, aber sie haben mich so gut wie nicht gestört, da es in meiner Weltsicht eine Facette der Realität ist, dass wahrnehmungspsychologisch mehrere Personen das gleiche sehen und unterschiedliches wahrnehmen. Genaugenommen fand ich das irgendwie noch unterhaltsamer, als wenn alles genau abgestimmt gewesen wäre.
Die Vielzahl an Autoren und Protagonisten ermöglichte es eine riesige Anzahl an für die Storyline quasi unwichtigen Personen ins Spiel zu bringen, manchmal nur durch Namen, manchmal durch ein kurzes aber belangloses Auftreten. Das machte die sehr wohl mit wenigen Worten beschriebene Stadt Moskau sehr lebendig (wenn ich hier einen direkten Vergleich mit dem weit umfangreicher beschriebenen Cordova im Homini Lupus ziehe). Gerade belanglose Nebenhandlungen (die mir in Homini Lupus leider fast gänzlich gefehlt haben) haben die hier vorgestellte Handlung in ein lebhafte un umfangreiche Scheinrealität eingebettet, von der das Flair des Romans kräftig zehren kann.
Gerade die Tatsache, dass in den einzelnen Geschichten zum Großteil auf die Emotionen und die persönlichen Ansichten der Protagonisten eingegangen wird, und nicht nur stur Handlungen beschrieben werden, verleihen dem Roman Tiefe. Der Metaplot des Rollenspiels wird durch zwei Tatsachen drastisch beeinflusst:
- Fidels gefangennahme und eventueller Tod in Moskau.
- Das Exodus in Roma Aeterna.
Allerdings muss ich dazu sagen, dass für meinen Geschmack genau die richtige Menge an Metaplothandlung im Vergleich zu Zustandsbeschreibungen gefunden wurde. Dazu kommt, dass das Buch nicht diese schöne saubere Oberfläche bekommt, vor der es mich im Engelspiel so sehr gruselt, sondern es war in vielerlei Hinsicht sehr dreckig. Eingeschlagene Zähne, fehlende Gliedmaßen, hässliche Menschen. Solche sachen...
Natürlich gab es auch ein paar Sachen die mir nicht gefallen haben, die will ich auch nicht vorenthalten:
- Frauen werden in dem Buch seltsamerweise zu hinterhältigen Meuchlern oder Verräterinnen. Zumindest alle Protagonistinnen und auch irgendwie die Hälfte der nebenbei erwähnten Personen. Wenn auch der ein oder andere Mann nen Verräter abgegeben hätte, dann wär das gar nicht so aufgefallen.
- Moskau wurde mir etwas zu fortschrittlich beschrieben. Der Bau von Kraftwerken, das nebensächliche Abschließen eines Bikes... etwas viel für meinen Geschmack, aber okay, das ist storylinetechnisch eben so.
Alles in allem ein deutliches Plus mit absoluter Kaufempfehlung.
Zum Metaplot:
- Fidel ist in Moskau, aber ist er auch tot? Was meint ihr?
- Die Exodus ist in Roma Aeterna angekommen, wird aber mit Sicherheit noch eingesetzt werden, wozu sonst die ganze Mühe?! Im Roman wird deutlich, dass die ursprünglich zugedachte Aufgabe der Exodus sei den Brandlandkorridor in Russland zu durchdringen. Wenn aber nun das Brandland um Korsika durchquert werden soll, so sind das ganz andere Anforderungen.
Ich behaupte mich zu erinnern, dass die Fegefeuern in ihrer Breite (und damit auch das Brandland in seiner Breite) einer außerordentlich großen Varianz unterliegen... es also riesige Brandlandkorridore und nicht ganz so riesige Brandlandkorridore gibt. Und wenn die Fahrt durch die russischen Grenzen zu lang ist, so muss das noch lange nicht für die um Korsika gelten. Was meint ihr?