Die Deadlands-Dime-Novels sind zur Hälfte Kurzgeschichten (ca. 29-32 Seiten) eine Kurzgeschichte, in welchen der knallharte, untote Gunslinger Ronan Lynch und seine z.T. wechselnden Begleiter wie "Velvet" van Helter (Huckster), "Bad Luck" Betty (Range Gal), Hank "One Eye" Ketchum (Texas Ranger) die in der jeweils anderen Hälfte (also auf den hinteren 32-35 Seiten) der Dime-Novel befindlichen Szenarien durchleben/durchleiden.
Ich finde das eine sehr gute Art ein Szenario darzubieten. Man kann in der Kurzgeschichte gleich die Stimmung des jeweiligen Szenarios einfangen und erhält als Marshal Anhaltspunkte für eine sehr plastische Schilderung dessen, was man im hinteren Teil als normalen Szenarien-Aufschrieb finden kann. Man ist aber nicht auf die in der Kurzgeschichte präsentierte Art der Szenarioauflösung festgelegt, da z.B. nicht alle Aufgebote einen Harrowed dabeihaben, dem man schon mal mit einer Sharp's Big 50 die Wirbelsäule rausballern kann, und der sich dann nach ein paar Stunden und mit mieser Laune wieder aufrappelt und den Übeltäter heimsuchen wird.
Es ist aber auch nicht so, daß die Helden der Kurzgeschichte alles "richtig" machen. Sie versagen z.T. an Stellen, wo meine Aufgebote nicht versagt hatten, bzw. wo meine Aufgebote wesentlich kreativere Lösungen an den Tag gelegt hatten.
Die Szenarien selbst sind von unterschiedlicher Qualität.
- Perditions Daughter (sehr gut, interessante Gegenspieler, sehr spannend, das Aufgebot sollte besser etwas religiös sein, sonst muß es eventuell daran glauben...)
- Independance Day (sehr gut, ziemlich creepy, tolles Lokalkolorit in Dodge City, Krimi-Handlung und mehr...)
- Night Train (SEHR tödlich für unerfahrene Aufgebote, heißt auch "Player Character Death Train", fängt wie ein Krimi an, kippt aber bald um. Hatte ich erwähnt, daß es SEHR TÖDLICH ist?)
- Worms! (kann ebenfalls sehr tödlich werden, nur für erfahrene Aufgebote, die fit und trickreich sind - oder alle sind nachher tot.)
- Skinners (äußerst spannend und z.T. eklig, ein Krimi auf dem Mississippi)
- The Forbidden God (ein Deadlands "Dungeon Crawl" mit spirituellen Variationen, kurz und nettes Einstiegs-Szenario mit Mad Science und herzergreifenden Szenen)
- Adios A Mi-Go! (Cthulhu-Crossover, kann ziemlich tödlich sein, wenn man nicht seine cthulhoiden "Investigator"-Muskeln trainiert hat UND ordentlich Austeilen kann (immerhin ist es ja immer noch Deadlands - "If it bleeds, you can kill it..."), enthält Call-of-Cthulhu<=>Deadlands-Conversion-Regeln)
- Strange Bedfellows (Under a Harrowed Moon Teil 1) (Werewolf: The Wild West-Crossover., Ist völliger MIST. Enthält Deadlands<=>Werewolf-Conversion-Regeln. Die Garou-Charaktere sind selbst im Vergleich zu SEHR kompetenten und erfahrenen Deadlands-Charakteren absolut OVERPOWERED! Das sind ja filzige Superhelden im Fellkostüm (No Capes!) und das ohne jegliche Einschränkungen oder Nachteile, die das High-Power-Exploitation-Gaming irgendwie erträglich machen. Also: Furry Superheroes goes undergunned and undermanned Weird West. Man kann ja in Deadlands auch Werwolf-SCs spielen, doch sind diese dort schon wirklich heftig von ihren Vorteilen, die aber durch die Corruption ein wenig ausbalanciert werden. Die Werewolf: The Wild West SCs/NSCs sind jedoch wandelnde Ein-Wolf-Schlachthäuser mit weniger Schwächen als selbst die übelsten Abominations des Weirdwest. - Ich kenne Werewolf ja nicht wirklich, aber nach diesem Kontakt kann ich nur sagen: in den Weirdwest passen solche Mega-Über-Killer-"ich bin noch härter als alle Harrowed zusammen"-Charakter niemals. Die sollen von mir aus in ihrer Variante des Wilden Westens bleiben, wobei man sich dann schon fragt, warum dieser Werewolf-Wildwest nicht schon längst völlig entvölkert von normalen Menschen ist, wo doch diese Werwölfe solche Überflieger, "Seitwärtsgeher" und Rassenreinheitskrieger sind. - Die gesamte Werewolf-Deadlands-Crossover-Trilogie gehört für mich zu den schlechtesten Deadlands-Produkten, die je produziert wurden.)
- Savage Passage (Under a Harrowed Moon Teil 2) (Zweiter Teil, hier sind normale Deadlands-SCs (gedacht sind die aus dem ersten Teil, die den dortigen Werewolf-NSC zugesehen haben, wie diese das Szenario mit ihrer Megapower selbst lösen, und die halt einfach so mal mitgekommen sind durch das "Umbra" in den Werewolf-Wildwest. Das UN-Coole daran: sie können nichts mehr! Keine Manitous, keine Zauber, keine Wunder, keine Naturgeister, keine Mad Science - NIX! Sie sind nur arme Würstchen von Normalo-Gunslingern, die hier NOCH WENIGER Chancen gegen die sogenannten "Black Spiral Dancer"-Werwölfe haben, die sie als Gegner vorgesetzt bekommen. Das ist ein ziemlich sicherer Total Party Kill, falls es die Deadlands-SC wirklich ernsthaft versuchen mit den X-(Wolf-)Men aufzunehmen. Und noch dazu frustrierend. Ich dachte früher immer, die Deadlands-Charaktere seien ja schon ziemlich mächtig, highpowered, weil das harte Deadlands-Setting das ab kann und sogar erfordert. Im Werewolf-Setting kommen sie mir wie lahme Enten und Spielzeug-Cowboys vor. Wer seinen liebgewonnenen Deadlands-SC "unter die Wölfe" kommen läßt, der kann gleich "Adios!" sagen. - Dieser zweite Teil ist sogar noch schlechter als der erste, da das Szenario davon ausgeht, daß die SCs die Auseinandersetzung mit den "Black Spiral Dancers"-Bigger-Badder-Wolfs ("Super-wolf me!") auch noch VERLIEREN MÜSSEN! Ich nenne es: "Frust: Die Enttäuschung", ein Rollenspiel für leidenswillige Spieler, die gerne gegen verfilzte Superhelden-Nazis verlieren wollen.)
- Ground Zero (Under a Harrowed Moon Teil 3) (Der dritte Teil spielt wieder im Weirdwest. *uff* Aber halt, er ist ja wie Star Wars der dritte Teil (ich meine natürlich die RICHTIGEN und EINZIGEN drei Star Wars-Teile, nicht die ominösen "Episode X"-Dinger, von denen man Lichtsäbel-Allergie und Computertrick-Blindheit bekommt). Der dritte Teil ist praktisch die identische Handlung des ersten Teils ("Wir fliegen zum Todesstern und jagen den Reaktor darin hoch."), nur sind die Bösen jetzt noch mächtiger und noch böser und überhaupt. - Zur gesamten "Under a Harrowed Moon"-Trilogie: schade, daß man ganze DREI Dime-Novels verschwendet hat, um aufzuzeigen, wie auch nur eine "Faustvoll Werewolf-NSCs mehr" ein Setting wie das Weirdwest-Setting durch deren Superhelden-Werwolf-Genre zum Kippen bringen können, weil nun einmal keine Superhelden in Horror-Steampunk-Western reinpassen und alles und alle mit einem Schwanzwedeln aufmischen können. Im Ernst: solch ein Garou hat in seiner Nicht-Clark-Kent-Form Charakteristikwerte, die selbst die größeren Furchtsäer nicht zu Papier bringen können. So ein Charakter ist nur mit den direkten "Servitors" (ohne Spoiler erkläre ich hier mal nicht, was das für welche sind) zu vergleichen. Und davon gibt es SEHR wenige im Weirdwest. - Für mich die miesesten Dime-Novel EVER!)
Bis auf die Werewolf-Crossover-Nieten sind die Dime-Novels aber allesamt SEHR EMPFEHLENSWERT.
Gerade auch für Zwischendurchszenarien, für One-Shots, für Cons, etc. bestens geeignet.
Meine Empfehlung: Kaufen!