Das Beschauliche Aventurien (das darunter verschiedene Leute durchaus sehr verschiedene Zeitspannen verstehenhaben wir ja schon festgestellt) hat aber auch als Setting seinen eigenen Charme.
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Etwas anderes, was ich daran mag, sind gerade die fehlenden Grautöne. Das muss man nicht mögen, aber wenn man Liebeskomödien nicht mag geht man auch nicht in einen Sandra Bullock Film und findest es unpassend, dass Bruce Willis noch nicht aufgetaucht ist und niemand erschossen wurde. An sich bevorzuge ich Settings mit vielen Grautönen, aber von denen kenne ich auch ausreichend. Settings mit eindeutigem Gut/Böse kenne ich eher wenige (das kann bei anderen Personen natürlich anders sein) und von denen finde ich Aventurien als eins der schönsten. Klar würde ich dort keine Conan-inspirierte Kampagne spielen, aber für Abentuer, die sich an Märchen und Feengeschichten orientieren passt Aventurien super ... und es ist vielfältiger als das Auenland 😉
Danke, Du sprichst mir aus der Seele. M.E. ist mit der Borbarad-Kampagne ein ziemlich radikaler Schnitt passiert. Das frühere Spiel "ohne Grautöne", bei dem die Spielercharaktere per Definition "Helden" sind und die Welt eher eine gemütlich-romantisierte Fassung größtenteils europäischer Länder mag aus der Mode gekommen sein. Zu sagen, dass es "verboten" ist, wie das die Fans des aktuellen DSA gerne tun, ist aber eben Unsinn. Es hat Spaß gemacht, schlicht die Helden zu spielen und nicht jeden Tag hochkomplexe moralische Entscheidungen treffen zu müssen.
Es war aber vor allem ein Alleinstellungsmerkmal von DSA. Am ehesten ähnelte dem noch das Setting des schon verstorbenen Seventh Sea - wenn man da mal die Bände zu den Geheimgesellschaften ignorierte. Ansonsten gibt´s als "Romatic Fantasy" eigentlich nur noch "Blue Rose", welches aber noch deutlich stärker ins märchenhafte driftete als das alte DSA.
Sowas wie die Schwarzen Lande als Reiche finsterster Mutanten, Untoter und Magie gab´s dagegen so ziemlich in jeder D&D Welt. Oron war dazu auch noch peinlich. Das ganze High-Fantasy-Gedudel mit fliegenden Festungen und Dämonen an jeder Straßenecke ist ebenfalls nicht so spannend. Die Krönung dieser Entwicklung ist m.E. das unsägliche "Demonicon" - das komplette Gegenteil des früheren DSA.
Das neue Alleinstellungsmerkmal von DSA scheint dagegen heute zu sein, dass mindetens einmal im Halbjahr neue Regeln eingeführt werden, um das ganze komplizierter zu machen - ich bin seit Jahren mal wieder Spielleiter und stelle erstaunt fest, dass ich allein zum Mitschleppen der Regelbände jedesmal den PKW-Kofferraum vollstopfen muss - und dass es diesen hektischen Metaplot gibt, bei dem mindestens einmal im Jahr eine beinahe Weltvernichtung mit der Zerstörung ganzer Reiche erfolgen muss. Das ist aber eben echt anstrengend - und eigentlich spiele ich DSA nicht beruflich, sondern in meiner Freizeit.
Wobei anzumerken ist, dass der Band "Vater der Fluten" ein bisschen einen kurzen Rückblick ins "beschauliche Aventurien" darstellte. Auch die beiden Daedalic-Adventures sind in diesem Zusammenhang eher altes Aventurien als neues. Vielleicht gibt´s ja irgendwann mal mehr dazu.