AW: Würfeln vs Wise Storyteller(TM)
Also, ich mag meine Würfel auch sehr gern, auch wenn ich in diesem Thread beide Standpunkte im Großen und Ganzen nachvollziehen kann.
Würfeln ist eine feine Sache, auf die ich aus bereits in anderen Postings genannten nicht verzichten will (Spannung, Spiel und manchmal süße, manchmal bittere Schokolade 😉 ), aber dauernd und für alles würfeln ist meiner Meinung nach Quark. Hab auch schon Abende erlebt in denen keinmal bis einmal gewürfelt wurde und ich habe es auch nicht vermisst, weil es einfach lief. Solche Abende sind ziemlich angenehm und egofördernd, weil man am Ende genau weiß, dass man alles selber erreicht hat und keinen Wurfauf Streetwise, Überreden oder sonstwas dazu gebraucht hat.
Aber bei Kämpfen würde ich weder als Spieler noch als SL drauf verzichten wollen. Dinge wie "Ich hol blitzschnell meine Wumme raus und schieße ihm den Schädel weg!" "Hmmm...das ist ein NSC, den ich nicht gleich verlieren will....jetzt stehts Schießen: 8 gegen Menschenkenntnis: 8 zwischen 2 Leuten, die sich noch nie gesehen haben. Herrlich! Er, äh, rechnet damit und weicht der Kugel erfolgreich aus." finde ich blöd, wenn sowas passiert sollte man meiner Meinung nach die Würfel entscheiden lassen und nicht den Willen des SL geschehen lassen.
Bei Nahkämpfen find ich es aber gut, wenn die jeweilige Aktion nicht nur gewürfelt, sondern auch beschrieben wird, damit ist Würfel- und Rollenspiel gedient. Wenn man bei Nahkämpfen nicht würfelt, läuft man meiner Meinung nach Gefahr, immer wieder in altbewährte Muster zu verfallen....Wenn man mal mitgekriegt hat, dass man bestimmten Schlägen so und so ausweichen kann und gleichzeitig der und der Move bisher immer erfolgreich war, dann macht man es immer wieder, egal ob SL oder Spieler und die Kämpfe dauern immer länger, bis einer der Beteiligten sich mehr oder weniger freiwillig treffen lässt. Oder man lernt mit der Zeit sein Gegenüber am Tisch besser kennen und kann die nächste Aktion fast schon vorhersagen, was zum selben Ergebnis führt. Das muss natürlich nicht immer und überall passieren, manche Leute haben vielleicht unerschöpfliche Vorstellungskraft für verschiedene erfolgreiche Arten von Draufschlagen, aber mit Beschreiben und Würfeln finde ich den Kampf deutlich spannender.
Wenn es z.B. darum geht, zu recherchieren, sollte allerdings schon mehr drin sein als ein Wurf auf Bibliothekswissen. Der Spieler sollte zumindest schon sagen können, in welcher Abteilung er sucht oder mit welchen Schlüsselwörtern er Google füttert. Je genauer er ist, desto leichter kann der Wurf werden oder ganz weggelassen werden.
Ein bißchen Denken gehört immer dazu, aber man sollte nicht vergessen, dass die Spieler ja tatsächlich i.d.R. andere Kenntnisse haben, als ihre Charaktere und an bestimmte, vielleicht wichtige Dinge einfach nicht wissen oder können. Wenn ich immer nur das spielen könnte, was ich auch im realen Leben halbwegs verstehe oder beherrsche, dann hätte ich bereits nach meinem dritten Spiel-Abend festgestellt, dass Rollenspiel eine ziemlich langweilige Sache ist...
Einen Spieler, der im realen Leben nicht sehr wortgewandt ist, eine Rede halten zu lassen ist eine lustige und amüsante Sache für die Mitspieler und den SL...die Rede geht total in die Hose, alles am Tisch ist am lachen, der Redner peinlich berührt und der SL sagt dann "Dein Wert ist so hoch, die Menge liebt dich und Deine wundervolle Rede." Diese Situation ist nur ein Beispiel, aber ich persönlich käme mir bei sowas ehrlich gesagt ein bißchen verarscht vor...und vor meinem Eintritt in eine Runde den Eignungstest "Sind Sie ein guter Rollenspieler? Kriegen Sie das hin?" zu machen läge mir auch nicht, auch wenn es solchen Problemen vorbeugen würde.
Naja, genug blabla, es wird spät. Mein Fazit also: Würfeln ist sehr gut, muss aber nicht immer und bei jeder Gelegenheit vorkommen!!
PS: Lassen Sie niemals einen Zwerg in Rüstung auf Schleichen würfeln, das ist lächerlich! 😉
PPS: Nur zur paranoiabedingten Prophylaxe aufgrund von Erfahrung: Nichts in diesem Posting ist böse oder persönlich gemeint und Schlipse, die so lang sind, dass ich drauftreten könnte trägt hier sicher keiner 🙂)