Ja und nein.
Was in der echten Welt geschah:
CCP (eine Computerspiele Firma aus Island) ist mit White Wolf fusioniert, aber es war wohl mehr eine Übernahme. Man hat sich verstärkt auf den "neue" WoD konzentriert, an einem MMORPG gearbeitet und eben das gut recherchierte V20 herausgebracht, ein Band der als Jubiläumsband Vampire zu seiner "Hochzeit" zwischen 2nd und revised als Nostalgie-Omnibus-Edition beleuchten sollte. Etwa zu dieser Zeit hat man aber White Wolf in Altlanta ganz dicht gemacht und den ehemaligen Art Director Richard "Rich" Thomas ermutigt eine eigenen Firma zu gründen "Onyx Path Publishing" (OPP). OPP hat dann einige White Wolf Spiele direkt gekauft (Scion, Aberrant, usw.) und für andere die Lizenz erhalten, Bücher herauszubringen (cWoD, nWoD, Exalted). Allerdings nur Tabletop. Die Live Lizenzrechte gingen an eine Firma namens "By Night Studios". Zunächst hat OPP mit weiteren Jubiläumsbänden nachgelegt - den die Jubiläen von Werwolf und Mage standen ja an. In diesem Zeitfenster wurden auch neue Vampire-Bücher gemacht und einige Bücher die in der revised nicht mehr rauskamen nachgelegt (z.B. Mage-Technokratie-Conventbücher). Es bestand wohl bei den Freelancer-Autoren und dem Lektorat nicht wirklich Einigkeit, wie man hier umgeht. Ein Conventbuch sagt wohl im Vorwort "die Time of Judgement kam und ging, ohne Weltuntergang" andere ignorierten den Sachverhalt also optionale Scenarien, andere wiederum blieben vor den Ereignissen.
Dann kam plötzlich die Nachricht, dass CCP die gesamte White Wolf Sparte an eine andere Computerspielfirma, nach Schweden verkauft: Paradox Interactive. Dort sollte White Wolf als eigenständige Tochter neu gegründet werden. OPP und der deutsch Übersetzer Ulisses waren davon damals wohl auch relativ überrascht, weil man nicht wusste, ob die Lizenzverträge bestand haben würden. Hatten sie aber. Das neue schwedische White Wolf stellte sich als Lizenzgeber-Firma auf, mit der Policy, die cWoD wieder zu einzigen WoD zu machen und die nWoD in "Chronicles of Darkness" umzubenennen. Verkündet wurde das u.a. bei einem Ulisses Con bei Köln.
Nun war klar dass OPP weiterhin WoD Bücher herausbringen würde und sie kündigte einige an. Darunter die nächste Edition von Vampire. Hier wurden sie aber schnell von White Wolf zurück gepfiffen. Entgegen ihrer eigenen Aussage, eine Lizenzgeber-Firma zu sein, wollte man V5 doch inhouse entwickeln. Hat man gemacht. Ist ja vor kurzem rausgekommen. Paradox war aber wohl nicht so glücklich. Sie haben ihre Tochterfirma wieder aufgesaugt und V5 als Lizenz an Mödipheus gegeben (obwohl OPP auch V5 Bücher herausbringt). Wie lange die einzelnen Lizenzen laufen, wissen wir nicht. Eine Lizenz für ein Werwolf Computerspiel ist auf jeden Fall vergeben.
In der Spielwelt:
OPP hat ein Buch "Becketts Jihad Tagebuch" herausgebracht, dass den Metaplot für Vampire definiert, auf dem dann V5 aufbaut. Was da von ToJ drin ist und was nicht, weiß ich nicht, habe es nicht gelesen. Aus V5 wissen wir, dass der Sabbat sich in Kriesenherde zurück gezogen hat und dort Konflikte schürt. Die Camarilla war einst der Auffassung alle Kainiten zu beherrschen, nun aber hat sie sich zu einer Geheimorganisation gewandelt, die neue Mitglieder einlädt. Die Mehrheit der Kainiten sind Anachen und kennen nur die Maskerade als Gesetz. Die Technokratie hat menschliche Geheimdienste und regierungsnahe Organisationen mit Wissen und Mitteln ausgestattet die Kainiten zu jagen: Die 2nd Inquisition. Ohne technische Hilfsmittel sind die Domänen voneinander abgeschnitten. Jede Stadt ist wieder ein eigenen Herrschaftsgebiet, vergleichbar mit den Dark Ages oder der ersten Edition von Vampire, bevor Camarilla und weltweite Ereignisse immer eine größere Rolle spielten.
Wir wissen wenig über die anderen Spiele, außer dass der Lead-Storyteller von White Wolf Martin Ericson and der neuen Edition von By Night Studios Werwolf-Regeln mitgearbeitet hat und diese eben nicht nur neue Regel, sondern auch ein stark verändertes Setting haben:
Die meisten großen Caerns sind zerstört. Aus den bestehenden Caerns lassen sich Shards herauslösen, mit denen man irgendwo neue Caerns 'pflanzen' kann. Die Garounation hat sich in zwei Lager geteilt, Traditionalisten und Pragmatiker. Die Stämme teilen sich auf diese Lager auf, wobei ein Stamm neutral ist und jeder individuelle Garou zum anderen Lager gehören kann, als die Mehrheit seines Stammes. Quasi jeder Mensch der noch so viele Generationen zurück irgendwann man einen Garou in einer Ahnenlinie hatte kann nun Garou werden. Durch einen Biss und eine Transformation, die sich etwas liest als die Birthing Plague der Ratkin. Das Verhältnis zu den Fera hat sich auch geändert und noch viele andere Dinge.
Insgesamt sind diese Setting Änderungen etwas, dass schon einen Plot hat, der es rechtfertigt, aber wie ich über die Jahre bei Charakterzulassungen und Charaktervorgeschichten gelernt habe ist, dass man jeden Scheiß mit irgend etwas in einer Charaktervorgeschichte rechtfertigen kann. Viele der Designänderungen haben auch sicher pragmatische Gründe - man kann nun z.B. eine Werkatze spielen - die Regeln im Grundbuch erlauben die Charakterauswahl, diverse Punktekosten die das mit sich bringt legitimieren die Charakteroption und weil das Setting sich geändert hat ist die Katze nun auch akzeptierter im Spiel als zuvor. Brauchte man das? Nun, ByNightStudio dachte die LARP-Szene in den USA brauchte das. Wir werden sehen ob diese Änderungen auch in einer fünften Edition von Werwolf auftauchen werden, wenn sie für das tabletop herauskommt.
Übrigens:
2nd revised ist nun offiziell die dritte Edition.
Die 20th Anniversary Bücher und nachgeschobenen Supplements sind nun umdefiniert als die vierte Edition.