AW: Batman Begins
Das war tatsächlich eine von vielen sehr starken Konzeptänderungen die Burton vorgenommen hat. Deshalb zähle ich die Burton- und die Schumacher-Teile auch nicht als Verfilmungen sondern als Neuinterpretationen. Ähnlich wie Baz Luhrmanns Romeo & Juliet zwar auch eine schöne Reinterpretation des Stoffes war, aber eben keine Scriptverfilmung.
Burton hat aus dem irrationalen, unvorhersaberen Bösen, das der Joker als komplett wahnsinniger Massenörder verkörpert einen zynischen, relativ rational denkende, an Macht interessierten Gangster gemacht. Der noch dazu im Film eine biographische Verbindung zu Bruce Wayne hat. Währenddessen lebt ihre Beziehung im Comic eher von der völligen Gegensätzlichkeit der Charakterkonzepte. Jegliche biographische Beziehungen fehlen dort (oder fehlten zumindest bevor der Joker Jason Todd umbrachte und Barbara Gordon querschnittslahmte - nun ist es ja durchaus persönlich *g*).
Im zweiten Teil dann wurden wieder Figuren grundsätzlich geändert. Aus dem verwöhnten Luxuskind und Hobbydiebin Selena Kyle wurde eine schizophrene Büromaus, aus dem gerissenen Unterweltkönig Pinguin ein hasserfüllter Ausgestoßener.
Noch dazu fehlte Robin, der einfach wirklich ein integraler Bestandteil ist.
Joel Schumacher hat dann im Grunde in der selben Tradition weitergemacht und äusserst großzügig Konzepte übernommen oder geändert wie es ihm in den Kram gepasst hat.
Der wichtige Unterschied, der IMHO den Unterschied zwischen den sehr guten Burton-Interpretationen und den unnötigen Schumacher-Interpretationen macht ist aber, das Burtons Veränderungen dem Erfolgsdruck geschuldet waren. Batman erschien zu einer Zeit, als noch nicht bei jedem Zuschauer eine zumindest grundlegene Vorbildung vorausgesetzt werden konnte. Also mussten Batman und der Joker verbunden werden, damit der Zuschauer nicht ratlos einen Plot-Zusammenhang sucht, den es eigentlich nicht gibt. Da dann aber der Joker schon der Gangsterboss war, konnte das Konzept im zweiten Teil natürlich nicht widerholt werden. Und auch hier hat Burton den drei Figuren wieder einen Zusammenhang gegeben, den sie so nicht haben. Einfach damit es für den ungebildeten Zuschauer verständlich wird.
Burton ist trotz allem immer dem Geist von Batman (oder zumindest der Gothic-Horror-Fantasy Facette) treu geblieben. Schumacher dagegen hat nicht nur völlig willkürlich und vor allem sinnlos (welchen Sinn hatte es z.B Batman im vierten Teil markige Sprüche zu geben?) wichtige Grundkonzepte geändert sondern sich auch völlig vom Geist der Comics verabschiedet.
Und gerade das hat die Schumacher Teile so schlecht gemacht.
Batman Begins auf der anderen Seite ist der erste Batman-Film den ich als Literaturverfilmung werten würde.
Denn Nolan hat sich tatsächlich darum bemüht alle wichtigen Konzepte beizubehalten. Batman hat seinen Reiz immer daraus bezogen, dass es ein Comic mit starken Charakterkonzepten war die aufeinander losgelassen wurden. Charakterentwicklung und Plot war bei Batman schon immer Nebensache. Das bringt der Film sehr schön herüber. Er ist durch die Bank weg hervorragend besetzt, die Charaktere sind sehr nahe an den Comicvorlagen und vor allem wird die Stimmung in beiden Facetten (Dark Fantasy/Gadgeteering) sehr stark wiedergegeben. Batman -und übrigens auch fast alle seine Gegner- hat keine Superkräfte und muss dies mit technischen Hilfsmitteln ausgleichen. Burton legte für meine Begriffe zu starken Stellenwert auf den Dark Fantasy-Aspekt (gewissermaßen wie Batman aus der Perspekive seiner Opfer bzw. Feinde wirkt - insofern hat er der Arbeit von Kelly Jones sehr gut vorgegriffen). Schumacher dagegen legte zu starken Stellenwert auf das Gadgeteering- dabei vernachlässigte er aber das Dark-Fantasy Element völlig.
Nolan hat daraus eine sehr stimmige Synthese gebildet. Alle Dinge in dem Film sind ziemlich realistisch, aber eben doch an den richtigen Stellen übertrieben genug um ganz klar als Fantasy aufzufallen.
Noch ein letztes Wort zum großen Christian Bale: Er ist IMHO der erste Darsteller der es schafft die Facetten Bruce Wayne und Batman zu vereinen. Er hat das gute Aussehen und das Charisma des reichen Playboy und die physische Präsenz und die bedrohliche Ausstrahlung des Batman.
Michael Keaton als alter Kampfsportler war zwar ein hervorragender Batman- doch den Bruce Wayne habe ich ihm nie abgenommen. Val Kilmer dagegen war ein guter Bruce Wayne, aber für Batman viel zu unbeweglich. Und George Clooney... Naja... George Clooney hat versucht in die Rolle Humor reinzubringen. Mehr muss man über seine Eignung und sein Maß an Verständnis der Rolle nicht sagen oder?
Fazit: BB ist die einzige echte Batman-Comicverfilmung die es bisher gibt und dabei auch gleich eine hervorragende.
Alles was es vorher gab war zu weit von den Comics entfernt (wobei ich mir bei den Adam-West-Teilen nicht wirklich sicher bin... ich hab noch nie nen Batman aus der Zeit gelesen) um als Literaturverfilmungen zu zählen und sind deshalb mit BB nicht zu vergleichen.
Aber ja: Die Tim-Burton-Interpretationen fangen das Flair gut genug ein um als gelungen zu zählen.