[16.05.2008 ] Die Geissel läd´ ab, ...

Ithamar

Halbgott
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Kommt von hier http://www.aktion-abenteuer.de/b/th...n-alpen-bis-zur-waterkant.82253/#post-1791197 - gleicher Post wie dort, zur besseren Übersicht

Der Weg zur Akademie war wenig spektakulär. Die Geißel hatte ihm noch die Amtsträger genannt, die Elysien und einen wahnsinnig kurzen Abriss der momentanen Situation gegeben, wobei wahnsinnig hier natürlich wortwörtlich zu nehmen war. Die beiden hatten den gleichen unbefleckten Blick auf die Wahrheit um sie herum.

Mit den Worten „Angenehme Nacht und bei Problemen, ruf mich.“ hatte Malik Ithamar aus dem Auto komplimentiert und war in die Nacht gebraust.

Das Mondkind stand bestimmt eine halbe Stunde vor der Tür zur Akademie und betrachtet diese. Den Türklopfer, die elektronischen Augen, die Maserung des Türblattes. Die Beschaffenheit der Wände und er schien Zwiesprache zu halten mit sich und seiner Umgebung. Er stand einfach da. Den Mantel über dem einen Arm und die andere Hand an der Umhängetasche. Wartend. Auf den richtigen Moment.

Dann war er bereit. Ein winziger Schritt und er berührte die Tür und den Klopfer.

„Exzellenz Monsignore Galante , Seneschall Sybille d'Auvergne, Krone und Rose, ….!“ murmelte er vor sich hin, immer wieder, so als hatte er Angst die Namen zu vergessen.
 
Wie stets verkündete ein deutliches Klicken im Schließmechanismus der Tür, dass der Zugang in die heiligen Hallen der Akademie nun ermöglicht war.
Durch einen kleinen Vorraum, der es den Besuchern ermöglichte Regenmäntel, Hüte oder Schirme abzulegen und sich vor einem kunstvollen Spiegel ein letztes Mal zurechtzumachen, gelangte man in das eigentliche Büro.

Hier saß eine geschäftige blonde Ventrue, halb auf den eingetroffenen Gast wartend und zur anderen Häfte mit einer wichtig erscheinenden Akte beschäftigt.
 
Nachdem der Malkavianer abgelegt hatte, betrat der das Büro, schritt vor den Schreibtisch. Dann ging er ganz langsam zuerst in die Hocke, dann auch die Knie und verbeugte sich tief. Tiefer würde bedeuten, nach vorne mit der Stirn aufzuschlagen.

Wie er in dieser Haltung eine evtl. Reaktion der Seneschall bemerken würde, war sein Problem. Er war sich sicher dieses Kunststück vollbringen zu können.

So harrte er, wie er es gelernt hatte, aus und wartete bis er das Wort erteilt bekommen würde.

Beiläufig stellte er fest, dass das Muster des Teppichs so geknüpft war, dass, je nachdem wie man die Fäden zählte und sortierte auf eine gerade oder ungerade zahl kam.

Interessant, hier steht wohl noch nichts fest. Hier war alles möglich. Hach, das freut mich.
 
Ist das der, nachdem ich verlangt habe?

"Bitte erheben Sie sich!"

Es war ungewöhnlich, dass Sybille von sich aus das Gespräch eröffnete. Die Etikette verlangten grundsätzlich, dass der sich vorstellende Kanit nach der Verbeugung mit Namen, Stammbau und Herkunftsort vorstellte. Aber die Ventrue hatte nicht die Geduld um so lange zu warten. Dies war ihre letzte Nacht als Seneshall in dieser verfluchten Stadt. Sollten sich doch alle ihre Etikette sonstwo hinstecken. Sybille wies dem Mann einen freien Sitzplatz direkt gegenüber ihres Schreibtisches zu. Sie war neugierig ob sich der Mann setzen oder sich zuerst den Regeln entsprechnd vorstellen würde.

Vielleicht sollte ich von nun an nur noch so vorgehen? Verwirre jene dich sich dir beugen durch unkonventionelles Verhalten und beobachte ihre Reaktion. Wieviel konnte man aus diesen wenigen Sekunden lernen...

Auffordernd blickte sie den Malkavianer an.
 
Wenn mal es genauer betrachten wollte, dann war seine Auffassung der traditionellen Vorstellung eine andere als ihre. Aber auch er würde hier nicht in Diskussionen verfallen. Man redete er nach Aufforderung.

Also stand er auf und verbeugte sich sofort wieder, legte die rechte Hand an die Brust und …

„Ithamar von Stein, Ancilla vom Clan des Mondes. Ich erbitte gemäß den Traditionen der Camarilla um das Gastrecht.“

Er würde sich nicht setzten. Warum auch. Der Stuhl war dreckig. Es lagen 2 Flusen darauf, zumindest für ihn. Das ganze Büro war … staubig. Es roch nach Aufbruch. Nach Umbruch.
 
"Das ich Ihnen gerne gewähre!"

Lächelnd wiese die Ventrue ihrem Gast einen Stuhl an, damit er sich setzen möge. Sybille verhielt sich erst einmal passiv. Sie wollte sehen mit wem sie es zu tun hatte und ob sich ihr anfänglicher Verdacht bestätigen würde. Während sie weiterhin sprach, griff sie nach einem bereitliegenden Ordner und hielt diesen dem Malkavianer hin.

"Was ist der Grund Ihres Besuches und wie lange gedenken Sie unsere Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen, Herr von Stein?"
 
Das waren dann ja zwei Fragen auf einmal. Und das so ganz ohne Zwang. Wollte sie das wirklich wissen? Oder nur Smalltalk? Er öffnete die Akte und überflog sie. Den Inhalt würde er sich zu gegebener Zeit intensiv und genau zu Gemüte führen. Und selbstverständlich vollständig und nach bestem Wissen und Gewissen zurückgeben, innerhalb von drei Tagen, so wie es hier drin stand. Falls er da noch in Finstertal weilte, …. denn ...

Sein Kopf ruckte hoch:

„Die Wege des Herrn sind unergründlich , heißt es. Doch die seiner Hirten sind es manchmal auch. Welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!"

Er lächelte, quasi um kurz Luft zu holen.

„Der Pfad der Gerechten ist zu beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet sei der, der im Namen der Barmherzigkeit und des guten Willens die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet. Denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder. ICH will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen meine Brüder zu vergiften und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, daß sie erfahren sollen: Ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe!“

Damit war für ihn alles gesagt.
 
"Sie zitieren aus Pulp Fiction? Ich nehme an, dass ich Ihnen nicht sagen muss, dass dieses Zitat nicht tatsächlich der Bibel entstammt? Es gibt zwar im 25. Kapitel des Buchs Ezekiel der Bibel einen 17. Vers. Dieser lautet jedoch: „Und ich werde durch Züchtigungen des Grimmes große Rache an ihnen üben. Und sie werden wissen, dass ich Jahwe bin, wenn ich meine Rache über sie bringe.“ Der von Ihnen zitierte Vers ist dagegen aus verschiedenen Bibelstellen zusammengesetzt. Aus Psalm 1,6; 23,3; 37,5; Sprüche 2,20: Der Pfad der Gerechten ist gesäumt von Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei der Verworfenen. Desweiteren aus den Psalmen 52, 3; 53, 2 sowie 6; 71: Gesegnet sei, der im Namen der Barmherzigkeit die Schwachen. Aus den Sprüchen 14, 21: Durch das Tal der Dunkelheit. Im Psalm 23, 4 findet sich: Geleitet, denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und in der Genesis 4, 9 ist zu lesen: Und der Retter der verlorenen Kinder. Damit nicht genug zeigen der Psalm 79, 11; 102, 21, Jeremia 3, 14 u. 22, Ezechiel 34, 16, Matthäus 15, 24; 18, 11 und Lukas 15, 24 folgende Worte: Ich will bittere Rache an denen üben, die da versuchen, meine Brüder zu vernichten und sie mit Grimm strafen, dass sie erfahren sollen, dass ich der Herr bin, wenn ich Vergeltung an ihnen übe. Hinzu kommen einige freie Erweiterungen um den Text flüssig zu halten. Ich verstehe jedoch, Herr von Stein, dass sie mir sagen wollen, dass sie gekommen sind um zu richten."

Dem langen Monolog folgte ein müdes Lächeln.

"Ich reise seit langer Zeit mit einem besessenen Kirchenmann durch die Welt und habe darüber hinaus selbst eine entsprechend vorbelastete Vergangenheit. Die Kenntnis von Bibelstellen und Zitaten hat sich zur Zeiten der Inquisition als lebenserhaltend notwendig erwiesen. Aber ich will auf Ihren Hinweis des Richtens zurückkommen. Darf ich annehmen, dass Sie aufgrund meiner Anfrage hergesandt wurden? Ich will diesbezüglich nicht näher ins Detail gehen, würde jedoch gerne wissen, ob ich Ihnen den nötigen Vertrauensvorsprung geben kann."
 
"Das ist richtig!"

Was jetzt genau?

"Und das Zitat aus dem Munde von diesem Jackson gefällt mir besser und ist der Wahrheit einsichtiger geschuldet. Und, ... chapeau. Vielen Dank, dass ich jemanden treffen durfte, der die Bibel nicht nur als Werk der Vergangenheit kennt und dessen Kenntnisse so fundiert sich darzustellen vermögen, als wie es die ihren tun und lassen."
 
"Sie haben drei Nächte Zeit den ausgefüllten Fragebogen an die Akademie zurückzugeben. Sofern Sie Ihres Auftrags gemäß tätig werden wollen, erhalten Sie von meiner Seite aus freie Hand. Allerdings schlage ich vor, dass Sie zumindest die Geißel und meinen Nachfolger über ihre Vorhaben informieren. Ich selbst werde diese Stadt morgen verlassen!"

Sie schenkte dem Malkavianer ihr schönstes Standardlächeln.

"Haben Sie noch Fragen oder Wünsche, die es zu besprechen gilt?"
 
„Drei Nächte also. Drei. …“

Er war gespannt, ob sie auch hier fundiertes Wissen hatte und es mit ihm teilen wollte.

„Die Drei steht für die Dreieinigkeit. Ja, genau. Die Drei sagt, daß alles in einer Dreiheit auftaucht. Für uns heißt das Überbewußtsein, Bewußtsein und Unterbewußtsein.. In bezug auf Gott kennen wir die Dreifaltigkeit Gottes. Des Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. – Amen - Aber hier sehe ich anders. Differenzierter.
Wenn sich eine männliche mit einer weiblichen Energie vereint, entsteht etwas drittes, das vorher nicht da war. Das ist ein Schöpfungsprozess. Hier ist Schöpfung in Finstertal angezeigt. Hier entsteht was Neues. Aber was?
Aus unserer Sicht ist es so, dass als die Zwei entstand, automatisch die Drei entstand, nämlich die Kombination aus den beiden Bestandteilen der Zwei, z.B. aus Gut und Böse. Und ich bin also die drei? Und sie verlassen uns? Schade, wirklich. Und wie ich die Geissel informieren werde … … … schon erledigt! Danke der Nachfrage. Freie Hand also. In Ordnung. Schreiben sie das nieder? Und wirklich schade. Ein Augenschmaus geht verloren. Wird er ersetzt? Und durch was und wen? Durch eine vier? Möglich, möglich. Aber vielen Dank. Keine Fragen. Keine Antworten mehr.“

Als Vampir musste man keine Luft holen beim Reden und so gab es kaum Pausen. Der Malkavianer redete. An einem Stück. Bis er fertig war. Dann, …

War er entlassen? Er blieb sitzen. Natürlich blieb er sitzen, was denn sonst.
 
"Die Dreifaltigkeit, im Christentum begründet durch den Apostel Paulus, der da besagte: Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei bei euch! Meiner Meinung nach begründet sich die Dreifaltigkeit aus einer Notsituation der Kirche. Durch die Präsenz Jesu Christi hier auf der Erde wurde ein Bindeglied geschaffen, dass den Menschen der Heiligkeit Gottes zu Nahe bringt. Ein Gottessohn zum Anfassen sozusagen. Ein Umstand, der in den ersten Jahrunderten unserer Zeitrechnung eher Kontraproduktiv zu bewerten war. Also musste man unterstreichen, dass Gott auf einer vollkommen anderen Ebene schwebt. Unerreichbar ist, der Eine, der Einzige, der allmächtige Vater. Im Gegensatz zu seinem Sohn aber, ist er zu weit weg. Zu abstrakt, als das man sich etwas greifbares darunter vorstellen könnte. Was, wie wir beide wissen sogar von der Kirche untersagt ist. Du sollst die kein Bildnis von mir machen! Also bedurfte es eines Bindegliedes. Etwas das den Menschen näher war, aber doch gleichzeitig auch so unantastbar, so unwirklich, dass es die Göttlichkeit des Göttlichen unterstreicht. Der heilige Geist! Was immer das ist oder sein soll? Die Seraphim? Die Cherubim? Gottes manifestierter Wille?"

Die Ventrue lächelte versonnen, sie liebte dieses Thema.

"Hier hat die Kirche eine Fehler begangen. Meiner Meinung nach! Es hätte ihr gut getan, dem heiligen Geist etwas mehr Form zuzugestehen, ihn greifbarer zu machen. Selbstverständlich ist das nicht ganz so einfach! Natürlich aus verständlichen Gründen! Was wenn die Menschheit dem Geiste mehr Liebe zugesteht, als Gott selbst? Liefe man nicht Gefahr einen neuen Polytheismus zu schaffen? Es wäre einfacher -und richtiger- gewesen, anstelle des Vater, des Sohnes und des heiligen Geistes, den Vater, den Sohn und die gesegnete Mutter zu setzen. Aber die katholische Kirche krankt an ihrer Angst vor allem weiblichen und wird genau daran demnächst zu Grunde gehen. Da hilft es auch nicht, dass man im fünfzehnten Jahrhundert den Fehler erkannt und die Heilige Jungfrau Maria ins Spiel gebracht hat."

Ihre Augen fixierten sich auf den Malkavianer.

"Aber ich langweile Sie! Verzeihen Sie mir. Wenn Sie es wünschen, sind Sie entlassen!"
 
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