AW: [Geschichten aus der Gruft] Ich war ein ARS-Verbrecher!
(Das habe ich vorhin bereits in eine PM geschrieben, daher kopiere ich das mal raus und schreib mal etwas weiter.)
Ich habe Flags vor allem in Diskussionen in der Forge wahrgenommen (damals, als ich da noch ab und an gelesen habe) und da gab es bereits unterschiedliche Ansichten. Es gab zum einen Leute, die sie als klare Wunschäusserungen der Spieler gesehen haben ("ich will davon mehr im Spiel sehen") und dabei an Regelmechanismen unterschiedlicher Spiele dachten, um diese Dinge zu erfüllen und es gab Leute, die den Nutzen vor allem darin sahen, dass die Entscheidungen der Spieler während der Charaktererschaffung u.ä. bereits einen Hinweis darauf gab, was die Spieler sehen wollen. Damit waren sie ein Sprungbrett für den SL, aber keine Zielsetzung.
Letztendlich ging es darum, wie der SL in Erfahrung bringen kann, was Spieler interessiert. Eine an sich lobenswerte Absicht, wie wohl jeder einräumen wird. Streitpunkt war, ob man das mit expliziten Regelmechanismen macht oder den Charakterbogen interpretiert. Aber dahinter steckte eigentlich die Frage, ob die Spieler Flags bewusst einsetzen sollen (um eine Art Wunschliste für den SL zu schreiben) oder nicht. Soweit ich es erkennen kann sind in deutschen Foren beide Kontroversen ignoriert worden und seitdem gelten Flags als Regelmechaniken, die dafür da sind vom Spieler genutzt zu werden, um dem SL zu sagen, was ihnen gefällt. Eine Verkürzung der Idee, die sie meiner Meinung nach nutzlos bis schädlich macht.
Flags sind als Konzept, das über einzelne Regelmechanismen hinausreicht, sehr hilfreich. Es lenkt die Aufmerksamkeit des SLs auf die Spieler und regt ihn an ein Auge auf ihr Spielverhalten zu werfen, statt eben nur über Settinglogik, Plausibilität und Charaktere nachzudenken. Nach der Idee, dass unterschiedliche Spieler auch unterschiedliche - sich zum Teil nicht überschneidende - Spielmotivationen haben können, ist der Gedanke, dass man das was die Spieler tun und entscheiden auch als (oft unbewusste) Aussage über die eigenen Interessen sehen kann, wohl eine der besten Erkenntnisse, die man Spielleitern auf den Weg geben kann.
Sobald man Flags aber auf Regeln reduziert, die die Spieler nutzen sollen um ihre Wünsche zu äussern (denn anscheinend können Rollenspieler nicht reden?!?), stellt man die ganze Aufteilung zwischen SL und Spieler, und Spielwelt und Charaktere derart auf den Kopf.. dass etwas dabei herauskommt, dass zumindest mir sämtliche Spiellust mit einem Schlag nehmen würde. Als Spieler will ich nicht anderen Menschen sagen, wie sie mich zu unterhalten haben. Und als Spielleiter will ich mir nicht sagen lassen, was ich mit der Spielrunde zu erreichen habe. Aber da sich "Flags" bei einigen Runden dennoch grosser Beliebtheit erfreuen, gehöre ich womöglich zu einer Minderheit.