[22.05.2008] Der Ball - Der Ballsaal

Mitra

Titan
#StandWithUkraine
Registriert
9. Februar 2003
Beiträge
27.434
Das Wort Ballsaal ist selbstverständlich eine kleine Übertreibung. Das ausgeräumte Besprechungszimmer bot gerade genug Platz um etwa dreißig Besuchern und einem kleinen Quartet aus Musikern, einer Tanzfläche und dem ein oder anderen Stehtisch Platz zu bieten.

Alles in allem ist der Raum sehr ansprechend und geschmackvoll gestaltet. Die Musiker spielen klassische Versionen moderner Musiktitel, die sie mit viel Talent vortragen.

Der Ballsaal ist der offizielle Teil des Abends. Hier trifft man den Prinzen und hier werden auch die ganzen wichtigen und offiziellen Tagespunkte stattfinden. Es ist keine Pflicht sich an diesem Ort aufzuhalten, aber es bleibt anzuraten, dass man sich immer mal wieder hier einfindet um auf dem Laufenden zu bleiben.
 
Moishe flanierte über das Deck in den Ballsaal. Lenas Antrittsrede stand an und der Sheriff hatte sich auch noch für den Eröffnungstanz eingetragen. Wann man begann das Tanzbein zu schwingen blieb abzuwarten. Hoffentlich ergibt sich keine Rede die Castros in der Länge übertrifft.
Bevor der offizielle Teil des Fests begann sah der Ventrue ob alles nach den Wünschen der Prinz war und ob er noch auf irgendetwas seine Aufmerksamkeit richten sollte.
 
Es genügte völlig wenn der Sheriff einen Augenblick das Orchester betrachtete, oder kurz seine Aufmerksamkeit nicht auf den gesamten Raum ausdehnte und irgendein Detail betrachtete um den Raum plötzlich mit Nosferatu anzureichern. Entweder war Lurker kurz hinter Moishe in den Ballsaal getreten, oder hatte es geschafft so unauffällig in seiner Ecke zu stehen, dass ihn noch niemand bemerkt hatte. Es blieb zu spekulieren ob das mal wieder zur Legendenbildung über die Verborgenen beitragen sollte, oder es einfach nur seiner Art entsprach derartig aufzutreten.

Wenn man darauf achtete, konnte man erkennen das sich der Primogen der Kanalratten ganz einfach in dieselbe Kleidung geworfen hatte wie schon zum Eröffnungsball Mitte des Monats, den die Interimsregierung der Archonten ausgerichtet hatte. Dunkler Anzug, merkwürdig geschnitten, dunkelgrauer Wollmantel und irritierenderweise eine Kapuze aus dunklem Wollstoff. Da man Edle Herrenmäntel nicht mit übergroßen Kapuzen bekam, konnte man sich leicht vorstellen das dieses Kleidungsstück in der Anzugabteilung einer beliebigen billig Kleidungsketten geschossen worden sein musste, denn derartige modische Verirrungen fand man für gewöhnlich nur dort wo sonst jugendliche und junge Männer, die eigentlich gar keine Anzüge kaufen wollten, weil das uncool war, sich mit Abendgarderobe ähnlichen Artikeln eindecken konnten wenn irgendwo mal ein Onkel heiratete und man sich in der Kleidung annähern musste an etwas nobleres.

Natürlich hatte der Etikettentrampel von einem Nosferatu Primogen nicht daran gedacht das es Tuscheleien geben konnte, wenn man ihn dabei erwischte dasselbe zu tragen wie beim letzten Ball, aber zum Einen konnte man so denken das es ihm ohnehin einerlei war und zum anderem war er in der Nacht zuvor damit beschäftigt gewesen Sabbatangriffswellen auszuweiden in Kassel, weswegen er sich nicht noch um andere Kleidung hatte kümmern können. Hätte man ihn gefragt, wäre er zudem der Meinung gewesen das er mit seinen zwei zur Verfügung stehenden Outfits für derartige Anlässe mehr als gut ausgestattet war.

Sollte der Sheriff in seine Richtung sehen, würde er ein begrüßendes Nicken ernten. Lurker wollte sich nicht aufdrängen, die wenigsten hatten Lust sich an so einem Abend mit seinem Clan abzugeben und auch wenn sie bislang eigentlich nur ein einziges Gespräch geführt hatten, dass nach der Meinung des Verborgenen aber ganz angenehm gelaufen war, kannten sie sich eigentlich kaum und hatten kaum Grund miteinander zu plauschen.
 
Auch wenn es Lurker überraschte nickte Moishe ihm freundlich zu, es stahl sich sogar ein Lächeln auf seine Lippen und er durchquerte die kurze Distanz zum Platz seines Amtskollegen ohne zu zögern. Das Lurker irgendwie recht plötzlich erschienen war nahm der Jude offenbar als gänzlich normal hin. Er war kein unvorsichtiger oder achtloser Mann, aber die Wege der Nosferatu nachzuvollziehen hatte der Ventrue längst aufgegeben.
"Guten Abend Lurker. Wie war es in Kassel? Ich hörte alle sind wohlauf zurückgekehrt."
 
Natürlich würde er nicht durch diesen Abend kommen ohne sich mit irgendjemandem zu unterhalten, das lag wohl in der Natur der Sache, aber ausgerechnet die Könige, oder die Rosen, die beide mehr als geübte Tänzer auf diesem öffentlichem Parkett waren, bildeten nicht gerade seine bevorzugte Gruppe von Sparringspartnern in diesem Bereich. Vermutlich weil beide Clans bei solchen Gelegenheiten immer noch das Potenzial hatten ihn entsetzlich vorzuführen und am Ende dumm da stehen zu lassen. Auch wenn Ben Levy nicht den Eindruck auf ihn machte als wenn er daraus eine besondere Freude zog, so wie das die Rosenriege aus dem Cafe des Trois vor einigen Jahren noch zelebriert hatte, so konnte er Lurker immer noch völlig unbeabsichtigt vor die Wand laufen lassen, indem er sich ganz normal verhielt und die mangelnde Etikette des Nosferatu schon alleine dadurch unterstrich.
Aber es half ja alles nichts, der Verborgene konnte sich schlecht umdrehen und schnell aus dem Raum laufen.

Guten Abend Sheriff. Es war blutig, dreckig aber wenig kompliziert. Vermutlich wollte eine kleine Zelle nur nochmal auf sich aufmerksam machen oder einen lauten Suizid begehen, zumindest haben wir keine wichtigen Hintermänner ermitteln können, insofern ja, alle sind wohlbehalten zurück.

Es entstand eine etwas unangenehme Pause, bis Lurker sich erinnerte das jetzt wohl sein Part der Unterhaltung an der Reihe war. Verdammt, bei Unterhaltungen mit Brujah passierte ihm so etwas nie.

Ich...hoffe hier in der Stadt ging es für sie auch glimpflich aus?

Noch peinlicher wäre als Antwort wohl nur 'und-bei-Ihnen-so' gewesen. Der Nosferatu schielte schnell einmal in die Runde, in der Hoffnung das gleich die Prinz auftreten und ihn erlösen würde. Seine Retterin in der Not.
 
Moishe hatte keineswegs vor Lurker vorzuführen, er wollte sich einfach unterhalten und hören ob es allen gut ergangen war die in Kassel ausgeholfen hatten. "Ja, auch wenn es mehr als anstrengend und auch gefährlich war. Aber wir haben endlich das Kapitel Ziege abgeschlossen. Der Kerl war wirklich immer noch am Leben, aber wir haben das echte Bild in einem Glasfenster der Zacharii - Kirche gefunden und Prinz Cruiz hat es zerstört...danach ist die Kirche schließlich gleich mit eingestürzt. Wir können uns also endlich wichtigeren Dingen zuwenden hoffe ich.
Darf ich bei dieser Gelegenheit auch anmerken das sich sowohl Dr. Thürmer als auch Mr. Black um die Stadt verdient gemacht haben und beide bei der Jagd nach Zieglowski außerordentlichen Mut und Einsatz bewiesen haben?"
 
Der Verborgene musste immer ein wenig übertrieben nicken, wenn er wollte das die Geste durch die Kapuze nach Außen drang, aber für den Ventrue würde die Geste so sicherlich normal erkennbar sein. Er hatte es irgendwie gewusst, oder besser, es war ihm ja im Grunde mitgeteilt worden von dem Etwas das in der alten Bibliothek in Finsterburg gehaust hatte. Vielleicht Ignazius Chemoi, vielleicht dessen metaphysischer Schatten? Oder etwas ganz anderes das nur Lurkers Gedanken an den alten Malkavianer genutzt hatte um sich als dieser auszugeben?
So oder so, der Lude war anscheinend final vernichtet. Der Nosferatu hatte seine wage Theorie das möglicherweise alles was seinerzeit seit Zacharii, dessen Fall und auch die Geschichte um Oliver Buchet in Wahrheit von Zieglowski ausgegangen war, der als Strippenzieher alle an der Nase herumgeführt hatte, an seine Ältesten und das Netzwerk weitergegeben. Damit wäre der Wiedergänger die tatsächlich größte Gefahr für die Stadt gewesen. Es war dieser erschreckende Gedanke der dafür gesorgt hatte, dass Lurker beschlossen hatte das der Mann vernichtet werden musste. Es zeigte außerdem, dass man sich nicht mit den Vampiren dieser Stadt anlegen sollte, egal für wie mächtig man sich hielt.

Ich hoffe inständig das das stimmt. Danke für das Lob, ich bin froh das wir helfen konnten.

Jetzt hätte man sicherlich etwas nettes erwidern können, aber leider war Moishe Ben Levy was seinen Clan anging schrecklich alleine in Finstertal. Alexander Stahl war in der Regel zwar an Kämpfen und Bällen beteiligt, aber abseits davon hatte der Nosferatu ihn wenig mehr als Anzüge spazieren tragen sehen. Sicherlich nicht die Art von Unterstützung die sich der Sheriff wünschte.
 
"Nun, was wahr nist muss wahr bleiben. Wenn Mr. Black jetzt noch seine Manieren in den Griff bekommt bin ich mehr als zufrieden...Was liegt bei Ihnen in den kommenden Nächten an? Zumindest das Problem mit Mina bleibt uns wohl erhalten. Sie hat mit Ziege zusammengearbeitet so lange er noch da war, aber Meyye hat irgedetwas getan das sie uns dann gestern Nacht vom Hals geschafft hat bevor wir uns letztlich mit Ziege befasst haben, aber ich weiss zum Geier nicht was das war. Sagen Sie, zwei unserer neuen Caitiff, Köning und Rosselini scheinen sich ebenfalls ungewöhnlich gut mit Geistwesen auszukennen. Ich frage mich wie sie dieses Wissen erworben haben..."
 
Endlich ein Lichtblick in dieser ansonsten so verkorksten Nacht. Der Königspudel wollte offensichtlich Geschäfte tätigen. Praktisch sofort schlug der Habitus des Nosferatu von gekrümmten Wurm in zum zuschnappen angespannte Schlange um. Bälle, Tänze und Gesellschaftlicher Mummenschanz waren Lurkers Sache nicht und würden es vermutlich auch niemals werden, egal wie lange er sie heimsuchen musste, aber das Informationsgeschäft war natürlich absolut Gebiet.

Sollte Ben Levy zufällig gerade in den Schatten der Kapuze seines Gegenübers schauen, konnte er eine verschwommene Zahnreihe aufblitzen sehen aus der Dunkelheit, ein wenig als hätte der Verborgene dem Ventrue ein Grinsen geschenkt, als dieser auf Harolds Manieren zu sprechen kam. Lurker war selber zwar der Meinung das die nötige Höflichkeit ein absolutes Muss war, aber die Form wie diese ausfiel war häufig jenseits von dem was zum Beispiel der Jude wohl darunter verstehen würde. Solange dies so war, würde er vermutlich einen Teufel tun und seinen Clansbruder übermäßig in dieser Sache gängeln.

Die Informationen die der Sheriff auf den Tisch legte um das Geschäft einzuleiten waren ein Standard Mitbringsel, nichts was nicht auch anders seinen Weg zu Lurker gefunden hätte und eigentlich nur tauglich um bereits vorhandenes Wissen zu bestätigen, aber im Grunde war das ein klassischer Auftakt, der gut zu dem Anderen passte.

Eine Menge von uns beschäftigen sich mit Okkultem. Denken sie an den alten Malkavianer namens Nox, oder Kiera. Von Haus und Clan gar nicht zu sprechen. Aber wenn sie sagen diese beiden sollte man sich genauer ansehen, dann wäre das natürlich kein Problem.

War da ein leichtes Schnurren in der Stimme des Verborgenen?
 
Die Musik verstummte und der helle Klang eines mehrfach an ein Glas schlagenden Löffels erklang. Wer dem Geräusch nachging würde Tamara Dantz erkennen, die freundlich lächelnd auf diese Weise um Ruhe und geneigte Aufmerksamkeit bat. Als alle verstummt waren, räusperte sich die Sekretärin kaum merklich und sprach dann mit fester Stimme,

„Meine Damen und Herren, Frau Magdalena Cruiz, Prinz von Finstertal und Ahn des Clan Toreador.“

Auf der kleinen Bühne auf der bisher das Quartett für musikalische Unterhaltung gesorgt hatte, erschien eine atemberaubend schöne Dame. Mit einem Lächeln das Steine erweichen und Herzen brechen konnte, sah sie in die sie umgebende Menge. Aufmerksamen Beobachtern mochte aufgefallen sein, dass seit dem Erscheinen Magdalenas die Beleuchtung des Saales ein klein wenig nachgelassen hatte. Es schien fast, als würde das Licht ängstlich vor der Toreador zurückweichen.

„Sehr verehrte Anwesende, liebe Freunde! Mit großer Freude stelle ich fest, dass Sie alle in so großer Zahl meiner Einladung gefolgt sind. Mir ist klar, dass nicht wenige von Ihnen eigentlich besseres zu tun hätten, als sich hier bei mir zu einem derartigen Treffen einzufinden, aber nach den schrecklichen Nächten der vergangenen Zeit, all den Siegen, den Niederlagen, dem Blut und dem Schmerz, den ein jeder hier hat durchmachen müssen, ist es umso wichtiger, dass wir uns einige Dinge bewusst machen. Wir, die Überlebenden, die wahren Finstertaler, sollten uns die Zeit nehmen, einen Moment inne zu halten und uns umzusehen. Wir haben nicht überlebt, weil wir als einzelne derart unschlagbar und mächtig sind, sondern weil wir gelernt haben in Zeiten der Not zusammenzustehen. Diese unvergleichliche Einigkeit sucht seines Gleichen und ist einzig und allein nur einem Mann zu verdanken. Herrn Enio Pareto. Ihm gelang es auf unvergleichliche Weise, die verschiedenen Clans mit ihren unterschiedliche Überzeugungen, Daseinsauffassungen, ihrem Hass und ihrem Missgunst, dem Neid und der bei vielen nicht zu übersehenen Arroganz zu nehmen, all diese negativen Eigenschaften abzuschütteln und letztlich eine Symbiose entstehen zu lassen, an der alle Bemühungen unserer Feinde, innerhalb und außerhalb der Stadtgrenzen, zerschellten. Viele hier haben tapfer gekämpft, nicht wenige unserer Freunde starben oder wurden verletzt. Aber letztlich waren wir siegreich.“

Es folgte ein kurzer Moment der Ruhe, damit die Anwesenden die Worte sacken lassen konnten.

„Nun, da wir endlich einige wichtige Siege errungen konnten, ist eine Zeit angebrochen an der wir nicht mehr allein aus der Defensive heraus agieren sollten, sondern aggressiv und entschlossen den Blick nach vorne richten sollten. Natürlich gibt es noch immer viel zu tun und natürlich haben wir längst nicht alle Probleme beseitigen können. Aber wir haben trotzdem eine wichtige Änderung erzwingen können. Mittlerweile reagieren wir nicht mehr allein auf die Angriffe unserer Feinde sondern wir sind es die den Ort, den Zeitpunkt und die Art der kommenden Begegnungen festlegen. Das mag vielen hier vielleicht unbedeutend vorkommen, aber es ist ein außerordentlich wichtiger Schritt denn er besagt, dass wir endlich wieder Herr des Geschehens sind. Wir, die Finstertaler Kainiten, haben endlich wieder die Oberhand gewonnen und zumindest ich bin nicht bereit diese wundervolle Wandlung wieder herzugeben. Damit dies aber so bleibt, damit die Stadt auch langfristig uns gehört, ohne verdeckt wirkende Feinde, menschlicher, lykantrophischer, untoter oder auch geisthafter Form müssen wir das was uns gestärkt hat weiter verinnerlichen. Wir müssen uns darauf besinnen, dass wir als Einheit nahezu unbesiegbar sind. In dieser Weise gilt es die anstehenden Gefahren anzugehen und alle verbliebenen Unruheherde anzugehen.“

Wieder ein kurzer Moment der Stille. Diesmal allerdings nur für einige wenige Sekunden.

„Ich weiß, dass mein Mann in der Vergangenheit viel Schaden angerichtet hat. Nicht nur an Leib und Leben ungezählter Existenzen, sondern auch was das Vertrauen in die Camarilla und die Führung dieser Stadt angeht. Nachdem Oliver Buchet sich aus der Stadt zurückgezogen und zur Ruhe gebettet hat, obliegt es nun mir die Führung dieser Stadt zu übernehmen. Die Primogene der verschiedenen Clans haben mit bereits ihr Vertrauen ausgesprochen, darüber hinaus aber bitte ich auch alle anderen Kainiten dieser Stadt mich als Anführer zu akzeptieren. Ich gebe Ihnen allen hier mein Wort als Prinz, als Kainit und auch als Spanierin die ich immer noch bin, dass ich mein Möglichstes tun werde diese Stadt in eine neue, in eine bessere Zukunft zu führen. Es ist allein in unserer Hand, die Schrecken der Vergangenheit in Vergessenheit geraten zu lassen und Finstertal endlich in einen Lebens- und Liebenswerten Ort zu verwandeln.“

Ein breites Lächeln unterbrach die Rede an dieser Stelle. Es erschien durch und durch aufrichtig und ernsthaft amüsiert.

„Ein liebenswertes Finstertal! Vielen hier, mich eingeschlossen, muss das lächerlich, ja wie ein Zerrbild der eigentlichen Wahrheit vorkommen. Ein ironisch, bissiger Spott, der sich einen Dreck um die wahrhaftigen Tatsachen schert. Aber trotzdem! Ich bitte Sie! Stellen Sie es sich einfach mal vor. Nur für einen Augenblick! Was wäre, wenn uns dieses Wunder gelänge? Wenn es uns tatsächlich gelingt die Stadt wieder friedlich und lebenswert zu machen? Einen Ort zu schaffen, in dem die Menschen ohne Angst des Nachts über die Straßen gehen können und in der auch die Jagd endlich wieder leichter fällt weil die Menschen nicht mehr bei jedem noch so kleinen Schatten in Deckung springen und sich einschließen.

Natürlich haben wir bis dahin noch einen sehr weiten Weg vor uns. Natürlich werden wir auch weitere Opfer bringen müssen. Aber zumindest ich bin überzeugt, dass wir es schaffen können.

Im Zuge dessen habe ich einige alte Gesetze reaktiviert und einige weitere erlassen. Sie sind gedacht unser Zusammenleben zu verbessern und die allgemeine Sicherheit zu erhöhen. Die Durchsetzung dieser Gesetze obliegt selbstverständlich dem Sheriff.“

Nun kam denn wohl der unangenehme und trotzdem nicht minder wichtige Teil.

„Über die geltenden Traditionen hinaus, deren Bedeutung ich an dieser Stelle ich nur dringendst unterstreichen kann erlasse ich folgende Gesetze:

  • 1.) Der Handel mit Waffen in dieser Stadt ist einzig und allein zwei Personen gestattet. Nur über Frau Sarah Schmidt dürfen Waffen erworben werden. Diese Waffen sind registriert und ihrem Besitzer zugeordnet um sie bei Missbrauch oder einem Verbrechen ihrem Eigentümer zuordnen zu können. Jede Waffe, auch die bereits im Besitz befindlichen sind bei Frau Schmidt zu registrieren! Die einzige Ausnahme hierbei gilt für Waffen aus Silber. Der Handel hiermit geschieht über Frau Roxana Dragomir und muss begründet werden. Auch hier ist eine Registratur natürlich verpflichtend.
  • 2.) Waffen, die Eindeutig zum Ziel haben andere Kainiten zu vernichten, sind generell verboten. Dies gilt in besonderem Maße für Brandmunition wie zum Beispiel aus Phosphor oder vergleichbaren Materialien. Ebenso ist es untersagt andere Kainiten mit Waffen zu verletzen, die nicht durch den normalen Einsatz von Vitae geheilt werden können. Auch diese Waffen als Drohgebärde zu verwenden ist untersagt. Als Beispiel seien hier die wolfsartige Klauen genannt, wie sie häufig bei den Gangrel anzufinden sind.
  • 3.) Ausnahmen vor dieser Regel sind einzig und allein über die Akademie zu erwirken. Namentlich bezieht sich das ausschließlich auf direkte Anweisungen durch Frau Caitlin McKinney oder meine Person.
  • 4.) Ich habe im Stadtgebiet drei Sperrgebiete ausgerufen. Diese zu betreten ist strengstens untersagt. Zur genauen Bestimmung dieser Sperrgebiete und dem Umgang damit, wenden Sie sich bitte an die jeweiligen Primogene Ihres Clans. Als viertes Gebiet seien noch die Wälder südlich der Stadt genannt. Sie nehmen eine Sonderform ein, denn ich habe mit den dort lebenden Garou abgesprochen, dass jeder Kainit der sich dort hinein wagt unter die vollständige und alleinige Gerichtsbarkeit der Werwölfe fällt. Da uns die dort lebenden Garou alles andere als Wohlgesonnen sind, dürfte ihr diesbezügliches Strafmaß das der Akademie um ein Vielfaches übersteigen. Natürlich ist es den Garou gleichsam ebenfalls untersagt, die Stadt zu betreten. Hier erinnere ich allerding daran, dass es keinem Kainiten erlaubt ist gegen einen erkannten Werwolf vorzugehen. Es ist davon abgesehen auch kaum zu empfehlen. Diese Pflicht obliegt allein den Geißeln, dem Sheriff, unserer Hüterin und natürlich den Vertretern der Akademie.
Mir ist bewusst, dass nicht wenige unter Ihnen diese Regelungen als Gängelungen oder Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht ansehen. Das mag vielleicht sogar stimmen. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass diese Schritte unbedingt notwendig sind sicherlich auch von den meisten nachvollzogen werden können.“

Eine letzte Unterbrechung, dann war die Rede an ihrem Ende.

„Wie Sie sich sicherlich alle erinnern, habe ich in der ersten Nacht meiner Regentschaft die Tür zu meinem Büro weit offenstehen gehabt. Dies sollte verdeutlichen, dass jeder von Ihnen ohne Ausnahme in meinem Büro herzlich willkommen ist. Ich werde diese Form der Offenen Tür in der kommenden Nacht wiederholen und ich bitte jeden der hier Anwesenden darum mich persönlich aufzusuchen, wenn es Unstimmigkeiten mit meinen Regelungen geben sollte. Ich habe nicht vor, mich Ihren Ansichten zu entziehen und werde mich all Ihren Kritiken und Anmerkungen persönlich stellen. Natürlich kann ich Ihnen nicht versichern, dass ich die genannten Gesetze bei der ersten Gelegenheit wieder revidieren werde. Zumindest habe ich das nicht vor, aber ich kann Ihnen versprechen ein offenes Ohr zu haben und mir alles was Sie mir sagen wollen ernsthaft zu Herzen nehmen werde.

Ich danke Ihnen für Ihre Zeit und Ihre Geduld. Bitte bleiben Sie noch einen Augenblick im Ballsaal, damit ich Gelegenheit habe Sie persönlich zu begrüßen. Vielen Dank!“

Lena verbeugte sich gekonnt, dann gab sie das Mikrophon an Tamara weiter und begann damit ihre Gäste zu begrüßen und mit jedem von ihnen ein freundliches Wort zu wechseln.
 
Zuletzt bearbeitet:
Moishe merkte das er den Nosferatteu irgendwie angefüttert hatte ohne das er mehr als Smaltalk hatte machen wollen. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf die Lippen des Ventrue. Das war die wahre Kunst der Intrige.
"Nun, es liegt nichts gegen die Leute vor bisher, im Gegenteil waren sie sehr hilfreich gestern Nacht, aber wenn ich bedenke wie eifersüchtig solches Wissen bei Tremere oder Giovanni gehütet wird macht mich das doch neugierig. Was würde wohl jemand dafür verlangen der auf diese Sache ein Auge haben würde, nur zur Sicherheit damit sich dort keine neue Baustelle auftut aus einer Richtung die wir bisher garnicht erwarten."
Lenas Rede kam gerade Recht um dem Nosferatu Zeit zu geben nach dem Köder zu schnappen und ein Angebot zu machen. Moishe verfolgte mit äusserstem Interesse in der Zwischenzeit die Rede von Prinz Cruiz, auch wenn sie für den Sheriff nichts Neues barg.
 
Caitlin hatte Lenas Rede entspannt zugehört, ab und zu am Glas genippt und an den richtigen Stellen geklatscht. Während dessen hatte sie die Zeit genutzt um mal zu gucken, wer sich denn heute die Ehre gab - und, was erschreckend war, wer nicht. Denn was konnte tatsächlich wichtiger sein als eine Ein-/Vorladung der Prinz selbst?!?

Im Anschluss an jene Eröffnungsrede winkte sie Katharina heran, die mit Anna in Begleitung bereits auf sie zu kam. Wunderbar, zumindest die Tremere der Stadt waren vollständig und standesgemäß vertreten. Über das äußere Erscheinungsbild der Damen lies sich in keinerweise klagen und Anna hielt sich bewundernswert tapfer. Das war mal Courage. Die Regentin lächelte den beiden zu und meinte schlicht: "Seid gegrüßt."
 
Bevor Lurker dazu kam das Gespräch fortzusetzen trat die Prinz auf. Natürlich atemberaubend wie immer, allerdings atmete keiner der Gäste. Wenn doch dann nur als Hobby. Da die Neuigkeiten allesamt bereits im Vorfeld besprochen worden waren, trafen die neuen Regelungen auch niemanden wie eine Dampframme. Die große Rede zum Zusammenhalt aller Untoten der Stadt nahm der Nosferatu ebenso stumm und klaglos hin. Seiner Meinung nach waren die Finstertaler nicht besonders, oder einfach dickere Freunde als anders wo auf der Welt, sondern arbeiteten einfach nur aus reinem Selbsterhaltungstrieb miteinander, aber was genau der Kit sein sollte der alles vor dem Absturz bewahrte war ihm im Grunde auch gleich.
Da der Verborgene aus Prinzip nichts trank das er nicht als sicher erachtete und ganz bestimmt nicht aus einem Glas, oder Kelch, die Anwesenden sollten dankbar sein nicht vor der Herausforderung zu stehen den Anblick eines Nosferatu mit gewissen Einschränkungen der sich abmühte aus einem Gefäß zu trinken wieder aus dem Gedächtnis zu verbannen, war der nächste Fauxpas auch schon auf der Schwelle, denn der Primogen von Clan Kanal hatte somit kein Glas und konnte der Prinz daher nicht zuprosten.
Gerade hatte er glücklicherweise ein mögliches Geschäft abzuwickeln, daher kam er nicht mal auf die Idee das er wieder etwas falsch gemacht haben könnte, sondern widmete sich wieder Moishe.

Das würde nicht mehr als mildes Wohlwollen zu der einen oder anderen Gelegenheit kosten, denn im Sinne der guten Zusammenarbeit zur Sicherheit der Stadt versteht es sich von selbst ein Auge auf solche Dinge zu haben. Das letzte was wir natürlich wollen ist, dass jemand von außerhalb anklopft und sich nach Mitgliedern unserer Domäne erkundigt die für seinen Geschmack zu viel wissen. Wer nämlich heimlich in bestimmten Büchern geschnüffelt hat, hätte vielleicht einen Grund ausgerechnet hier her zu kommen und sich zu verstecken. Selbst die höllischen Heerschaaren haben im Zweifel kein Verlangen einem hier her zu folgen.

Obwohl der Tonfall des Verborgenen trocken war wie ein staubiger Dachboden im Hochsommer war zu erkennen das er die Metapher zwar lustig meinte, aber grundsätzlich den Versuch sich in dieser Stadt zu verstecken für einen mehr als validen Grund hielt hier zu sein.
Unauffällig hielt er ein wenig Abstand zum Sheriff, falls die Prinz, oder einer der anderen Gäste sich nähern wollten.
 
Moishe flüsterte dem Nosferatuprimogen seine Antwort zu. Sein Ton war dabei respektvoll und freundlich wenn auch dezent um Lenas Ansprache dadurch nicht zu stören.
"Wir sind natürlich dem Clan der Verborgenen immer wohlwollend gesonnen, sind die Nosferatu doch ein überaus geschätzter und wertvoller Verbündeter und Geschäftspartner. Sie können mir glauben das ich den Wert einer guten und fundierten Information zu schätzen weiss, ist sie doch die Grundlage von jeder Entscheidung die ich treffe. Wenn ich dieses Wohlwollen einmal nicht sofort von mir aus zeigen sollte zögern Sie bitte nicht mich daran zu erinnern wenn es einmal angebracht ist lieber Freund."
Moishes Worte waren wahrscheinlich salbungsvoller als es Lurker lieb war, aber die Wertschätzung war nur zum Teil überspielt doch das gehörte zum Spiel, Worte wie Dolche und Dolche in Worten. Es gehörte zu Moishes grundlegender Politik sich eine gute und vertrauensvolle Beziehung zu den Nosferatu aufzubauen und er hätte sich niemals erlaubt ihnen Namen wie Kanalratten zu geben, dazu schätzte er die Arbeit der Verborgenen viel zu hoch.
 
Helena sah sich um, wer noch hier war und dann sah sie, daß sie eine SMS bekommen hatte. Aus der hochgezogenen Augenbraue beim Beginn der Nachricht wurde ein erfreutes Lächeln.

Ein Toreador, Götter und Dämonen, da schneite ihnen doch was vom Clan der Rosen ins Haus, das würde doch wohl eine gute Überraschung werden, jetzt mußte sie nur noch auf die Meldung warten, daß der Herr eingetroffen war. Es konnte doch nicht sein, daß der Hausclan nur auch 2 halben Rosen bestand? Ihr Blick ging über die Anwesenden, ein stummes Durchzählen, wer denn fehlte.
 
Der Prinz näherte sich Lurker und schenkte ihm ihr umwerfendstes Lächeln. Es war so voller Wärme und Zuneigung, dass dem alten Nosferatu das Herz schmelzen mochte. Lena richtete jedoch nicht das Wort an ihn, sondern ging an ihm vorbei. Jedoch nicht ohne ihn kurz am Arm zu berühren. Eine offene Geste der Vertrautheit, so wie man einen alten Freund begrüßte den man nur deshalb nicht ansprach, weil mit ihm bereits alles besprochen war.

Lena nickte auch Helena freundlich zu, hier allerdings als Geste des gegenseitigen Respekts, dann richtete sie ihren Weg zielstrebig dem Sheriff zu.

"Guten Abend, Herr Ben Levi. Gut sehen Sie aus!", Lena erkannte Caitlin und hob grüßend die Hand, mit ihr musste sie sich ebenfalls noch unterhalten. "Haben Sie einen Augenblick? Ich hätte ein paar Fragen zu den neusten Ereignissen in der Stadt!"
 
Die Meldung, auf die Helena wartete kam nicht wenig später an. Allerdings nicht bei ihr. Stattdessen machte sich das Telefon von Tamara Dantz bemerkbar. Es war einer der menschlichen Sicherheitsposten. In gewisser Hinsicht ein Glücksfall, befand sich doch eine Ahnin an Bord, deren Präsenz eine solche Kommunikation unmöglich machte. Doch die Yacht war groß und Roxana befand sich im Moment wohl weit genug entfernt.
 
Tamara zog sich aus dem Ballsaal zurück und nahm das Gespräch erst entgegen als sie sicher war niemanden mit dem Telefonat zu behelligen.

"Dantz hier, was gibt es?", sprach sie in ihr Handy und hofft inständig, dass es sich um keine unvorhergesehenen Schwierigkeiten handelte.
 
Der Anrufer blieb geduldig. Tatsächlich handelte es sich ja auch um nichts unvorhergesehenes, hatte die Hüterin ja sogar entsprechende Vorbereitungen getroffen. Auf ihre Antwort erklang tiefe männliche Stimme.

"Guten Abend, Frau Dantz. Wir haben hier einen Herren, der Einlass erwünscht. Ein gewisser Stefan von Weidesmühl. Möchte wohl zu Frau O'Neill."
 
"Danke! Ich kümmere mich darum. Weisen Sie Herrn Weidesmühl bitte an, zu warten."

Ohne eine weitere Bemerkung beendete die Sekretärin das Gespräch und steckte das Smartphone in die Tasche. Dann suchte sie nach Helena O'Niell. Als Tamara sie gefunden hatte, sehr schwer zu finden würde sie direkt nach der Ansprache ja nicht sein, richtete sie das Wort an die Hüterin.

"Hallo Frau O'Niell! Entschuldigen Sie bitte die Störung. Einer der Wachleute hat mich soeben darüber informiert, das draußen ein gewisser Herr von Weidesmühl um Einlass bittet. Er beruft sich bei seiner Anfrage auf Ihren Namen und bittet darum Sie sprechen zu dürfen. Ist Ihnen etwas darüber bekannt?"

Die Ghul lächelte freundlich und sah Helena fragend an.
 
Zurück
Oben Unten