Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?

Mithras

Halbgott
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Die Frage ist natürlich theoretischer Natur und betrifft vor allem D&D, aber warum wurde Tolkiens EDO zum Fantasy Standard? Warum nicht die Humanozentrik von Fahrd, dem grauen Mausling, Conan und Elric? Warum Elfen, Zwerge und klischeehafte böse Orks statt verschiedener Menschenvölker und unnatürlichen Kreaturen? Und warum Feuerball Magie statt die viel interessanteren Alternativen aus Sword & Sorcery von Lovecraft, Robert E. Howard, Moorcock, Leiber und Clark Ashton Smith? Angeblich war Gygax nämlich nicht so angetan von Der Herr der Ringe und wurde dazu überredet die Völker von Mittelerde als Klassen einzubauen.

Das liest sich jetzt vielleicht nach Trollpost oder Ragebait aber ich bin an euren Gedanken und Meinungen dazu interessiert. (Lieb sein in den Kommentaren!)
 
Sword & Sorcery gar nicht so "Fantastisch" ist sondern mehr so Bodenständig, tendenziell sogar eher Endzeit oder auch Früh Antike optisch und vom Gefühl.
 
Ich würde es nicht auf D&D beziehen sondern auf DSA. Tatsächlich hat Ulrich Kiesow Von Anfang an sich an den Hernn der Ringe gehalten. Aber Tolkin es erfunden, oder sich nicht auf viele Mythen bezogen. Oder sich mehr an der nordischen Mythologie orientiert? Eventuell hat jemand auch Einblick in Midgard das älteste europäische Fantasy Rollenspiel. Als Basis sehe ich die verschiedenen Eddas. Aber wurde der HDR als Basis genommen, oder haben sie unabhängig sich an den Mythen orierentiert, Keine Ahnung
 
Die eigentliche Frage ist, brauchen wir so viele Genres? Ich glaube schon. Die Genre haben sich nacheinander entwickelt. Aus der Sword & Sorcery wurde langsam die Fantasy Ende der 60er.

Tolkien hat zudem sehr viel Arbeit in die Welt gesteckt. Hat alles mögliche entwickelt vor allen Dingen Sprachen. Das war bei Howard z.b eher eine kleine Zeichnung, die man manchmal auch in Conanbüchern findet.

Zudem spielt Sword and Sorcery in allen möglichen Zeiten – auch in der Zukunft. Das war lange Zeit ein No-Go für die Fantasy.

Das Thema der SnS ist – anders als in der Fantasy – der Kampf zwischen Zivilisation und Barbarei. In der Fantasy geht es eher um subtilen Horror bzw. Ängste.

Ist erstmal das was mir einfällt.

@sun Es gibt diverse neue Dokus über Tolkien, wenn man sich darüber mal informieren möchte:
 
Tolkiens Herr der Ringe hat einen großen Beliebtheitsschub während der Flower-Power-Jahre der späten Sechziger, frühen Siebziger erhalten.
Die Tolkien-Fantasy bedient die Sehnsucht nach einer heilen Welt, nach einer Welt der bezaubernden Wunder, ja auch der Bedrohung derselben durch die Bösen (tm), die aber von den Guten (tm) besiegt werden.

Sword & Sorcery ist klassischer Western, der Kontrast zwischen der letzten Grenze, dem Weiten Land (tm), wo der Einzelne zählt, wo persönliche Werte und Moralvorstellungen zählen, gegenüber der Zivilisation. ALLE Städte sind verkommen, voller Lügner, Betrüger, vertrauensunwürdigem Abschaum - und das sogar bei Ruinenstädten untergegangener Zivilisationen.

Es gibt aber KEIN klares Gutes und Böses. Der Barbar handelt NATÜRLICH, nicht überlegt, kalkulierend, verschlagen auf zivilisierte Weise, sondern wie ein natürliches Raubtier.
Wesentliche Aussage bei Conan-artiger Sword&Sorcery: "Der natürliche Zustand der menschlichen Gesellschaft ist das Barbarentum". Alle Zivilisationen MÜSSEN an sich selbst scheitern, während sie im Moment ihrer Schwäche von den gesunden, natürlichen "Anti-Körpern" der Welt, den Barbaren, überrannt werden.

Das ist KEINE Heile-Welt-Ästhetik.

Selbst die alten Ruinen, so beeindruckend deren Anlagen, Architektur und vergangenes Wissen gewesen sein mögen, sind nicht die erbaulichen Wunder der alten Zeit, wie es bei Tolkien der Fall ist, sondern die Zeugen der Verkommenheit, der Degeneration, der Unmenschlichkeit, die JEDE Zivilisation mitbringen MUSS. Niemand - außer verdorbenen perversen Zauberern - sehnt sich nach diesen alten Zeiten.

Ähnlich bei der Anti-Sword&Sorcery von Moorcock, in der auch überall die entwickeltsten Zivilisationen so verdorben und pervers sind, daß niemand sich nach diesen Kulturen sehnt, sondern sie vernichtet sehen will oder ihnen flieht.

Kein Wunder also, daß die Heile Welt (tm), der "röhrende Fantasy-Hirsch vor dem Nussbaum-Wohnzimmerschrank" die meisten Leute anspricht, die einen KONTRAST zur deprimierenden Alltagsrealität erleben wollen. Und das ist auch gut so. Denn wem geht es denn heutzutage, oder auch schon vor 50 Jahren, so gut, daß einem jeden Tag die Sonne aus dem Arsch scheint, daß man sich in einem Depri-Rollenspiel mal so richtig runterziehen lassen muß, um wieder einmal für ein paar Stunden Bodenkontakt zu bekommen?

Realitätsflucht - Eskapismus der GUTEN Sorte, das ist was Tolkiens EDO-Fantasy bedient.

Und das ist das Problem des modernen D&D, weil es HEUTIGE Alltagspolitikproblemen wie eine Seuche in den Safe-Space der Realitätsflüchtlinge bringt und ihnen so unmöglich macht, mal Abstand von den Alltagsdepressionen zu gewinnen.
 
Zudem sollte man bei der Betrachtung neben Tolkien und Ablegern wie DSA, Midgard, und natürlich alten D&D Spielwelten, eine der am weitesten ausgearbeiteten und kulturell verschiedenartigsten Spielwelten betrachten, die die obigen Themen, Heile Welt (tm) bzw. Zivilisation ist Scheiße (tm), überhaupt nicht bedient, sondern die die individuellen Sichtweisen von KULTUREN hervorhebt: Glorantha.
 
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