Tolkiens Herr der Ringe hat einen großen Beliebtheitsschub während der Flower-Power-Jahre der späten Sechziger, frühen Siebziger erhalten.
Die Tolkien-Fantasy bedient die Sehnsucht nach einer heilen Welt, nach einer Welt der bezaubernden Wunder, ja auch der Bedrohung derselben durch die Bösen (tm), die aber von den Guten (tm) besiegt werden.
Sword & Sorcery ist klassischer Western, der Kontrast zwischen der letzten Grenze, dem Weiten Land (tm), wo der Einzelne zählt, wo persönliche Werte und Moralvorstellungen zählen, gegenüber der Zivilisation. ALLE Städte sind verkommen, voller Lügner, Betrüger, vertrauensunwürdigem Abschaum - und das sogar bei Ruinenstädten untergegangener Zivilisationen.
Es gibt aber KEIN klares Gutes und Böses. Der Barbar handelt NATÜRLICH, nicht überlegt, kalkulierend, verschlagen auf zivilisierte Weise, sondern wie ein natürliches Raubtier.
Wesentliche Aussage bei Conan-artiger Sword&Sorcery: "Der natürliche Zustand der menschlichen Gesellschaft ist das Barbarentum". Alle Zivilisationen MÜSSEN an sich selbst scheitern, während sie im Moment ihrer Schwäche von den gesunden, natürlichen "Anti-Körpern" der Welt, den Barbaren, überrannt werden.
Das ist KEINE Heile-Welt-Ästhetik.
Selbst die alten Ruinen, so beeindruckend deren Anlagen, Architektur und vergangenes Wissen gewesen sein mögen, sind nicht die erbaulichen Wunder der alten Zeit, wie es bei Tolkien der Fall ist, sondern die Zeugen der Verkommenheit, der Degeneration, der Unmenschlichkeit, die JEDE Zivilisation mitbringen MUSS. Niemand - außer verdorbenen perversen Zauberern - sehnt sich nach diesen alten Zeiten.
Ähnlich bei der Anti-Sword&Sorcery von Moorcock, in der auch überall die entwickeltsten Zivilisationen so verdorben und pervers sind, daß niemand sich nach diesen Kulturen sehnt, sondern sie vernichtet sehen will oder ihnen flieht.
Kein Wunder also, daß die Heile Welt (tm), der "röhrende Fantasy-Hirsch vor dem Nussbaum-Wohnzimmerschrank" die meisten Leute anspricht, die einen KONTRAST zur deprimierenden Alltagsrealität erleben wollen. Und das ist auch gut so. Denn wem geht es denn heutzutage, oder auch schon vor 50 Jahren, so gut, daß einem jeden Tag die Sonne aus dem Arsch scheint, daß man sich in einem Depri-Rollenspiel mal so richtig runterziehen lassen muß, um wieder einmal für ein paar Stunden Bodenkontakt zu bekommen?
Realitätsflucht - Eskapismus der GUTEN Sorte, das ist was Tolkiens EDO-Fantasy bedient.
Und das ist das Problem des modernen D&D, weil es HEUTIGE Alltagspolitikproblemen wie eine Seuche in den Safe-Space der Realitätsflüchtlinge bringt und ihnen so unmöglich macht, mal Abstand von den Alltagsdepressionen zu gewinnen.