AW: Maskerade vs. Requiem
Alles was ich von dem (Regel)System mitbekommen habe war eine Charerschaffung und ein Probekampf, und das Fazit, dass die Kämpfe vielleicht flotter, aber imo langweiliger werden (soaken macht Spass!). Über den Punkt kann man sich gewiss lange zanken, mir jedenfalls gefallen unsere Hausregeln.
Die Argumentation, dass ein System, dass erst verbessert werden muss, bevor es spielbar ist, scheisse ist, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich denke viele Gruppen verbesseren ihre jeweiligen Systeme, um sie ihren Vorlieben und Spielstilen anzupassen. Also der heilige Gral wird Requiem da wohl auch nicht sein.
Insofern ist das ganze auch auf die Situation owod-nwod nicht ganz anwendbar. Immerhin geht es hier nicht um die Endtscheidung zwischen zwei Systemen, weil es ja nicht so ist, dass die noch in irgendeiner Konkurrenz zueinander standen. Die owod lief aus, und zu kaufen gab es nur noch nwod.
Wenn ich keines der Systeme je gespielt hätte, würde mich ja die Argumentation überzeugen - altes, verbesserungswürdiges System das viel Handarbeit braucht versus neues und offenkundig viel kompakteres Regelwerk - keine Frage, dass ich da kaum Spass daran hätte mich durch hunderte Seiten Foreneinträge zu wälzen, dreißig Sourcebooks zu lesen und dann auch noch mit meiner Spielrunde Abend für Abend daran rumzubasteln.
Aaaaber: Als die nwod rauskam, hatten ich und meine Spieler diese Arbeit (und die Kohle) bereits investiert - der Anreiz hier auf das neue System umzusatteln, weil wir dann die ganzen Hausregeln nicht mehr brauchen würden, ist da schon eher gering. Außerdem haben die owod Systeme, wie fast alle Rollenspiele, immer auf die "goldene Regel" hingewiesen - wem was nicht passt, der soll es ändern! Was soll an dem Ansatz bitte Scheisse sein?
Hier handelt es sich ja nicht um Naturgesetze, wo man eben nicht die Schwerkraftkonstante auf belieben ändern kann, sondern um Rollenspiele, die trotz aller Gemeinschaftlichkeit eben eine sehr individuelle Erfahrung sind.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es in der ganzen Diskussion ein bisschen um das neue Auto geht: Das alte hat lange Zeit gedient, jeder musste mal dran rumdoktorn war aber glücklich, weil es auch das einzige auf dem (wod)Markt war. Kaum wird die alte Linie nicht mehr produziert und es gibt neue Autos, wird erwartet, dass die anderen sofort zusammenbrechen oder langsamer werden oder nicht mehr von A nach B kommen (sprich Spass beim Spielen machen).
Mag sein, dass mein Auto nicht so toll glänzt, vielleicht auch nicht so flott ist und keinen Airbag oder Bordnavi hat, aber es fährt noch immer; zumindest sind keine unserer Vampire oder Magechroniken mit dem Erscheinen der nwod langweiliger geworden. Es kam auch nie die Frage auf: "He, vielleicht macht das neue Vampire ja noch mehr Spielspass!"
Und warum kam das nie auf? Weil die Regeln der Teil sind, die den Spielspass wohl nicht endtscheidend definieren
(das mögen bestimmte Spieler sicherlich anders sehen), sondern es eher auf Erwartungen beim Spiel, Harmonie in der Gruppe, Herausforderungen im Spiel und vor allem die Leidenschaft geht mit der man sich zu der Sache hinsetzt.
Und einen Krieg über das "heilige D&D" will ich sicherlich nicht anfangen - mein erstes Rollenspiel war nicht DSA, sondern das ganz alte D&D, und ich hab sogar noch einen Haufen alter AD&D Sachen bei mir rumfuhrwerken, weil wir das jahrelang gespielt hatten. Bloss D20 ist bei uns nie eingeschlagen, weil wir noch zu AD&D Zeiten einen skurrilen Rolemaster/AD&D Mix eingeführt hatten, an dem zwar auch dauernd rumgebastelt wird, der aber nach wie vor einen mordsmässigen Spass macht.